Siebenminutennacht

Ständig gibt es sie: Diese anonymen Briefe, in denen denen sich dieser oder jener zu einer Tat bekennt oder in denen ein Verbrechen angekündigt wird. G7 wird ein Schreiben zugestellt, in dem verkündet wird, dass in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni Iwan Nikolajewitsch Morozow in seinem Haus umgebracht werden wird. Was immer das Interesse bei G7 geweckt hat, es sorgt für ordentlich Trubel.

Der letzte Fall des Kommissars


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Dieser dritte Fall von G7 spielt mindestens ein Jahr nach dem Fall auf Porquerolles. Der Pariser Kriminalpolizei wurde ein Schreiben zugestellt, in dem ein Mord angekündigt wird und der Chef der Kriminalpolizei hat den Fall an G7 mit den Worten übertragen, er möge bitte alles Nötige veranlassen. Der Kommissar hat seinen Vorgesetzten so verstanden, dass er versuchen soll, diesen Mord zu verhindern.

So schnappte er sich seinen Freund und begab sich an den angekündigten Tatort. Das Opfer lebte allein in dem Vorort von Paris und hatte sich an dem Abend in ein Restaurant in der Nähe begeben. Bei Morozow handelte es sich um einen alten Mann, der vor vielen Jahren aus Russland emigriert war. Der Kommissar lässt das Haus durchsuchen, bevor der Besitzer von seinem kulinarischen Ausflug zurückkehrte. Die Untersuchung brachte aber nichts, alles war unauffällig. Nun hieß es für die Beobachter nur, das Haus im Blick zu behalten. Sollte sich jemand, außer dem Besitzer, Zutritt verschaffen wollen, so könnte man ohne Bedenken zugreifen.

Die Nacht

Das Wetter war nicht auf der Seite der Beobachter. Wäre man nicht informiert, dass wir hier über einen Fall im Frühsommer sprechen, hätte man auch durchaus auch annehmen können, dass der Fall im Herbst spielen würde. Es regnete und es gab keinen Unterschlupf. Man sah noch nicht einmal, was sich im Haus von Morozow abspielte. Irgendwann erlosch die Petroleumlampe des Besitzers und es gab auch nichts mehr zu sehen.

Der Erzähler muss – zu seiner Schande – eingestehen, dass er in der Nacht kurz weggenickt war. Gegen zwei Uhr fielen ihm die Augen zu und er war ganze sieben Minuten weg. (Womit auch geklärt wäre, warum und weshalb die Geschichte so heißt, wie sie heißt.) Es waren sieben Minuten, über die der Erzähler keine Auskunft geben konnte. So ging die Nacht vorüber, ohne dass etwas vorgefallen wäre. Also war die ganze Geschichte nur ein vorgetäuschtes Spiel gewesen? Enttäuschung macht sich breit, wo sich hätte Erleichterung breitmachen sollen.

G7 entschied sich, dem Frieden nicht zu trauen und klopfte an die Türe des Hauses von Morozow. Als der nicht öffnete, befahl G7, die Tür zu öffnen. Obwohl man in der Nacht nichts gehört hatte, musste man nun feststellen, dass der Morozow die Nacht nicht überlebt hatte. Er war erschossen worden.

Das konnte doch nicht sein oder passierte es in den sieben Minuten, in denen er geschlafen hatte – fragt sich nun der Erzähler.

Die Untersuchungen

G7 hatte ein großes Problem: Das Haus war beobachtet worden, niemand hatte das Haus betreten oder verlassen (zumindest war das nicht beobachtet worden) und es gab eine Leiche, die an einer Schussverletzung gestorben war. Suizid war es offenbar nicht, denn es wurde keine Schusswaffe im Haus gefunden.

Die Staatsanwaltschaft wurde informiert und G7 von dieser aufgefordert, den Fall an einen Kollegen abzutreten.

Spürbar zieht sich G7 nun zurück. Als er von seinem Freund im Büro besucht wird, ist er dabei einen Abschlussbericht zu schreiben. Es sollte, nach seinem Wunsch, der letzte Abschlussbericht sein, den er zu dem Zeitpunkt verfasste, denn er hatte auch seine Kündigung geschrieben. Davon konnte ihn auch der Direktor nicht abbringen. G7 hatte seine Entscheidung getroffen.

Er verließ aber nicht nur die Kriminalpolizei, er bracht auch mit seinem Freund. Wenn ihn dieser anrief, ließ er sich verleugnen. Das kann man mit Schriftstellern und Journalisten aber nicht machen, besonders nicht mit den hartnäckigen. Dieser engagierte einen Privatdetektiv, der G7 überwachte, und dem Schriftsteller Bericht erstattete.

Das brachte nicht ganz das Licht in das Dunkel, welches sich der Rechnungszahler erhofft hatte.

Rätselhaft

Der Erzähler ist bei dieser Geschichte ein wenig ins Hintertreffen geraten. Er war unmittelbar in die Abwehr des Verbrechens eingebunden und war bei der Entdeckung des Verbrechens dabei. Große Teile der Ermittlung bekommt er aber nicht mit, da sich sein ermittelnder Freund von dem Fall und auch von ihm abwendet. Derart auf dem Trockenen konzentriert er sich darauf, statt den Fall weiter zu untersuchen, sich damit zu befassen, was sein Freund - der Kommissar - so treibt. Das ist mal eine interessante Perspektive.

Sehr interessant, weil sich mir der Schritt nicht erschließt und von G7 auch nicht begründet wird, ist die Kündigung. Man kündigt doch nicht einfach so, weil man von einem Fall abgezogen wird. Das wird Ermittlern doch häufiger mal passieren!

Da es sich um den dritten Fall dieses Ermittlers handelt und zumindest ein Fall noch folgt, darf man gespannt sein, wie es weitergeht. Denn so viel sei verraten: Die Kündigung hält G7 auch am Ende des Falls noch aufrecht. Was wohl jetzt noch kommt?

Deutschsprachige Ausgaben

Eine Ausgabe

2018

Siebenminutennacht
in »Das Rätsel der Maria Galanda«
Kampa
Übersetzung: Kristian Wachinger
Nachwort: Daniel Kampa

Cinema & TV

Für dieses Werk liegen keine Informationen über Verfilmungen vor.

Hörspiele & -bücher

Siebenminutennacht
2019 - Der Audio Verlag
mit Christian Berkel