Ein merkwürdiges Ding


Über die Jahre ist mir manche kuriose Sache in die Hände gefallen. Aber diese Publikation gehört in die Top 10. Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir vorstellen können, dass ein Verlag auf die Idee kommt, aus einem Film wie »Mit den Waffen einer Frau« eine comicartige Fotostory zu machen. Ich die Frage, warum jemand auf den Trichter gekommen ist, nicht beantworten.

Die Zeitschrift »Mon film« war in der französischen Filmzeitschriften-Szene fast ein halben Jahrhundert verankert gewesen. Sie erschien von 1924 bis 1967, nur von 1938 bis 1946 war die Herausgabe unterbrochen – dieser Zeitraum deutet nicht darauf hin, dass es eine kriegsbedingte Pause gewesen ist, sondern andere Gründe vorlagen.

Mit der März-Ausgabe Nr. 758 von 1967 verabschiedet sich diese scheinbar beliebte Zeitschrift, die in jeder Ausgabe einem Film und seinen Stars huldigte, endgültig von der Bühne. Die Spezialausgaben werden nicht besonders erwähnt, aber in diesen wird die »Verneigung vor dem Film« auf eine ganz andere Ebene getragen.

Die hier vorliegende Ausgabe wurde im Sommer 1959 veröffentlicht. Wer den Streifen »En cas de malheur« nicht gesehen hat, bekommt einen Eindruck der Handlung. Diejenigen, die den Film im Kino sahen, werden die Lücken der Story sofort erkennen. Mein Eindruck war gewesen, das so manche Szene, die entweder anstößig oder gewalttätig war, aus der Bilderzählung herausgenommen wurde. Vielleicht war im Kino auch mehr erlaubt als in einer Pressepublikation.

Im Anschluss an die Story gibt es noch ein kleines Star-Portrait. Das besteht im Großen und Ganzen darin, dass beschrieben wird, wie sich das Beziehungsleben von Jean Gabin entwickelt hatte (zu Brigitte Bardot gab es zu dem Zeitpunkt wohl noch nichts zu vermelden) und dass Gabin die Leinwand dem Theater vorzog, weil er bei der Filmarbeit die Abende und das Wochenende bei seiner Familie auf seinem Landgut verbringen konnte. Edwige Feuillère wird eher auf der beruflichen Ebene betrachtet. Die Leser:innne erfahren, dass sie durch ihre Arbeit am Theater das Recht verdient habe, sich ihre Autoren und Rollen auszusuchen. Bemerkenswert sympathisch ist, dass die, die als große Schauspielerin gepriesen wird, jegliche Publicity mied und ein zurückgezogenes Leben führte. 

Hier folgen ein paar Impressionen aus dem Heft: