Über die Story

Ein Polizist findet in einer kleinen Gasse einen toten Mann, der, nach seinem Aussehen zu urteilen, ein kleiner Angestellter und laut Ausweis Lagerverwalter ist. Eine andere Frage ist natürlich auch sehr interessant: Wer ermordet einen Lagerverwalter? Und: Warum trägt ein Lagerverwalter im fortgeschrittenen Alter gelbe Schuhe und eine ziemliche grelle Krawatte?

Das Metier, in dem der Mann – Monsieur Thouret – lebte, war nicht unbedingt geneigt, solche Kleidung durchgehen zu lassen. Dementsprechend erstaunt war seine Witwe auch, als sie im Schauhaus ihren Mann sah. Sie behauptet steif und fest, diese Sachen seien ihrem Mann nach dem Tod angezogen worden.

Maigret, ziemlich brummig gelaunt, was bei dem beschriebenen Wetter (graues und verregnetes Allerheiligen) kein Wunder ist, macht sich auf den Weg zu dem Arbeitgeber des Lagerverwalters.

Die angegebene Nummer markierte ein uraltes, fast verfallenes Haus, um dessen weit offenstehendes Portal verschiedene weiße und schwarze Schilder angebracht waren: ein Polsterer, ein Schreibmaschinenkurs, ein Geschäft für Bettfedern (Dritter Stock links, Treppe A), ein Gerichtsvollzieher, eine staatlich anerkannte Masseuse. Die Concierge, deren Loge sich in der Toreinfahrt befand, sortierte gerade die Post.
»Kaplan & Zanin?« fragte Maigret.
»Ach, Monsieur, nächsten Monat sind es drei Jahre, dass die Firma nicht mehr existiert.«

Die nächsten Untersuchungen bringen immer Erstaunlicheres zu Tage. Monsieur borgte sich, nach dem nicht ganz freiwilligen Ausscheiden, Geld von ehemaligen Kollegen. Dieses zahlte er aber kurze Zeit später wieder zurück und besuchte seine ehemaligen Kollegen häufiger. Die sahen ihn, wenn überhaupt, vormittags wie nachmittags auf der Bank sitzen. Zu Hause verkündete er, er wäre befördert worden und bekäme mehr Gehalt.

Nicht nur Maigret ist irritiert: Was hat der Mann für eine Wandlung durchgemacht? Diese Wandlung beschreibt Simenon, indem er Maigret auf Thouret ansetzt, ziemlich detailliert. Eine packende Erzählung, die man in einem Zug durchliest. Wo hat der Mann nur das Geld her und die Zeit, auf Bänken zu sitzen?