Krisenbibliothek der Weltliteratur mit »Maigrets Pfeife«

Kleine Pfeife


In den 1980er-Jahren sah es nicht so gut aus: Die Supermächte rüsteten hoch und mühten sich trotzdem den kalten Krieg auf Temperatur zu lassen. Die Neue Deutsche Welle irritierte die europäischen Nachbarn. Die Russen hatten ihre Atomkraftwerke nicht im Griff. Waldsterben. Weltuntergangsstimmung. Eine gute Gelegenheit für eine »Krisenbibliothek der Weltliteratur« von Diogenes.

Als ich auf der Suche nach dem autobiografischen Text »Brief an meine Mutter« war, ich hatte darüber berichtet, hatte ich ein ganz kleines Buch vor Augen. Ich wusste, dass Diogenes diese eine zeitlang im Portfolio hatte. Als ich die Ausgabe gefunden hatte, stellte ich fest, dass sie wirklich nicht sehr groß war, aber nicht so klein, wie ich das in Erinnerung hatte.

Der Band war immer noch der kleinste in meiner Simenon-Bibliothek, aber Lilliput würde ich dazu nicht sagen.

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Der Titel für das kleinste Simenon-Buch in meiner Sammlung wird nun neu vergeben: Es handelt sich um »Maigrets Pfeife«, eine Simenon-Erzählung, und erschien in der zuvor angesprochenen »Krisenbibliothek der Weltliteratur«, die wahrlich aus Mini-Bücher besteht. In dem Eingangsbild ist zu sehen, wie sich das Buch zu aktuellen Taschenbuch-Ausgabe verhält. Nebenstehend ein Vergleich mit der aktuellen Ausgabe der Erzählung.

Die Mini-Ausgabe kommt in einem Format von 5,8 x 8 Zentimeter daher und umfasst 142 Seiten. Die letzten vier Seiten sind dabei Werbung, wobei erwähnt wird, welche Bücher man von Simenon man lesen sollte. Lustigerweise entspricht das zum großen Teil dem Inhalt der beiden folgenden Seiten, auf dem steht, welche Bücher bei Diogenes erschienen sind. Zu dem Zeitpunkt war das noch nicht so üppig.

Die aktuelle Ausgabe hat einen Umfang von 96 Seiten und ein Format von 11,6 x 19 Zentimeter. Die Seitenanzahl ist nicht so viel weniger. Aber fairerweise muss gesagt werden, dass die Krisen-Ausgabe auch nur im Extremfall gelesen werden wird. Die Schrift strengt im höheren Lebensalter trotz Lesebrille an. Die Kampa-Ausgabe stammt ganz aus den Anfängen der Edition. Am Ende wie üblich Werbung und in der wird die erste deutschsprachige Gesamtausgabe des Simenon-Werks versprochen. Da kann man schon ins Seufzen geraten.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Vorsicht, aufpassen, Warschau! Wer sich die kleine Ausgabe zulegen möchte, dem werden bei vielen Anbietern Preise von 15 Euro vorgeschlagen. Das ist viel Geld für wenig Buch. Das kleine Schätzchen gibt es durchaus auch schon für vier Euro einschließlich Versand – was eine andere Hausnummer ist für eine solche Ausgabe, die vermutlich nur die Sammlung zieren wird.