Barraquiers Finger

Das war jetzt aber wirklich mal sehr unangenehm: Da muss man seinen Job machen und wird mit einem Kerl mitgeschickt, und dann stellt sich heraus - oder ist zumindest zu befürchten-, dass man mit einem Mörder unterwegs ist. Charlotte ist nicht sonderlich amüsiert und sucht einen Ausweg.

Über die Story


Und irgendwann war dann die Panik da. Den ganzen Abend war ihr der Kerl relativ gleichgültig gewesen. Sie animierte ihn zum Trinken, was er auch tat, aber dann wurde er immer zudringlicher und forderte auf, mit ihm zu kommen. Das konnte sie getrost ablehnen, denn Francis, ihr Chef, sah so etwas überhaupt nicht gern. Aber der Kerl, jung noch (keine 23) - so schätzte sie -, stand auf, um, wie er sagte, die Angelegenheit zu klären. Sie war keine Prostituierte sondern Animierdame. Ihr Job war es, den Umsatz der Bar zu steigern. Wenn sie jemand willig war, dann, weil sie Lust drauf hatte.

Aber der junge Kerl hatte Charlotte freigekauft. So blieb ihr nichts anderes übrig, als mit dem Kerl zu gehen. Auf der Straße wurde aus dem unangenehmen Gefühl Angst. Der junge Mann hatte überhaupt gar keine Wohnung und wollte mit zu ihr. Das war nun völlig unter ihrer Würde. Aber etwas anderes war noch viel, viel schlimmer:

Denn sie hatte es gemerkt… dieses unangenehme Gefühl… diese Hand… sie hatte sich gefragt, was an dieser Hand, die ihr die Hüfte quetschte, so seltsam war… ja, jetzt war sie fast sicher… es fehlte ein Finger. Es fehlte der Zeigefinger… ihr Begleiter war niemand anderer als Barraquier!

Er hatte sie schon gefragt, wo sie wohne. Es blieb nichts anderes übrig, als ihm die Adresse zu sagen. So verstärkten sich die Indizien, dass sie gerade mit einem gesuchten Mörder zu sich nach Hause war. Mit einem Mann, der sich in der Stadt auskannte, so dass ein Umweg über die Polizeistation eher unwahrscheinlich war und der geringsten Wahrscheinlichkeit unterwegs noch einen Polizisten zu treffen. Nun war Charlotte auch klar, warum der Mann kein Interesse hatte, mit ihr in ein Hotel zu gehen. Die Portiers dort studierten die Zeitung und die polizeilichen Steckbriefe besonders genau.

Deutschsprachige Ausgaben

Eine Ausgabe

1992

Barraquiers Finger
in »Emil und sein Schiff«
Diogenes (detebe 21318)
Übersetzung: Angela von Hagen

Cinema & TV

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Hörspiele & -bücher

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