Die Wegbereiter


Den Titel »stimmungsvollste Titelbildgestaltung« hatte bis zum Jahr 2003 der Verlag Kiepenheuer & Witsch (KiWi) inne. Die Zeichungen beeindrucken noch heute und viele Leser zogen die Reihe deshalb den Diogenes-Titeln vor.

Irgendwann wurde bei der Maigret-Reihe aus dem Hause Diogenes ebenfalls eine stimmungsvollere Gestaltung eingeführt und damit wurde den Zeichnungen auf den KiWi-Ausgaben den Rang abgelaufen. Das Haus Kampa (und der Taschenbuchverlag) befinden sich teils in der Tradition von Kiepenheuer & Witsch (mit seinen Retro-Titeln), teils in der Tradition von Diogenes mit stimmungsvollen Fotografien. Allerdings wird gerade bei der Taschenbuchausgabe mit viel frischen Farben gearbeitet.

Mit enormer Energie begann Kiepenheuer & Witsch allein 1954 12 Ausgaben von Simenon-Romanen – allesamt Maigrets – herauszugeben. Sie erschienen im Rahmen einer neuen Reihe namens »KiWi-Taschenbuch«.

Autor des ersten Taschenbuchs dieser Taschenbuch-Reihe war William Faulkner (»Die Freistatt«). Es folgten Romane von René Schickele, Vicki Baum, Heinrich Böll und Theodor Fontane.

Der erste Simenon in der Reihe war »Maigret und der Mann auf der Bank«, der in der Reihe mit der Nummer 11 daherkam. Danach ging es Schlag auf Schlag: Nummer 12, 13 und 14 waren ebenfalls Maigret-Romane. Die Reihe war so konzipiert, dass Titel aus Literatur, Unterhaltung, Wissen und Kriminalliteratur erscheinen sollten. Simenon war in der »K«-Rubrik eingeordnet. Die Umschlaggestaltung für diese Maigrets erfolgte durch Werner Labbé.

Es war schon absehbar, dass Simenon mit seinen Werken in dieser Reihe ein Übergewicht darstellen würde. Das war sehr wahrscheinlich der Grund, warum man eine eigene Reihe für Simenon kreierte.

Die Titel, die schon in der KiWi-Taschenbuch-Reihe erschienen sind, erschienen auch in der neuen Reihe, die den Namen »Kiepenheuer-Kriminalromane« trug, kurz K-Reihe.

Wurden anfangs die Simenon-Übersetzungen noch unter verschiedenen Übersetzern verteilt, unter denen sich unter anderem Paul Celan befand und Übersetzungen schufen, die heute noch geschätzt und veröffentlicht werden, lag die Übersetzung ab 1960 alleinig in den Händen des Übersetzerpaares Barbara Klau und Hansjürgen Wille.

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Reinhold Meier war bei den ersten Titeln der »K«-Reihe für die Einband-Gestaltung verantwortlich. Diese Ausgaben zeichnen sich durch einen realistischen Stil aus, bei dem man den Eindruck hat, es wären Fotografien verwendet worden – sie waren damit den Maigret-Originalausgaben vom Stil ähnlich.

Später, nachdem Werner Labbé die Gestaltung der Reihe wieder übernommen hatte, kam es zu der typischen Stern-Gestaltung. Labbé zeichnete meist eine typische Szene des Romans in diesen Stern. Die Umschläge der Bücher waren dann dreifarbig – schwarz, weiß und eine Zusatzfarbe.

Einzige Ausnahme war nur der Roman »Mit den Waffen einer Frau«, den ein Bild von Brigitte Bardot ziert und auf dessen Umschlag ein gut sichtbarer Hinweis auf den Film untergebracht wurde.

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An fehlendem Material kann es nicht gelegen haben, dass man sich mit dem Band 56 (Cousin – »Das Mädchen Saphir«) entschloss, andere Autoren in die Reihe aufzunehmen und damit aus der reinen Simenon-Reihe ein gewissen Mischmasch machte.

Charlotte Armstrong, die einige Simenon-Liebhaber in Verwirrung stürzte, wurde später wie Simenon vom Diogenes-Verlag verlegt und einer ihrer Romane, »Süßes Gift«, wurde im Jahr 2000 von Claude Chabrol verfilmt. Von anderen Autoren, die ebenfalls in der Reihe erschienen sind, kann man nicht sagen, dass sie groß in der Erinnerung der Leserschaft sind. Francis Crane zum Beispiel ist nur einmal in Deutschland erschienen – in eben dieser Simenon-Reihe. Hat man bei Kiepenheuer & Witsch versucht, mit dem Renommée Simenons andere Autoren unters Volk zu bringen? Die Titel kamen mit der gleichen Gestaltung und wurden wie die Simenons von Barbara Klau und Hansjürgen Wille übersetzt. Über die Motivation, andere Schriftsteller in die Reihe aufzunehmen lässt sich nur spekulieren.

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Ebenso kann man darüber spekulieren, warum man sich bei KiWi 1966 aus dem Simenon-Taschenbuchgeschäft zurückzog und dieses an den Heyne-Verlag abgab. Fortan erschienen die Simenons, die neu herauskamen als Hardcover bei den Kölnern, allerdings selten als Einzelband – der größte Teil wurde in Dreierbänden zusammengepackt, womit man einen großen Teil der Jahresproduktion von Simenon auf einen Schlag publizierte.

Schon Anfang der siebziger Jahre gab es die Geschichten vom kleinen Doktor beim Zürcher Diogenes-Verlag, 1977 gingen die Rechte dann komplett nach Zürich, womit das Kapitel »Simenon & KiWi als Verleger« nach über zwanzig Jahren beendet war. Ein Comeback gab es 2018 – die Rechte gingen von Diogenes auf Kampa über und der ebenfalls in Zürich beheimatete Verlag nutzt bei vielen Titeln die Übersetzungen von KiWi als Basis für seine neuen Ausgaben.

Dem Kölner Verlag ist das Verdienst zuzuschreiben, Simenon in Deutschland bekannt gemacht zu haben.