Alexandre Stavisky


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Wer käme heute auf die Idee den Eiffelturm zu demontieren? Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man das letzte Relikt der Weltausstellung von 1889 zu beseitigen. Gustave Eiffel, dem diese Idee überhaupt nicht behagte, versuchte den Eiffelturm zu retten, in dem er das heutige Wahrzeichen von Paris dem Militär zur Verfügung stellte. Das Militär nutzte ihn für drahtlose Telegraphie, 1908 gab es mehrere gesprochene Sendungen und Musikausstrahlung. Nach dem ersten Weltkrieg wurden vom Eiffelturm regelmäßig Wetterberichte gesendet; seit Heiligabend 1921 in gesprochener Form. Die verbleibende Sendezeit, die vom Militär nicht genutzt wird, wurde seit Januar 1924 von dem Journalisten Maurice Privat genutzt, der eigene Produktionen literarischer und anderer künstlerischer Art über den Sender des Eiffelturms ausstrahlt. Privat hatte nicht das Recht Werbung über den Sender zu verbreiten, tritt dieses Recht aber an Alexandre Stavisky ab. Dieser nicht ganz kluge Schritt bewirkt einen Lizenzentzug. Maurice Privat ist nicht der Einzige, der über Alexandre Stavisky stürzen sollte.

Stavisky hatte sich im Frankreich der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht – hauptsächlich in negativer Hinsicht. Immer wieder war er in Betrugsskandale verwickelt. Es schadete Stavisky nicht. Der ungarische Einwanderer mit ukrainischer Herkunft hatte um sich eine Reihe von einflussreichen Politikern gescharrt, die ihn vor allzu drastischer Verfolgung schützten. Diese Reihe nützte nichts mehr, als 1933 herauskam, dass er falsche Kassenanweisungen der Crédit municipal de Bayonne. Ende 1933 verschwand Stavisky, am 8. Januar 1934 – vor achtzig Jahren – fand man ihn sterbend in Chamonix. Die einen sprachen von Selbstmord, die anderen dachten anderes darüber. Schon damals gab es Verschwörungstheoretiker. Fakt ist, dass dieser Skandal nicht nur Menschenleben kostete, sondern auch die französische Regierung in eine schwere Krise stürzte.

Georges Simenon untersuchte die ganze Affäre in einer Reportage (s.u.), die hierzulande in dem Reportagenband »Zahltag in einer Bank« erschienen ist. Alain Resnais verfilmte den Stoff mit Jean-Paul Belmondo in der Hauptrolle.