Ein wenig Geschichte


Die 1990er-Jahre waren eine aufregende Zeit – vieles war im Umbruch und das galt nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Technik. Ziemlich genau in der Mitte des Jahrzehntes stellte sich in Kiel einer Frage: Was kann man machen, was sinnvoll ist und mit dem Internet zu tun hat? Das war die Geburtsstunde von maigret.de. Hier wird erzählt, wie sich das Projekt über dreißig Jahre entwickelte und ganz gewiss wird das eine oder andere vergessen werden.

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Im ersten Schritt galt es sich mit dieser magischen neuen Auszeichnungssprache namens HTML vertraut zu machen. Vielmehr als Überschriften und Grundtext hatte es damals nicht. Bilder gab es kaum – zum einen waren Scanner noch nicht so verbreitet, wie das heute der Fall ist und die Digitalkamera war ebenfalls nicht erfunden. Fotos, die von analogen Filmen in das Digitale gewandelt wurden, waren auch nicht gang und gäbe. Was hätte man als Bild großartig veröffentlichen wollen?

Die allererste Seite, die im April 1996 online ging, war schlicht gehalten. Den Dark Mode vorausnehmend wurde der Text in weißer Schrift auf schwarzem Grund dargestellt. Leute und Technik waren dafür noch nicht bereit. Zwar wurde die Webseite freundlich begrüßt, an dem Kontrast gab es jedoch harsche Kritik. So wurde aufgrund des Besucher-Feedbacks schnell von dieser Art Gestaltung Abstand genommen. 

Thematisch standen in den ersten Monaten neben Simenon Eric Ambler, Dick Francis und Arthur W. Upfield im Mittelpunkt. Nebenstehend ist eine Abbildung zu sehen, wie sich die Seite im Sommer 1996 darstellte. Das mit dem Fenster gehörte sich so, das war zur damaligen Zeit modern (Windows 95 eroberte die Welt). Man konnte auf die Icons klicken und mithilfe einer HTML-Image-Map wurde zur gewünschten Webseite abgesprungen.

Die Seiten waren bei einem Kieler Provider untergebracht. Eine Webseite sollte nicht mehr als 100 oder 500 Kilobyte umfassen. Nun muss man sagen, dass es in der damals geradezu ein Kunststück war, diesen Speicherplatz zu füllen. Was konnte schon viel herunterladen werden mit den superschnellen 28.8er-Modems, die zu der Zeit gängig waren? Trotzdem wurde der Platz alsbald knapp und es galt, sich zu beschränken. 

Um einen kleinen Vergleich zu heute vorzunehmen: Allein der Plattenplatz umfasst etwa 15 Gigabyte, den die Webseite benötigt. Da spielt die Datenbank mit 30 Megabyte, in welcher die Texte und Templates für maigret.de zu finden sind, fast keine Rolle mehr.

Viel Technik

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Oft werde ich gefragt, wie man auf die Idee kommt, solch eine Seite zu machen. Für Simenon-Liebhaber ist es manchmal enttäuschend zu hören, dass weniger die Kunst den Ausschlag gab, als vielmehr das Interesse an dieser neuen Technologie. Da es allerdings keine 08/15-Seite werden sollte (mein Name ist ..., ich bin am ... geboren und meine Lieblingslinks sind ...), sondern auch mit richtigem Inhalt gefüllt werden sollten, wurde es letztlich das Thema Simenon und Maigret. 

Um die Seite bekannt zu machen, musste man sie in diversen Webverzeichnissen unterbringen. Beispielsweise in Yahoo. Was wohl aus den Leuten geworden ist, die damals die Listen pflegten und entschieden, welche Webseite in den Katalog aufgenommen wurde und welche nicht? Bald schon war Google am Start und machte sich automatisch über die Seiten her. Dass es damit einfacher geworden ist, will ich nicht behaupten.

Die Technikverliebtheit gab den Ausschlag für den ersten großen Wechsel: Die erste gestalterische Umstellung erfolgte noch im selben Jahr - Frames! Eine tolle Sache, auf der linken Seite hatte man die Navigation und auf der rechten ein Inhalt. Dumm nur, dass es nicht sofort von allen Browsern unterstützt wurde. Ebenso wie Tabellen.

