erweiterte suche | abmelden | forum | impressum

   
1 von 2
1
Welchen Maigret habt ihr zuletzt gelesen ?
Geschrieben: 17. Mai 2006, 01:20 Uhr   [ Ignorieren ]
Polizeimeister (Sitte)
Avatar
Rank
Total Beiträge  28
Beigetreten:
10. Mai 2006

Neues Forum - alter Thread !  cheese

Titel : Maigret in Nöten (1933)

Verlag : Heyne k45
Ausgabe von : 1974

Klappentext : Am Quai des Carrieres ertrank ein Mensch. Er ertrank auf Befehl Emile Ducraus, des unumschränkten Herrschers über Schleppkähne und Steinbrüche. Selbst Maigret musste es sich gefallen lassen, von Ducrau herumkommandiert zu werden wie ein Polizeirekrut. Dabei war das Maß der Verbrechen Ducraus längst mehr als voll. Und Maigret kam sich vor wie ein Dompteur, der einen Tiger hinter Gitter bringen wollte.

Bewertung : Wie so oft führt einen der Klappentext der Heyne-Ausgabe stark in die Irre. Hier werden in diesem Fall sogar Fehlinformationen gegeben. Doch das ist nicht der Grund, warum “Maigret in Nöten” für mich zu den schwächsten Folgen der Reihe gehört. Diesem Roman fehlt es an der gewohnten Intensität und - wie fast immer wenn das Geschehen außerhalb von Maigrets üblichem Revier stattfindet - der Charme. Maigret ist unentschlossen und mit sich selbst nicht im Reinen ... Simenon war es beim Schreiben - so scheint es mir - auch nicht.

2 v. 10 Punkten

Profil
 
 
Geschrieben: 17. Mai 2006, 20:45 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 1 ]
Administrator
Avatar
RankRank
Total Beiträge  65
Beigetreten:
22. November 2008

Liegt es wirklich daran, dass Maigret nicht in seinem Revier war?

Für mich liegt der Reiz der Geschichte in dem Schwebezustand, in dem Maigret sich befindet. Maigret ist da und eigentlich schon nicht mehr. Es ist wie der letzte Tag in einer Firma, an dem man seine Sachen zusammenpackt, rumgeht und sich verabschiedet. Statt diesen Abschied in Ruhe zu genießen, ist Maigret in der Vorstadt und wird mit einem Menschen konfrontiert, der ihm eigentlich sehr ähnlich ist. Aber der denkt nicht daran in den Ruhestand zu gehen, sich in einem Liegestuhl in der Nähe der Loire zu aalen. Der ist darauf bedacht, kein Stück seiner Macht abzugeben.

Maigret, das stellt sich für mich als eigentliches Thema heraus, merkt, dass er gar nicht in den Ruhestand gehen will. Er will sich aber auch nicht kaufen lassen und als großes Schoßhündchen Maigrets aliementiert werden.

Viele Grüße,
Oliver

Profil
 
 
Geschrieben: 15. Juni 2006, 14:15 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 2 ]
Polizeimeister (Sitte)
Avatar
Rank
Total Beiträge  28
Beigetreten:
10. Mai 2006

Titel : Maigret verliert eine Verehrerin (1942)

Verlag : Heyne k101
Ausgabe von : 1968

Klappentext : Cécile ist bekannt am Quai des Orfèvres. Stundenlang wartet sie jeden Morgen geduldig auf Kommissar Maigret und berichtet ihm von wunderlichen Dingen, die nachts in der Wohnung ihrer Tante geschehen: Stühle werden gerückt, Tintenfaß und Brieföffner wandern übers Schreibpult ... Man lacht über Cécile. Da wird ihre Tante, eine reiche alte Dame, im Bett erwügt. Ein zweiter Mord am gleichen Tag verwirrt die Situation völlig. Maigret ist entsetzt. Man findet die Leiche ausgerechnet - in einem Besenschrank des Polizeipräsidiums.

Bewertung : “Cécile est morte” gehört für mich zu den besseren Maigret-Romanen. Mehr denn je ist der Kommissar in sich zurückgezogen und löst den Fall im Alleingang. Von Selbstvorwürfen geplagt hat sich Maigret in diesen Fall regelrecht verbissen und deckt die Hintergründe der Tat einem nach dem anderen auf.
Dabei gelingt es Simenon mal wieder, ein Bild von der Stadt Paris und seinen Bewohnern zu schaffen wie es eigentlich gar nicht in die Zeit gepasst hat. Während überall in Europa der Krieg Einzug gehalten hat ignoriert Simenon diese Tatsache erneut komplett. Maigret ist halt eine Welt für sich.

