Hôtel d’Angleterre


Es ist manchmal zum Verzweifeln: Da wird zwei von drei Opfern der Name verweigert, sie sind einfach nur das Mädchen und das Zimmermädchen. Was aber das Hotel angeht, da gab sich Simenon richtig Mühe, dem interessierten Leser Sand in die Augen zu streuen. Ich habe in Frankreich auch schon in Hotels gewohnt, die den Namensbestandteil »Angleterre« trugen, was mir immer ein Rätsel war: Gab es da nicht Antipathien?

​Nehmen wir mal die Fakten aus dem Buch:

  • das Hotel liegt im Zentrum,
  • es war der Marktplatz von Bergerac,
  • er sah aus seinem Zimmer rechter Hand das Gericht,
  • auf der anderen Seite des Platzes gab es das »Hôtel de France«.

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Das »Hôtel de France« existiert heute noch. Es liegt am Place Gambetta, der auch der Marktplatz in Bergerac ist. Damit wäre das Kriterium erfüllt. Wenn man sich Bilder von dem Hotel anschaut, bekommt man aber den Eindruck, dass man dies irgendwann mal abgerissen oder wieder neugebaut hat, oder vielleicht stand es früher an anderer Stelle. Mit der Architektur der damaligen Zeit hat dieses Hotel so gar nichts am Hut und es versteckt sie sehr gut.

An dem Platz gibt es heute zwei weitere Hotels – einmal das »Hôtel de Bordeaux«, welches dort auch schon sehr lange seinen Platz hat, wie man alten Postkarten entnehmen kann. Zum anderen noch ein »BritHotel Hotel Spa du Commerce«. »BritHotel« und »Hôtel d’Angleterre« da gibt es schon Ähnlichkeiten, allerdings gab es zu der damaligen Zeit noch einen dritten im Bunde: das »Hôtel de Londres et des Voyageurs«. Drei Hotels mit Anspielung auf England in so einer kleinen Stadt. Wenn man das auseinandernimmt, bleibt aber nicht mehr viel übrig: Das zuletzt genannte Hotel lag in einer ganz anderen Straße – der Rue neuve d’Argenson (46), wenn man sich das Gebäude anschaut, dann kann man sich gut vorstellen, dass das mal ein Hotel gewesen ist. Zugegebenermaßen ist die Quelle ein alter Firmeneintrag und es könnte sein, dass die Firma ihren Sitz in einer ganz anderen Straße hatte als das Hotel. Aber dann kommt noch hinzu, dass es ein wenig ab vom Schuss ist. Eher am Rande der Innenstadt.

Das BritHotel scheidet auch aus, wenn es immer dort seinen Platz gehabt hat. Denn es liegt auf der gleichen Seite wie der »Hôtel de France« und wenn man aus dem Fenster zum Marktplatz schaut, wäre das angenommene Gerichtsgebäude linker Hand und Maigret hätte das Gericht auch nicht sehen können.

Sucht man nach dem Hotelnamen »Hôtel d’Angleterre« und Bergerac bekommt man durchaus Ergebnisse. Allerdings sind die obersten Ergebnisse immer Referenzen auf den Maigret-Roman und die darunter liegenden beschäftigen sich mit Hotels in anderen Gegenden.

Das Gerichtsgebäude

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​Das ist noch eine kleine Schwierigkeit in der Gesamtkonstruktion: Es gibt ein Gerichtsgebäude in der Stadt. Aber das liegt halt an ganz anderer Stelle. Es ist auch ein so schönes Gebäude, dass man sich kaum vorstellen kann, dass man das mal an anderer Stelle in der Stadt stehen hatte. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten:

  • entweder handelt es sich nicht um den Place Gambetta,
  • dann fand der Markt früher auf dem größeren Platz in Gerichtsnähe statt,
  • an diesem liegen derzeit keine Hotels,
  • dafür aber einige Gerichte.

Wer nun nach Bergerac fährt, kann sich demnach auf die verworrenen Spuren von Maigret begeben oder auf die Spuren von Cyrano von Bergerac. Beides dürfte gleich erfolgversprechend sein, nämlich gar nicht. Zwar mag einem Cyrano de Bergerac an zahllosen Stellen in der Stadt in Statuenform begegnen – aber das das historische Vorbild Hector Savinien jemals in der Stadt gewesen ist, dafür gibt es keine Belege. Womit wir fast wieder beider Maigret wären.

Es gibt aber noch eine Alternative und an die habe ich mich, ob man’s mir glaubt oder nicht, bei meinen Besuchen gehalten: Gar nicht drum kümmern. Im Office du Tourisme gibt es einen Stadtführer in deutscher Sprache und mit dem, kann man die Highlights in der Stadt abwandern. Das lohnt allemal.