Das gab dem Ganzen Struktur und sparte Arbeit (denn dass möchte ich betonen, im Grunde meines Herzens bin ich ein fauler Mensch und mache alles nur, damit ich Zeit spare. Frames waren da goldrichtig!). Seit dem ersten Relaunch im Sommer 1996 gab es zwei bestimmende Farben für den Quai: das dunkle Blau und das Weinrot, häufig auch miteinander kombiniert in Verläufen (die ich wirklich gemocht haben muss).

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Gestaltung gab es anfangs nicht: Man konnte die Schriftgröße über einen relativen Parameter festlegen, der aber bei dem einen Browser dafür sorgte, dass man eine Lupe brauchte, und bei dem nächsten fragte man sich, warum denn die Schrift so groß gewählt wurde. 

Eine kleine Abhilfe schafften hier Stylesheets (CSS). Kaum waren die in den Browsern einigermaßen integriert, so wurden sie auch auf den Seiten des Quai gleich eingesetzt (was dafür sorgte, dass die Seiten auf einigen Rechnern wunderschön aussahen, auf Rechnern von wiederum anderen Besuchern wahrscheinlich mehr als scheußlich). Interessant an der Zeit war auch, dass streng für bestimmte Browser optimiert werden musste. Außerdem fieberte man neuen Versionen der Programme entgegen, weil neue Features angekündigt wurden.

Die Frames wurden mit der Zeit unaufdringlicher, die Gestaltung etwas ansprechender (Farbverläufe von dunkelblau hin zu Weinrot wurden über Bord geworfen, auch wenn die Farben weiterhin bestimmend sind). 

Inhaltlich änderte sich die Webseite ebenso: Der Ballast der verschiedensten Buchbesprechungen wurde über Bord geworfen und es begann eine Zeit der Konzentration auf die Maigrets. Das war das Thema, über den die Seite ihren Zuspruch erhielt. Die Zahl der Besucher hielt sich in Grenzen. Von den wenigen, die sich auf die Seite verirrten, kam allerdings hin und wieder Lob (etwas, was ein Webmaster braucht, um weiterzumachen).

Vom »Quai des Orfèvres« zu maigret.de

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Schon Anfang des Jahres 2000 hatte die Seite ihre kleine Ecke beim Provider verlassen und war mit einer »richtigen« Adresse versehen worden: Nun erreichte man die Seite unter www.maigret.de. So war sie nicht nur in den Suchmaschinen besser platziert, nein, man hatte sogar eine Chance, sich die URL zu merken. 

Mit dem Jahr 2001 gab es zwei Veränderungen: Zum einen sollten zum Fünfjährigen des Quais alle Maigrets beschrieben sein. Das war auch (fast) gelungen (eine Maigret-Erzählung wurde in Bibliografien aufgeführt, war aber nicht auffindbar). 

Zum anderen stand wieder einmal eine Änderung des Layouts ins Haus. Diese Layout-Änderung hatte schon im Jahr 2000 begonnen, aber mittlerweile war der Quai auf ungefähr 500 Seiten angewachsen und da gab es einiges zu tun, um die Webseite komplett umzustellen. Zum April 2001 war das große Ziel gelungen. Schwarz-weiß war der Auftritt, nur das Weinrot für die Links wurde herübergerettet. Das dunkle Blau war verschwunden.

Weiterhin 2001

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Da sich immer etwas tat auf den Seiten, mal mehr inhaltlich, dann mal wieder verstärkt technisch und gestalterisch, gibt es über das Jahr 2001 viel zu berichten. Die Maigrets waren komplett beschrieben und es stellte sich die Frage: Was nun? Mittlerweile richtete sich die Seite immer mehr auf die Non-Maigrets und die Biografie Simenons aus. 