7 v. 10 Punkten

Profil
 
 
Geschrieben: 14. Juli 2006, 01:12 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 3 ]
Polizeimeister (Sitte)
Avatar
Rank
Total Beiträge  28
Beigetreten:
10. Mai 2006

Titel : Madame Maigrets Liebhaber (1938)
außerdem noch enthalten : Sturm über dem Kanal / Pigalle / Der Notar von Châteauneuf

Verlag : Diogenes 21791

Ausgabe von : 1990

Klappentext : “Simenon ist ein sonderbarer Mensch, über den sich sogar die guten Lietraten Frankreichs, Pierre Mille und auch Colette, den Kopf zerbrechen. Er legt mit der Regelmäßigkeit eines Federviechs allmonatlich seinen Roman. Der Held ist stets ein einfacher Kommissar vom Quai des Orfèvres und heißt Maigret, obwohl er dick ist. Die Romane sind fast alle nach dem gleichen Schema geschrieben. Aber alle sind sie gut. Es ist eine Atmosphäre darin, eine gar nicht billige Menschlichkeit, ein Soignieren des Details ... ” Friedrich Glauser

Bewertung : Vier kurze Maigret-Geschichten und allesamt sind sehr gut. Von der ersten Geschichte “Madame Maigrets Liebhaber” bleibt vor allem die Namensnennung von Maigrets treusorgender Gattin in Erinnerung : Henriette.
Alle vier Geschichten entwickeln trotz ihrer Kürze (oder vielleicht gerade deswegen) ihren besonderen Charme. “Der Notar von Châteauneuf” zeigt, dass es sich nicht immer gleich um einen Mord handeln muss, um Maigrets kleine graue Gehirnzellen in Trab zu bringen. In “Pigalle” wirkt Maigret cooler als es ein Clint Eastwood in seinen Italowestern hätte sein können. Und in “Sturm über dem Kanal” kann der Kommissar selbst nach seiner Pensionierung nicht verhindern, dass er über das erstbeste Verbrechen stolpert.
Und noch viel mehr Wirkung haben diese Geschichten, wenn man sie so wie ich, in der Nacht im Pariser Hotel lesen kann.

9 / 10 P.

Profil
 
 
Geschrieben: 10. August 2006, 10:32 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 4 ]
Polizeimeister (Sitte)
Avatar
Rank
Total Beiträge  28
Beigetreten:
10. Mai 2006

Titel : Maigret und das Gespenst (1964)

Verlag : Diogenes
Ausgabe von : 1990

Klappentext : Beinahe wäre Inspektor Lognon, Kommissar Maigrets griesgrämiger Kollege, Opfer eines Attentats geworden. Zwei Wochen hatte der mit einer zänkischen und wehleidigen Frau geschlagene Inspektor seine Nächte bei einer hübschen jungen Kosmetikerin verbracht. Dann verschwindet Mariette Augier, und Lognon liegt in einer Blutlache mitten auf der Avenue Junot. Ein menschenscheuer Sonderling macht Maigret auf die Nachbarn gegenüber aufmerksam. Der Besuch in der Villa führt den Kommissar in die Welt der Kunsthändler und -fälscher und auf eine interessante Spur.

Bewertung : Kommissar Maigret ist gezwungen quasi in die Fußstapfen des eigenwilligen Lognon zu treten. Beide sind in gewisser Weise gar nicht mal so verschieden wie man im ersten Moment meinen mag. Ebenso wie Maigret versteht es auch Lognon sich in einen Fall zu verbeißen ... und um zur Lösung zu kommen gehen beide oft unbequeme und manchmal auch recht eigenwillige Schritte. Nur mit dem Unterschied, dass Lognon selten die Früchte seines Erfolges erben kann und wohl immer ein Pechvogel und Verlierer bleiben wird.
Maigret will auf jeden Fall hinter Lognons Geheimnis kommen, das ist er dem kleinen Inspektor - für den er eine recht große Sympathie empfindet - auf jeden Fall schuldig. Gleichzeitig arbeiten die Eheleute Maigret quasi an ein und demselben Fall. Der Kommissar arbeitet minutiös die vergangenen Tage und Schritte von Lognon auf, während Madame Maigret sich gleichzeitig fast Tag und Nacht um die kränkliche Gattin des Inspektors kümmert.
Herausgekommen ist dabei eine der vielleicht intensivsten Maigret-Geschichten. Wie immer, wenn Madame Maigret mitmischt, zeigt sich Simenon (und auch Maigret) einfühlsamer als gewohnt. Die Tatsache, dass es hierbei noch um das Ansehen und das Leben eines kleinen Inspektors geht (für den sich Maigret quasi verantwortlich fühlt), tut ihr Übriges.

