Das Herbstprogramm 2019

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Wir erinnern uns? Mit jedem Programm wollte uns Daniel Kampa überraschen. Zwei Programme gab es und zweimal war es dem Verleger gelungen, Überraschungen zu liefern. Da ist die Erwartung an das dritte Programm natürlich nicht kleiner geworden und man kommt sich fast wie ein verwöhntes Gör vor, dass skeptisch das Angebot in einer Boutique beguckt, nach dem Motto: »Jetzt überrasch mich richtig!«

Wie sieht also das Blättern eines verwöhntes Görs in diesem Programm aus? »Die Fantome des Hutmachers« sind quasi der Aufmacher und das verwöhnte Gör denkt sich: »Ah, das wissen wir schon.« Ein kurzes Stoßgebet sendet es noch mal in den Himmel, auf dass sich hoffentlich bald ein Publisher für eine DVD- oder BluRay-Veröffentlichung des Films findet. Beinahe hätte es das Kleingedruckte überlesen, in dem zu lesen ist, dass es sich um eine Neuübersetzung handelt (von Mirko Bonné und Juliette Aubert, die auch das Nachwort geschrieben haben) und sich in dem Buch auch noch die Kurzgeschichte »Der kleine Schneider und der Hutmacher« findet, die man getrost als Vorläufer des Romans betrachten kann.

Im Programm folgt nun »Die Glocken von Bicêtre« – auf der Seite prangt gut lesbar der Hinweis von Franz Schuh, dass es sich um einen der besten Simenon-Romane handeln würde. Ja, denkt sich das Gör, das stimmt. Vielleicht ist der Todestag von Simenon auch noch mal eine gute, vielleicht aber auch etwas makabre Gelegenheit das Buch zu lesen (oder zu hören…). Noch gab es keine große Überraschung.

Die bisher Unbekannten

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Auf der nächsten Seite folgt dann »Sonntag«. Oh ja, das ist auch ein guter Simenon, an dem man als Suspense-Freund sein Vergnügen finden kann, denkt sich das Simenon-Liebhaber-Gör. Die Geschichte hat Simenon an die Côte d’Azur verlegt, eine Gegend die man als Leser viel eher mit Urlaub und Vergnügen in Verbindung bringt, denn mit Mord und bösen Umtrieben. Interessant dürfte hier sein, dass dies einer der wenigen Romane war, der auch bei Diogenes Jahr und Tag in der Übersetzung von Barbara Klau und Hansjürgen Wille erschienen ist. Die Übersetzung dieser Ausgabe wurde von Barbara Bauer überarbeitet und ist mit einem Nachwort von Rainer Moritz versehen.

Dazu gibt es noch einen Roman, den ich zum modernen Werk Simenons rechne. Er spielt in einer Vorstadt von Paris, die gerade aus dem Boden gestampft wurde, und heißt sehr pragmatisch »Der Umzug«. Der Roman gehört nicht gerade zu den Höhepunkten in Simenons Werk, aber auch das Gör muss natürlich eingestehen, dass wenn ein Verlag das Gesamtwerk eines Autoren veröffentlicht, dieser Verlag nicht am Anfang alle Rosinen veröffentlicht, um dann am Ende nur noch (übertrieben formuliert) die Luschen zu veröffentlichen. Wäre vermutlich nicht so clever. Zudem hat der Roman, der hier in einer Übersetzung von Barbara Klau und Hansjürgen Wille vorliegt, die von Mirjam Madlung überarbeitet wurde, durchaus interessante Aspekte aufweist. Er ist durchaus spannend, braucht halt nur Zeit.

Wer den Spätsommer oder Herbst in den Gegenden verlebt, hätte adäquate Literatur zur Hand: Die Romane erscheinen Ende August. Das Gör würde im Stille noch hinzufügen, dass der Côte d’Azur-Besucher in jedem Fall mehr Glück hat.

Tada!

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Bildbände in deutscher Sprache über Simenon hat es schon gegeben. Es gab auch schon einen sehr schönen Bildband von Diogenes über Maigret. Was es noch nicht gab, war ein Bildband mit den Fotografien von Simenon. Der Schriftsteller war weit gereist und hat diese Reisen mit seiner Kamera dokumentiert. Vor einigen Jahren gab es eine interessante Ausstellung zu dem Thema in Paris und dem folgten auch eine Reihe von Bildbänden, samt und sonders in französischer Sprache. Die Lücke, diesen Teil des Werkes von Simenon (der dem journalistischem Werk zugerechnet werden kann) in den deutschsprachigen Raum zu transportieren, wird nun geschlossen. Der Bildband (240 Seiten stark, 34 Euro teuer), der Anfang November erscheinen wird, trägt den Titel »Die Jahre mit der Leica«. Das ist übrigens die Stelle, an der das verwöhnte Gör frohlockt!

Auf der nächsten Seite wird noch verkündet, dass es auch zwei Bände von Simenon gibt, in denen er sein Werk beleuchtet. In »Maigret und ich« beleuchtet Simenon sein Verhältnis zu Maigret und erklärt seinen Kommissar, in »Ich erzähle eine Geschichte, das ist alles« sind Essays von Simenon zu finden, in denen sich der Schriftsteller mit seinem Handwerk auseinandersetzt. Beide Bände erscheinen Ende August und kosten jeweils 16,90 Euro.

Weihnachtlich

Im Oktober erscheint ein Band mit zwei Erzählungen, in denen der Leser – also auch das Gör – auf den sogenannten Höhepunkt des Jahres eingestimmt werden könnte. Ein bisschen früh, denkt vielleicht der eine oder andere. An der Stelle soll aber zu bedenken gegeben werden, dass die ersten Printen und Lebkuchen auch dieses Jahr wieder Ende August in den Supermärkten stehen werden. Also von wegen früh!

Es handelt es sich bei den beiden Erzählungen um die zuletzt 2009 erschienen Geschichten »Sieben Kreuzchen in einem Notizbuch« und »Das Restaurant an der Place des Ternes«.

Welche Maigrets gibt es?

Juni 2019

August/September 2019

November 2019

Februar 2020

Kurzes Resümee

Der Herbstprogramm hat starke große Romane im Gepäck und überrascht diesmal nicht mit Geschichten sondern mit Bildern, was hoffentlich sowohl die Leserschaft wie auch die Presse aufmerksam machen sollte auf den Künstler. Wer sich der Entdeckung von Simenon verschrieben hat, dürfte auch mit diesem Herbstprogramm nicht enttäuscht werden und hat genügend Gelegenheit, sein Taschengeld in die Buchhandlungen zu tragen.