Ein wahrlich merkwürdiger Mann

Über einen Mann, der sich über den Ozean schippern ließ, die meiste Zeit jedoch damit verbrachte, mit Freunden unter Deck Karten zu spielen. So legte er auch keinen Wert darauf, am Ziel seiner Reise das Schiff zu verlassen. Über eine schrullige Type, die im Simenon-Universum einmalig ist.

Little Samuel war in der komfortablen Situation, dass er sich alles leisten konnte, was er wollte. Er musste clever sein, aber es ist nicht zu viel verraten, dass er dies auf dieser Reise, die ihn von seiner Heimatstadt New York über San Francisco bis nach Tahiti führte, nicht zeigte. Irgendwann war er aus Europa nach Amerika eingewandert und hatte sich hochgearbeitet. Nun war er der weltweit bedeutendste Hemdenfabrikant und konnte seinen Reichtum genießen.

Was den Namen anging, gab es auch eine große Variante von ihm. Ein Big Samuel lebte in Hollywood und war dort im Filmgeschäft tätig. »Big« war sehr erfolgreich und die kleine Variante verglich sich mit ihm, weil er gehört hatte, dass sie aus dem gleichen Dorf stammen würden. Wenn es bei dem Vergleich geblieben wäre, könnte man von einer kleinen Schrulle sprechen – hier war es jedoch so, dass der New Yorker anfing, dem Hollywood-Samuel nachzueifern. Der hatte eine Jacht, also gab der Hemdenproduzent ebenfalls eine in Auftrag.

Niemand dürfte beim Lesen der Geschichte den Eindruck bekommen, dass Little Samuel ein Liebhaber der Seefahrt war.

Er hatte sich aus Europa zwei Freunde kommen lassen. Über den einen, den Räucherfischverkäufer Schoof, erfahren wir, dass er hervorragend Geschichten aus der alten Zeit erzählen konnte. Samuel, der sie gewiss schon zigmal gehört hatte, konnte sich über die Stories immer wieder amüsieren. Slatkovitch war Schneider und damit in der gleichen Branche wie sein Freund. Andere Männer in ihrem Alter waren schon tot.

Die drei waren die Passagiere auf dem Schiff, in das der Fabrikant nicht nur die beste Technik investiert hatte. Auch beim Personal hatte er nicht gespart und sich eine Crew aus europäischen Seeleuten zusammengestellt mit einem holländischen Kapitän. Statistiken hatten ihm bewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit zu sinken am geringsten ist, wenn man sich von Holländern über die Meere schippern lässt.

In Tahiti angekommen hat Little Samuel nur noch ein Ziel: schnell wieder weg.

Little Samuels Blick suchte die Augen von Oostings, und diesmal war es ein schrecklicher Blick, niederschmetternd, restlos enttäuscht.

Bleibt zusammenzufassen: Der Mann hatte sich ein Boot bauen lassen, weil es irgendein Filmfritze in Hollywood auch getan hat. Weder mochte er das Reisen mit Schiffen, noch hatte er irgendein Interesse an Tahiti wie an den dort lebenden Menschen. Die Jacht und die Reise dienten nur zur Zurschaustellung seines Reichtums. 

Wie bei anderen Geschichten Simenons, die einen exotischen Touch haben, ist auch hier zu bemerken, dass der Schreiber eine sehr europäische Sichtweise beim Schreiben aufgesetzt hatte. Wir werden mit Klischees konfrontiert, die aus der kolonialen Zeit stammen. 

Und dann die Eingeborenen, die sich auf so etwas besonders gut verstanden. Donald hatte ihnen eingeschärft: ›Das ist ein Millionär. Da müssen wir eine große Schau abziehen....‹ Sie hatten ihre europäische Kleidung abgelegt, sich Pareos angezogen und eine Tiara aufgesetzt.

Und wenn er mit seiner Schilderung auf Missstände hinweist und einen ebenso ironischen Ton setzen wollte wie in Sachen Kapitalismuskritik, so gibt es dennoch keine Anzeichen von Distanz und Kritik. Zu berücksichtigen ist, dass die Sichtweise Simenons auf die einheimische Bevölkerung für europäische Autoren der Zeit – 1939 wird als Entstehungsjahr angegeben – üblich gewesen ist.

Durch den ironischen Unterton, den man nicht oft bei Simenon findet, hat diese Erzählung meines Erachtens ein Alleinstellungsmerkmal im Œuvre des Schriftstellers.