7,5 / 10

Profil
 
 
Geschrieben: 12. August 2006, 00:08 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 5 ]
Anwärter
Rank
Total Beiträge  4
Beigetreten:
15. Juni 2006

Titel: Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes (1931)
Ausgabe: Edito-Service (1979)

Inhalt: Maigret verhilft einem zum Tode Verurteilten am Tag vor dessen Hinrichtung zur Flucht aus der Todeszelle, da er von dessen Unschuld überzeugt ist. Zunächst geht Einiges schief, und Maigret sieht sich gezwungen, seinen Rücktritt anzubieten, sollte er den Fall nicht innerhalb von 10 Tagen gelöst haben (der Roman heißt in einer anderen Übersetzung auch: Maigret riskiert seine Stellung). Als ihm im Laufe der Ermittlungen der tschechische Medizinstudent Radek begegnet, sieht sich Maigret auf der richtigen Spur, und es entwickelt sich ein psychlogischer Kleinkrieg zwischen ihm und dem überaus intelligenten, aber selbstsüchtigen und fast größenwahnsinnigen jungen Mann, der Maigret so beeindruckt, daß er, entgegen seiner Gewohnheit, schließlich der Hinrichtung des Mörders beiwohnt.

Beurteilung: Ganz eindeutig einer der besten Maigrets. Obwohl einer der ersten, begegnen uns hier schon geballt die Personen und Situationen, die für die Maigret-Romane so typisch sind: Stimmungsbilder der Stadt Paris mit der Seine, ihren Kanälen, den Kneipen und Menschen. Maigrets Vorgesetzter Coméliau taucht auf und macht ihm das Leben schwer, Laborchef Moers hat einen größeren Auftritt, Madame Maigret spielt ihre übliche Rolle, die Inspectoren Janvier und Lucas begegnen uns, es gibt Bier und Sandwiches aus der Brasserie Dauphine und der Bullerofen ist bereits von einer neuen Heizung bedroht. Fehlt eigentlich nur noch Dr. Pardon.
Es kommen viele Kneipenszenen vor und es fließt reichlich Alkohol. Und noch etwas Typisches für Maigret: Sein Hang zu den einfachen Leuten und seine reservierte Haltung gegenüber den Reichen, sein mulmiges Gefühl, wenn er in besseren Kreisen ermitteln muß.
Zudem ist der Roman ein optimales Beispiel für die Darstellung der Psyche des Mörders, derer Simenon mehr Bedeutung zumißt als dem Verbrechen an sich.
Demzufolge ist dieser Maigret eine ideale Einstiegsdroge für Leser, die noch wenig mit Simenon zu tun hatten.

9 /10 P.

Profil
 
 
Geschrieben: 12. August 2006, 10:48 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 6 ]
Polizeimeister (Sitte)
Avatar
Rank
Total Beiträge  28
Beigetreten:
10. Mai 2006

@ Dr. Donadieu : Ist zwar schon zwei Jahre her, dass ich “Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes” zuletzt gelesen habe, aber dieser Roman zählt auch für mich zu den besten Maigrets. Ist quasi so eine urtypische Maigret-Geschichte und die mag ich immer noch am liebsten.

Profil
 
 
Geschrieben: 17. August 2006, 00:25 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 7 ]
Polizeimeister (Sitte)
Avatar
Rank
Total Beiträge  28
Beigetreten:
10. Mai 2006

Titel : Maigret hat Geduld (1965)

Verlag : Heyne k99
Ausgabe von : 1967

Klappentext : Der einbeinige Manuel Palmori ist seit Jahren Kommissar Maigrets beste Informationsquelle. Manuel weiß alles, was sich in der Pariser Unterwelt abspielt - denn Manuel selbst ist in verbrecherische Geschäfte verwickelt. Er muß sich mit Kommissar Maigret gut stellen, um keine Schwierigkeiten zu bekommen, und Kommissar Maigret nützt das gründlich aus. Jetzt wird Manuel ermordet. Aus nächster Nähe wurden die tödlichen Schüsse auf ihn abgefeuert. Die Tat eines Menschen, der ihm nahestand ? Oder der Racheakt seiner Komplicen ? Noch weiß es Maigret nicht. Aber er hat Geduld ...

Bewertung : Wieder einmal ein Maigret-Roman der besonderen Sorte. Fast heiter fängt diese Geschichte an ... mit einem lächelnden und gut gelaunten Kommissar, dessen Laune sich jedoch im Laufe des Tages immer mehr verschlechtern wird. Simenon schafft es mit “Maigret hat Geduld” den Leser auf eine besondere Art und Weise zu packen. Diesmal ist es nicht so sehr das eigentliche Opfer, dessen Tod Maigret und auch dem Leser zu Herzen geht. Im Laufe der Geschichte wird das Leben anderer - zunächst relativ unbeteiligt erscheinender - Personen in einem Maße beeinflusst, so dass der weitere Verlauf ihres Daseins eine Rückkehr in gewohnte (und glücklichere) Bahnen nie mehr zulassen wird. Maigret ist sich dessen bewusst ... trägt zum Teil sogar eine Mitschuld ... und ist dennoch nicht in der Lage anders zu handeln.

7 / 10

Profil
 
 
   
1 von 2
1