Der technische Hintergrund von maigret.de hatte sich mit dem Herbst 2001 geändert: Eine Datenbank war eingerichtet worden und sorgte dafür, dass die bibliografischen Daten wie auch die Beschreibungen auf den Seiten richtig sortiert wurden. Der Grundstock dieser Datenbank ist bis heute Teil von maigret.de. Die Seiten wurden mittlerweile dynamisch generiert und waren nicht mehr reine HTML-Dateien.

Mit dieser Umstellung kam auch der Wechsel auf die dunkelblaue Gestaltung (back to the roots) zurück.

Lange Zeit wurde auch ein Forum betrieben, in dem sich Interessierte austauschen konnten. Erst war dieses bei einem externen Hoster untergebracht und es wurde nur verlinkt. Später war es Teil der Webseite. Überhaupt wurden in den ersten Jahren viele interaktive Funktionen implementiert, wie die Bewertung von einzelnen Werken. Sowohl die Foren wie auch die Bewertungen wurden nicht so genutzt, dass sich der Aufwand, sie zu pflegen, gelohnt hätte. Hinzu kommt, dass die datenschutzrechtlichen Aspekte immer wichtigen wurde. Als »Sammler« und »Aufbewahrer« von Daten wurden Webseiten-Betreibern so manche Pflicht – zu Recht – aufgehalst. Der Aufwand sollte hier nicht getrieben werden – deshalb gibt es auch kein Forum mehr.

Der Geburtstags des Meisters

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Das Jahr 2002 brachte enorme Fortschritte, was die bibliografischen Daten zum Simenon-Werk anging – aus den für die Webseite gesammelten Informationen entstand auch die erste gedruckte Bibliografie deutschsprachiger Aussagen im Simenon-Jahrbuch 2003. Gleichzeitig wuchs der Bestand an Informationen zu Verfilmungen von Simenon-Titeln. 

Der bevorstehende Simenon-Geburtstag – 2003: 100 Jahre – brachte eine weitere Überarbeitung des Layouts mit sich. Das dynamische Blau war als Farbe weiterhin dominierend, wurde aber durch eine Vielzahl von freundlichen, leuchtenden Farben ergänzt, die die verschiedenen Rubriken kennzeichneten. Aus der Ferne betrachtet, erscheint es mir leicht irre, wie oft man den Nutzern damals Änderungen in der Gestaltung zugemutet hat. Abgesehen davon, was für eine Arbeit mit der entsprechenden Umgestaltung verbunden war. Allerdings waren die technologischen Sprünge und die Ansprüche in der Ästhetik von Webseiten in den 2000er-Jahren viel schnelllebiger, als das heutzutage der Fall ist.

Der Artikelbestand von damals ist heute immer noch online. Teilweise ist er gekennzeichnet als »outdated«, weil genannte Termine oder Sachverhalte überholt worden sind. Aber das Wenigste wurde gelöscht. Verluste gab es die Jahre schon, diese bezogen sich aber zumeist auf Illustrationen und Bilder. Wenn Texte überarbeitet werden, so werden die alten Versionen »bei Seite gepackt« und sind weiterhin aufrufbar. Manchmal werden bestehende Artikel revidiert und wieder als neue publiziert. Es versteht sich, dass das transparent vorgenommen wird.

Der SimBlog erblickt das Licht der Welt

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Ein kleines Schwesterchen wurde auf der gar nicht mehr so kleinen Webseite untergebracht: Die sogenannten »Notizen des Webmasters« berichteten erst aus dem Alltag eines solchen und es wurden kleine Fundstücke publiziert. Geraume Zeit später wurden diesen Notizen ausgegliedert und fanden auf einer eigenen Domain Platz. Umbenannt wurden sie in SimBlog und wurden Teil von maigret.info, zusammen mit zwei weiteren Blogs. Mittlerweile wurde dieses »Outsourcing« beendet und der SimBlog ist auf den Seiten von maigret.de integriert. Während die Info-Domain heute nicht mehr genutzt wird, ist der SimBlog die Rubrik auf der Webseite, die am fleißigsten »bespielt« wird und in dem vielfältige Themen rund um Simenon abgehandelt werden.

