Alles wurde kompliziert! Lief es im Jahrzehnt zuvor sowohl privat als auch familiär rund, so änderte sich das in den 1960ern. Zwar spielte Simenon den Illustrierten die heile Welt vor, doch hinter den Kulissen gab es Entwicklungen, die aus einem seiner Romane hätten stammen können – und wie in diesen kein gutes Ende nahmen. Am Ende lag seine Ehe in Trümmern. Was das mit den Kindern machte, kann man sich vorstellen – beruflicher Erfolg zählt da wenig.
Die erste Hälfte des Jahrzehntes war für Simenon eine Phase des Ankommens, die zweite dann eine der Rückkehr. Angekommen war er in den USA und zurückkehren tat er nach Europa. Die 1950er-Jahre waren ein gutes Jahrzehnt für ihn – und das nicht nur im Hinblick auf sein familiäres Leben, sondern auch in literarischer und kommerzieller Hinsicht. Seine Romane blieben für seine Leser:innen weiterhin zugänglich, während sein Schreibstil sich stetig verbesserte.
Krieg, Besatzung, Kollaborationsvorwürfe, die Emigration nach Amerika, die faktische Trennung von seiner Frau Tigy – Simenons 1940er-Jahre klingen nach einer einzigen Krisendekade. Doch es gab auch die andere Seite: eine Geliebte, die seine Frau wurde, einen weiteren Sohn, und vor allem eine literarische Reifung, die sein Werk auf ein neues Niveau hob. Wie so oft bei Simenon speiste sich seine Kunst direkt aus dem Erlebten.
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