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Sonntag

Also was man nicht sagen kann ist, dass Emil zu der Heirat mit Berthe gezwungen wurde. Sicher, von allein wäre er nicht auf die Idee gekommen, die Frau zu heiraten. Da haben deren Eltern schon ein bisschen nachgeholfen. Aber es war seine Entscheidung gewesen.

Zuerst versuchten sie noch dem Vater ihre Wirtschaft »aufzuschwatzen«, und irgendwann, als sie die angestammte Heimat verlassen hatten, um an die Côte d’Azur zu gehen und dort eine Pension aufzumachen, bekam er folgenden Brief von seinem Vater:

Deiner Mutter geht es gut. Sie leidet kaum noch unter ihrem Rheumatismus. Dein Bruder wird im Frühling die Tochter der Gillous heiraten, und sie werden beide herziehen. Der Grund meines Schreibens ist, dir mitzuteilen, dass der dicke Louis, dem die »Drei Glocken« in Luçon gehörten und an den du dich sicher erinnerst, einen Schlaganfall erlitten hat und dass er halb gelähmt ist. Er hat eine gutgehende Pension in der Nähe von Cannes, und seine Frau hat mir geschrieben, es wäre ihm lieb, wenn du bei ihnen arbeitest. Ihre Tochter Berthe ist nicht verheiratet. Sie haben keinen Sohn und befinden sich dadurch in einer schwierigen Lage…

Abbildungen zu »Sonntag« (insgesamt: 4)
Sonntag - Diogenes – 11/2001 Sonntag - Diogenes – 1983 Sonntag - Großdruck-Ausgabe aus dem Jahr 1978 (Verlag Hans Richarz)

Er fängt in der Pension an, denn seinen gegenwärtiger Küchenchef mochte er überhaupt nicht. Emil sieht natürlich auch Chancen in dem Aufbau einer Pension, und zu verlieren hat er nichts.

Louis stirbt alsbald und nun ist er mit zwei Frauen in der Pension. Die Mutter von Berthe zieht es zurück in die Heimat – die Vendeé –, möchte aber nicht die Pension in den alleinigen Händen der Tochter lassen. Nicht nur, weil sie daran zweifelte, dass ihre Tochter die Arbeit allein stemmen könnte, es ging ihr auch darum, eine Alterssicherung für sich selbst zu schaffen. Da wäre es schon gut, wenn die Tochter einen Mann im Hause hätte. Berthe ist hübsch und kräftig gebaut, allerdings sehr zurückhaltend und verschwiegen. Emil kommt anfangs gar nicht auf die Idee, mit ihr etwas anzufangen. Er wurde ja nur als Küchenchef engagiert.

Das ändert die Mutter. Sie sorgt dafür, dass zarte Bande zwischen den Beiden geknüpft werden, und kaum kann über Hochzeit geredet werden, wird ein Ehevertrag aufgesetzt und ein Abtretungsvertrag für die Pension, damit sie, Madame Harnaud, abgesichert ist.

Aber es ist die Pension, die Emil heiratet, Berthe, das stellt er alsbald fest, ist ihm ziemlich egal – er hat nichts gegen sie, von Begehren kann man allerdings auch nicht sprechen. Die zarten Bande, die da mal waren, sind ein Strick geworden, und dieser Strick kettet sie an die Pension. Will Emil sich austoben, dann fährt er in die Stadt.

Bis zu dem Tag, an dem er Ada entdeckt. Ada ist eine schüchterne und stille Person, die jünger als Emil ist. Man kann sie für dumm halten und anfangs fällt sie Emil gar nicht weiter auf. Die Konflikte hat Berthe: will sie Ada Anweisungen erteilen, so hat die Wirtin nicht das Gefühl, dass sich die Angestellte unterordnet. Ada tut ihre Arbeit, aber nur so, dass man es durchgehen lassen kann. Für Emil wird Ada, die Tochter eines Sonderlings italienischer Abstammung ist, erst, als er sie in der Mittagspause in der Laube entdeckt und sie übereinander herfallen. Nach diesem Abenteuer richtet es Emil ein, die Mittagsstunden in der Laube zu verbringen.

