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Maigret und die braven Leute

Paris ist aus dem Urlaub zurückgekehrt. Mit dem Rest kehrte auch Familie Maigret aus ihrem Häuschen in Meung zurück nach Paris. Es war noch nichts passiert, der Ex-Urlauber Maigret hatte sich noch nicht wieder akklimatisiert.

Als des Nachts das Telefon klingelte, war Maigret – normalerweise der Unwillen in Person – froh, denn er hatte schlecht geschlafen und geträumt. Am anderen Ende meldete sich Kommissar Saint-Hubert, ein alter Bekannter Maigrets aus den Bezirken.

Abbildungen zu »Maigret und die braven Leute« (insgesamt: 3)
Maigret und die braven Leute - detebe 23858 (MA 58) - Juni 2009 Maigret und die braven Leute - Heyne – 1971 Maigret und die braven Leute - Kiepenheuer & Witsch – 1963

Madame Josselin und ihre Tochter waren im Theater gewesen. Nach ihrer Rückkehr fanden sie den Mann und Vater erschossen in der Wohnung auf. Das konnte nun keiner verstehen, der Monsieur Josselin hatte keine Feinde.

Vor einiger Zeit hatte er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurückgezogen und genoss nun seinen Ruhestand. Vorher war er Besitzer einer Kartonfabrik, die hauptsächlich für hochpreisige Produkte Verpackungen herstellte. Solange er die Fabrik leitete, war er mit Haut und Haaren dabei, Feinde hatte er sich bei dieser Tätigkeit nicht geschaffen – im Gegenteil.

Die Frau hatte sich um den Haushalt gekümmert, pflegte ein ruhiges Leben rund um ihre Tochter, später dann um die Kinder ihrer Tochter. Die Tochter – Véronique – war mit einem jungen Arzt, Dr. Fabre, verheiratet, der in seinem Beruf aufging. Diese Tatsache hatte sich der Täter zu nutze gemacht.

»Verstanden Sie sich gut?«
»Das war eins der einträchtigsten Ehepaare, denen ich je begegnet bin.«

Weder der ehemalige Fabrikant noch der Arzt hatten große Lust ins Theater zu gehen. Deshalb blieben sie zu Hause. Der Arzt kam später am Abend in das Haus seiner Schwiegereltern und schaute mit seinem Gastgeber entweder fern oder sie spielten zusammen eine Partie Schach. An diesem Abend lief es genauso ab, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Anruf kam, der Arzt möge sich doch bitte zu einem Patienten begeben, es sei ein Notfall. Damit war der Monsieur Josselin allein.

Das Merkwürdige, was die Polizisten irritierte, war, dass Josselin die Tür geöffnet hatte und den Besucher hereingelassen hatte. Womit man davon ausgehen konnte, dass er den Täter kannte und vertraute. An der angegebenen Adresse fand der Arzt keinen Patienten, der seiner Hilfe bedürftig war. Solchermaßen verschaukelt begab sich Dr. Fabre in sein Krankenhaus, um einen Kontrollgang bei seinen kleinen Patienten vorzunehmen.

»Wissen Sie, ob er Feinde hatte?«
»Keinen einzigen! Er war kein Mann, der sich Feinde schuf. Alle liebten ihn. Gehen Sie in die Büros, in den Betrieb, fragen Sie, wen immer sie wollen, was man von ihm hielt…«

Wer hätte Josselin umbringen wollen? Mit wem Maigret auch spricht, alle sind voll des Lobes über den Mann und seine Familie. Der Tenor ist im Titel des Buches versteckt: es sind brave Leute, die niemandem ans Leder gehen. Umgekehrt in der Regel auch nicht, nur war Josselin tot!

Bei einer solchen heilen Oberfläche muss man nur ein bisschen kratzen, dann erscheint das wahre Gesicht. Das denkt sich auch der Kommissar, der mit der vollen Mannschaft ermittelt (einschließlich Torrence), sehr schnell wird er aber nicht fündig…

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fakten Fakten

Originaltitel:

Maigret et les braves gens

Entstehungsjahr:

1961 (September)

Erscheinungsjahr:

1962

Entstehungsort:

Échandens

Verlag:

Presses de la Cité

cinema und tv Cinema & TV

Maigret et les braves gens
1982 - Frankreich
ein Film von Jean-Jacques Goron
mit Jean Richard [Maigret]

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Anstatt zu murren, während er in der Dunkelheit nach dem Hörer tastete, was er für gewöhnlich tat, wenn das Telefon nachts klingelte, stieß Maigret einen Seufzer der Erleichterung aus.
Obwohl er sich nur noch verschwommen an den Traum erinnerte, aus dem er eben gerissen wurde, wusste er, dass es ein unangenehmer Traum gewesen war: er hatte einer wichtigen Person, deren Gesicht er nicht sehen konnte und die mit ihm sehr unzufrieden war, zu erklären versucht, dass es nicht seine Schuld sei, dass man Geduld mit ihm haben müsse, nur ein paar Tage Geduld, weil er aus der Übung gekommen sei und sich schlapp und in seiner Haut nicht wohl fühle. Man solle nur Vertrauen zu ihm haben, denn werde es nicht lange dauern. Vor allem dürfe man ihn nicht vorwurfsvoll oder ironisch ansehen.

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6 Ausgaben - erste Ausgabe: 1962 - letzte Ausgabe: 2009

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Maigret und die braven Leute
in »Maigret und die braven Leute/ Maigret und sein Sonnabendbesucher/Maigret im Luxushotel«
Europäischer Buchklub
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

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1962

Maigret und die braven Leute
Ex Libris
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

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1963

Maigret und die braven Leute
Kiepenheuer & Witsch (K69)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

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1971

Maigret und die braven Leute
Heyne (K69)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1988

Maigret und die braven Leute
Diogenes (detebe 21615)
Übersetzung: Ingrid Altrichter

Maigret und die braven Leute / Diogenes

2009

Maigret und die braven Leute
Diogenes (detebe 23858 (MA 58))
Übersetzung: Ingrid Altrichter