Zwischen 2003 und 2008 hat sich wenig an der Gestaltung der Seiten getan. Es blieb bei der Startseite mit nur einem Artikel und den Verweisen auf Rubriken. 

Im Hintergrund tat sich einiges: Denn mittlerweile wurden alle in deutscher Sprache erschienenen Romane und Erzählungen beschrieben worden, sodass man sagen kann, maigret.de hat sich als Werkführer durch das Werk Simenons etabliert.

Langlebig

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Die nächste große Umgestaltung gab es 2008. Dabei wurde versucht, mehr auf Themen zu setzen. Im Hintergrund hatte sich viel Material angesammelt. Die Farben, die bisher das Bild des Quais geprägt hatten, wurden über Bord geworfen. Orange war das neue Blau. Oder so ähnlich. 

Die Listen mit Bibliografien, die nun automatisch generiert wurden, wurden schneller. Das lag zu einem kleinen Teil an besseren Datenbank-Abfragen, zum großen Teil aber daran, dass die Server performanter wurden und werden. Ungelogen hat man 2009 um die Minute gewartet, ehe man die Bibliografie zu sehen bekam. Im Jahr 2015 wartete man nur noch einen Fingerschnippen. Seitdem ist es nicht schlechter geworden …

Da es im Hause Diogenes nach 2011 ruhiger um Simenon wurde, schlug sich das auch die Webseite nieder. Das ein großer Wechsel bevorstand, wurde auf diesen Seiten zuerst notiert.

Änderungen am Design sollten diesmal besonders lang auf sich warten lassen – fast zehn Jahre.

The next generation

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Die letzte große Auffrischung gab es 2017: Die Seite wurde für mobile Geräte fit gemacht, nachdem Google in regelmäßigen Abständen Mails an den Webmaster sendete, in dem es darauf hinwies, dass sie demnächst nicht mehr die Beachtung im Index finden würde, die sie vielleicht verdienen würde. Was dieser »freundliche Hinweis« bedeutet, kann an einer Zahl festgemacht werden: 62% der Besucher des Jahres 2018 kamen über Suchmaschinen auf die Webseite, davon wiederum 87,5% über Google. 

Es war nicht nur Google, es waren die Besucher:innen selbst: Über 50% rufen über mobile Geräte Webseite ab. Eine interessante Entwicklung: Nur noch 60% kommen über Suchmaschinen, die meisten Interessierten steigen direkt in die Webseite ein. Die Verlinkung von anderen Webseiten – Social Media, Themen-Seiten oder auch AI-Assistenten - spielen fast keine Rolle. Nennenswert ist da bestenfalls die Wikipedia, über den so mancher seinen Weg hier her findet.

Pünktlich zum Wechsel zu Kampa stand die neue Webseite bereit. In der Zeit durften wir uns nicht nur über zahlreiche Ankündigungen freuen auch über die Maigret-Verfilmung mit Rowan Atkinson erreichte die hiesigen Bildschirme, sodass es auch aus der Filmbranche etwas zu berichten gab und Hörbücher gab es auch … eine lebhafte Zeit. Allerdings hat sich in den Jahren auch einiges ereignet, was Simenon-Interessierte weniger erbaulich fanden: Beispielsweise hat der Veröffentlichungseifer nachgelassen und genannte Termine werden oft nicht gehalten. Klar, dass maigret.de das nicht mit Wohlwollen betrachtet.

In den letzten Jahren gab es immer wieder kleinere Modernisierungen und Umstellungen – zum Beispiel wird ein Register aufgebaut und das Karten-Material (sowohl historische Karten wie auch kontextabhängige) wurden in die Seite integriert. Wo es möglich ist, werden auch dynamisch generierte Statistiken angezeigt.

Und auch im Jahr des 30. Geburtstages wird sich hier so manches ändern und hoffentlich besser werden.

Anmerkung: Diese Überarbeitung stammt aus dem Januar 2026.

An dieser Stelle geht es darum, wie die Seite entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat. Es geht hier nicht um die Person des Webmasters. Wer über die mehr erfahren will, muss sich auf andere Wege begeben.