Unterschrift

Seite 50

Intime Memoiren


Vor mehr als zehn Jahren bekam ich »Intime Memoiren« in einer signierten Fassung angeboten und ich hatte zugeschlagen. Es war eine Menge Geld, was wir dafür bezahlten – allerdings taten wir dabei noch ein gutes Werk. Also ging es in Ordnung. Mit dabei war auch noch ein Brief von Simenon. Wenn ich es also recht überdenke, war es nicht nur eine gute Tat sondern auch eine gute Investition. Jetzt ist wohl die Zeit gekommen, das Buch zu lesen.

Also schnappte ich mir heute das Buch und setzte mich in den Garten, um ein wenig darin zu stöbern. Das habe ich offenbar in diesem Exemplar noch nie getan – schließlich handelt es sich um eine Ikone. Ein wenig irritierend fand ich, dass Stellen in dem Buch mit Kugelschreiber markiert waren. Für Hochachtung gegenüber einem Buch spricht das nicht gerade. Ein zweiter Aspekt ist aber noch viel interessanter: Nach Seite 50 finden sich keine Markierungen mehr. Es spricht viel, dass der frühere Besitzer an der Stelle aufgegeben hat.

Angestrichen war übrigens diese Passage:

...in dieser unserer Gesellschaft sind Liebe und Zärtlichkeit seltener als der Diamant, diese heilige Zärtlichkeit vor allem, von der wir alle träumen, die unser Körper so sehr braucht, und der Mangel daran schafft immer mehr eine Welt von unzufriedenen, labilen Menschen, von Automaten und Unglücklichen.

Fröhlichkeit und Optimismus gehen anders.

Ich für meinen Teil musste in der Bibliothek noch einmal suchen gehen, denn ich hatte in Erinnerung, dass es noch ein zweites Exemplar in meinem Haushalt gibt. Mit einem signierten Hardcover-Exemplar fährt man schließlich weder auf Dienstreise noch in den Urlaub und ehrlich gesagt, ist es auch nichts für einen Gartenaufenthalt. Zu wertvoll, zu umpraktikabel.

Zu meiner Überraschung fand ich zwei weitere Exemplare des Buches, eine weitere Hardcover-und eine Taschenbuch-Ausgabe. Letztere wird wohl mein Lesestoff sein.