Antiquitäten

Antiquarius


Manchmal scheine ich vielleicht ein wenig penibel. Der Ursprung liegt aber meist in Neugierde begründet. Ich hatte mich auch in der Vergangenheit gewundert, warum das Wort »Antiquar« als Berufsbezeichnung für Léon Florentin gewählt wurde. Schließlich war er – wenn überhaupt, aber das ist ein anderes Thema – ein Antiquitätenhändler. Für mich waren Antiquare Leute, die Bücher verkaufen, die nicht neu sind.

Das wiederum habe ich nun absichtlich so geschrieben, denn Bücher, die in ein Antiquariat gebracht werden, sind manchmal neuwertig – aber gebraucht sind sie damit noch lange nicht. Ich möchte nicht wissen, wie viele Bücher ungelesen in diesen Markt kommen.

Léon Florentin handelt aber gar nicht mit alten Büchern und Schriften, sondern verkauft alte Möbel. Das wären für mich Antiquitäten und damit wäre er Antiquitäten-Händler. Ein Antiquar arbeitet in einem Antiquariat, in dem ich alte Bücher erwarte. Meine Erwartungshaltung wäre nicht, dort alte Möbel kaufen zu können. Ich wäre zumindest überrascht und würde mich über das Konzept ein wenig wundern.

Zu meiner Überraschung musste ich aber feststellen, dass die die Begrifflichkeit wirklich ein wenig schwammig ist. Der Duden gibt an, dass es sich bei einem Antiquar um einen Händler von alten Büchern handeln würde oder jemanden, der einen Kunsthandel betreibt. Das könnten im weitesten Sinne auch Möbel sein. Die Wikipedia und das angeschlossene Wörterbuch heben auf Bücher ab. Es wird zwar auch der Begriff »Kunst« erwähnt. An der Stelle würde sich die Frage stellen, inwiefern Möbel Kunst sind und ab wann sie als Kunst gelten und auch, ob Kunsthandwerk auch in diese Kategorie fällt.

Man sieht, dass man also leicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Nach meinem Empfinden ist es so, dass wenn jemand sich mir als Antiquar vorstellt, würde ich ihn fragen, ob er mir Titel von Simenon aus der Schlesischen Verlagsanstalt besorgen könnte und nicht, ob er mir noch einen schönen Buchschrank besorgen könnte, in dem ich die schon vorhandenen alten Bücher unterbringen könnte.

Die Begrifflichkeit »Antiquar« für Léon Florentin ist auch schon in älteren Übersetzungen zu finden. Ich gehe davon aus, dass sie aus dem Original stammt. Zeit, dass ich mir die Romane im Original besorge, dann könnte ich nachschauen, ob dort antiquaire, antiquaire oder marchand d’antiquités (was für Antiquitätenhändler stehen würde) oder bouquiniste (womit wir bei einem Antiquar wären).

Kommen wir zum Schluss noch zum Titel: Aus dem lateinischen Wort antiquarius, dem Kenner des Alten und Anhänger, wurde das Wort Antiquar hergeleitet. Mir fiel nichts Besseres ein.