Nach den »Achsen« Emil–Pension–Berthe und Emil–Pension (da war Berthe ihm schon gleichgültig geworden) war die Neueste Emil–Pension–Ada. Berthe war nur lästiges »Beiwerk«. Die Pension läuft gut, und Emil ist überzeugt, dass es an seiner Arbeit hängt. Seine Frau ist nur die Verwalterin. Also könnte er gehen, was er nicht will, oder Berthe könnte gehen, was noch unwahrscheinlicher ist.

Einen Entschluss fasst Emil an dem Tag, an dem Berthe Ada und ihn während einer ihrer Mittagssitzungen ertappt. Sie ist erst sprachlos und legt dann die Regeln fest: Emil kann genauso wie Ada bleiben, er ist aber ihr Ehemann und um der lieben Ordnung halber, wird er bei ihr im Bett schlafen. Emil ist einverstanden, schließlich möchte er nur eines: Berthe zur ewigen Ruhe betten.

Auf den Tag arbeitet er hin und dieser Tag ist ein Sonntag.

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fakten Fakten

Originaltitel:

Dimanche

Entstehungsjahr:

1958 (Juli)

Erscheinungsjahr:

1958

Entstehungsort:

Noland

Verlag:

Presses de la Cité

cinema und tv Cinema & TV

Sonntag
1985 - Deutschland
ein Film von Stanislav Barabáš
produziert von Heinrich Carle
mit Lisa Kreuzer [Berthe],
Hans Georg Panczak [Erwin (also Emil)]

nicht so fernNicht so fern...

Sonntag

Der folgende Text ist aus dem Heft »Fernsehspiel im ZDF« (Nummer 47 - 1984). In ihm wird die Handlung des Fernsehfilms »Sonntag« beschrieben, die in deutschsprachige Gefilde verlegt wird, sich im Kern aber an dem Roman Simenons orientiert. Es gibt Überraschungen!

Simenon auf der Spur

Der folgende Text ist aus dem Heft »Fernsehspiel im ZDF« (Nummer 47 - 1984). In ihm geht Stanislav Barabáš dem Phänomen Simenon nach. Barabáš verfilmte zwei Simenon-Romane, diesen und »Die Komplizen«. Der gebürtige Tscheche verstarb 1994 im Alter von 70 Jahren.

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Erste Worte

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Sonntag.,
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Er hatte nie einen Wecker gebraucht, und er lag schon eine Weile mit geschlossenen Augen wach und spürte die Sonne, die zwischen den schmalen Spalten der Läden hineinsickerte, als er ein ersticktes Klingeln in dem Zimmer oben hörte.
Es war eine enge Mansarde, genau über seinem Kopf. Er kannte jeden Winkel in ihr, das Eisenbett mit der dunkelroten Decke, die auf dem Dreifuß aus gedrechseltem Holz stehende Waschschüssel, die Emaillekanne am Boden, den kleinen braunen Teppich, der nie an seinem Platz lag, und er hätte die Umrisse der Flecke an den weißgekalkten Wänden zeichnen können und den schiefen schwarzen Rahmen um das Bild einer Madonna im himmelblauen Gewand.

janvier

Wieder mal eine Geschichte von Simenon, in der zwei Menschen zusammenleben, nur um der ‘Bequemlichkeit’ willen. Anfangs klappt das recht gut, doch wie so oft wird es für einen der Beteiligten - langsam aber sicher - zur Hölle. Ein Ausweg muss gefunden werden. Ein von Simenon gern angegangenes Thema, in diesem Buch hervorragend und spannend bis zum Schluss beschrieben.

janvier am 21.06.2011

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8 Ausgaben - erste Ausgabe: 1960 - letzte Ausgabe: 2013

Es geschah an einem Sonntag / Kiepenheuer & Witsch

1960

Es geschah an einem Sonntag
Kiepenheuer & Witsch (K42)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1972

Es geschah an einem Sonntag
Heyne (K42)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1977

Sonntag
Diogenes (detebe 135/V)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Sonntag / Richarz

1978

Sonntag
Richarz (Großdruck)

Sonntag / Diogenes

1983

Sonntag
Diogenes (detebe 20375)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1987

Sonntag
in »Bellas Tod/Sonntag«
Aufbau
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Sonntag / Diogenes

2001

Sonntag
Diogenes (detebe 20375)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

2013

Sonntag
Diogenes (detebe 24140)