Maigrets Frankreich

Maigrets Frankreich


Wenn es ein Geschenk gibt, das das Herz eines Maigret-Liebhabers höher schlagen lassen dürfte, dann wohl das: »Maigrets Frankreich« ist ein prächtiges Buch, welches die Maigret-Romane nimmt und Szenen und Zitate aus den Romanen verknüpft mit den Werken der Großen der Schwarzweiß-Fotografie. Das Buch kann als das letzte Buch im neuwertigen Zustand von Diogenes erworben werden.

Das Buch beginnt mit einer Einleitung von Denis Tillinac, der einen biografischen Abriss sowohl über Simenon wie auch Maigret gibt und einen Spaziergang durch das Maigret-Universum vornimmt. Es ist gewissermassen eine Einstimmung auf den Bilderreigen, der sich über zweihundert Seiten erstreckt. Man sollte an der Stelle keinen ausführliche Biographie erwarten, auf sechs Seiten kann man weder das Werk noch das Leben Simenons und dann auch noch das von Maigret abhandeln.

Anschließend geht es ruhiger weiter: Neben einzelnen Fotografien von berühmten Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Robert Doisneau und Willy Ronis werden einzelne Ausschnitte aus Maigret-Romanen und manchmal auch Non-Maigrets oder aus Reportagen gestellt. Den Anfang macht in dem Buch Paris und nimmt auch den größten Raum ein. Anschließend geht es in die Provinz.

Man kann das Buch nehmen, sich in den Sessel setzen und durchblättern – in der Hand ein Maigret-Getränk der Wahl (obwohl Bier wohl das unpassendste aller Lieblingsgetränke des Kommissars ist) – oder blättert immer mal wieder kurz vor dem Schlafengehen durch und holt sich Anregungen dazu, was man als nächsten Simenon zur Hand nimmt und Inspiration für angenehme Träume.

Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich um ein schön gemachtes Buch handelt, welches in der deutschen Ausgabe in Weiß gehalten wurde. Die Buchgestalter wählten eine sehr sachliche Schrift in einer sehr angenehmen Größe. Das französische Original von omnibus kommt mit dem gleichen Inhalt daher – für die Texte wurde leider eine fettere Schrift gewählt, die zudem noch schmalgestellt wurde. Die Lesbarkeit leidet so doch erheblich.

Ein weiterer Trick, so möchte ich es mal nennen: Die französischen Gestalter nutzten auch die Ränder für die Fotos. Dadurch bekommen diese ein wenig mehr Platz. interessant finde ich, dass ich die Variante mit Rand – wie sie Diogenes wählte – einen edleren Eindruck erzeugt.

Der interessierte Leser, für den beide Ausgaben eine Option sind, müssen sich nun entscheiden, ob die Typografie wichtiger ist oder die Sprache.

Die Zitate, die in der deutschen Ausgabe genutzt werden, stammen aus den deutschsprachigen Ausgaben, sind also nicht für das Buch gesondert übersetzt worden.

​In jedem Fall stellt das Buch ein Muss für jeden Maigret-Fan da. Der happige Preis mag abschrecken, zumal die erhältlichen antiquarischen Varianten keine Option darstellen, da sie sich preislich nicht von der Neuware unterscheiden. Das gilt im übrigen auch für das Original aus Frankreich.