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Simenon machte um den Krieg einen großen Bogen, schließlich hatte er im ersten Weltkrieg den Einmarsch der Deutschen erlebt. Er kümmerte sich um belgische Flüchtlinge und machte Geschäfte mit deutschen Filmfirmen. Das mochte Geld bringen, aber auch Ungemach...
(Fortsetzung)
Simenon musste sich um sein Auskommen keine Gedanken machen. Zwar waren die Papiervorräte kontingentiert, aber Simenon wurde gedruckt und wurde gelesen. Hinzu kam, dass er Geld durch den Verkauf von Filmrechten verdiente. Das brachte ihn bald in die Schusslinie, denn im Untergrund kursierten schwarze Listen, auf denen diejenigen standen, die mit den deutschen Filmfirmen zusammenarbeiteten. Selbst schlechte Erfahrungen, wie er es mit »Die Fremen im Haus« erlebt haben muss, welches von einem neutralen bis prosemitischen Werk mit dem Film zu einem problematischen Werk wurde, hielten Simenon nicht davon ab, weitere Geschäfte zu machen. Da dem Film noch ein Hetzfilm gegen die Juden vorangestellt wurde, konnte sich der geneigte Zuschauer damals denken, welche Botschaften ihm übermittelt werden sollten und so hatte man es auch nach der Befreiuung in Erinnerung.
Marham stellte dazu fest, dass Simenon vor dem Krieg nur dreimal verfilmt worden war, während des Kriegs aber neunmal und damit häufiger als Balzac.
So war es nicht verwunderlich, dass die Forces Françaises de l’Interieur sich nach der Befreiuung für Simenon interessierte. Eines Tages standen sie vor der Tür und wollten mit Simenon sprechen. Von der Truppe war nicht unbedingt Gutes zu erwarten, weshalb Boule den Herren sagte, der Hausheer sei nicht da und sie sollten doch später wieder kommen. Das gab Simenon Zeit sich zu verstecken. Er kam in Les Sables d’Olonne unter, wo er allerdings in einem Hotel wohnend, Ende Januar 1945 von der Polizei und der FFI unter Arrest gestellt wird. Simenon hatte Übles zu befürchten, viele seiner Künsler-Kollegen, die mit den Deutschen zusammengearbeitet hatten, waren verhaftet worden und wurden später zu langen Haftstrafen verurteilt oder gar erschossen. Ein Berufs- oder Veröffentlichungsverbot war da noch das geringste Übel. Simenon dürfte sich im Frühjahr 1945 nicht wohl gefühlt haben. Er wurde zwar im Mai entlastet und aus dem Arrest entlassen, aber die Pläne für eine Auswanderung dürften schon gekeimt haben.
Es gab noch einen anderen Aspekt, der Veränderung verhieß: Tigy hatte ihn und Boule bei einem ihrer Schäferstündchen gestellt und war ziemlich entgeistert. Sie hatte Simenon immer gedroht, dass sie sich umbringen würde, wenn er sie betrügen würde. Sie forderte die umgehende Entlassung von Boule, was Simenon auf jeden Fall verhindern wollte.
Er setzte sich in langen Gesprächen durch und Boule blieb, gerade weil Marc weiterhin betreut werden sollte und einigte sich mit Tigy, freundschaftlich weiter zu verkehren.
Die Zeiten standen auf Veränderung.
Nachgelesen
Sie wollen mehr über Georges Simenon wissen? Dann lohnt sich vielleicht ein Blick in die Biographien, die über den Schriftsteller erschienen sind?
Jugend- und Flegeljahre
Französische Jahre
Die amerikanischen Jahre
Die späten Jahre
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Erstellt: 22.11.2008
Letzte Änderung: 01.06.2009
Souvenirs
208 Seiten für Tigy. Das dürfte ein Rekord sein, auch wenn fairerweise anmerken muss, dass es sich bei dem Buch über Tigy auch um ein Buch von Tigy handelt. Die Frau Simenons, von der man nicht das Gefühl hat, dass sie sich in den Vordergrund gedrängelt hat (es gab da ja auch andere), hat ihre Erinnerungen geschrieben, die jetzt im Gallimard-Verlag (November 2004) veröffentlicht worden sind. Herausgegeben und zusammengestellt wurde das Buch von der Enkelin Régine Simenons (geborene Renchon), Diane Simenon (soweit ich sehe die Tochter von Marc).