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Maigret und das Verbrechen in Holland

Der Mann war bekannt, deshalb hatte man sich darauf eingelassen. Der Mann hatte Probleme, da wollte man ihm helfen. Man schickte Maigret.

Wie sich herausstellen sollte, war der Pariser nicht das, was sich der Mann vorgestellt hat. Man hatte ihm jemanden kommen lassen, der einen eigenen Kopf hatte, einen ziemlich dicken sogar, der sich nicht um das kümmerte, was die Holländer dachten, kleinstädtische Holländer auch noch, der jeden Fettnapf, der sich ihm bot, zum reintreten nutzte – der Mann hatte sich vorgestellt, jemanden zu bekommen, dem er bei der Aufklärung des Falles anleiten könnte. Das hatte er nicht bekommen.

Abbildungen zu »Maigret und das Verbrechen in Holland« (insgesamt: 5)
Maigret und der Verbrechen in Holland - Diogenes - 2008 - Maigret-Werkausgabe 8 Maigret und das Verbrechen in Holland - Diogenes – 8/2003 Maigret und das Verbrechen in Holland - Weltbild – 10/2003

Jean Duclos war Professor für Kriminalistik in Nancy und musste nun seine Vortragsreise unterbrechen, da man ihm aus dem Badezimmer seines Gastgebers mit einer Pistole hat kommen sehen, nachdem dieser kurz zuvor erschossen worden war. An dem Abend hatte er einen Vortrag über das perfekte Verbrechen gehalten. Man hielt es für unwahrscheinlich, dass er der Täter war, aber man ist ja vorsichtig und hielt ihn deshalb fest.

Sein Gastgeber, Conrad Popinga, war ein sehr lebenslustiger Bursche. Ein ehemaliger See-Offizier, der auf Drängen seiner Frau, das Fahren aufgegeben hat und an der Marineschule in Delfzijl lehrte. Er hatte an dem Abend Beetje nach Hause gebracht, die auf einem der Nachbargehöfte wohnte. Sein Wohnzimmer, einmal verlassen, sollte er nie wieder sehen.

Mit im Haus waren zu der Zeit seine Frau Liesbeth, die einige Zeit später Gelegenheit hatte, noch mehr aus den Wolken zu fallen, als sie es ob des Todes ihres Gatten sowieso schon tat, und ihre Schwester Any Van Elst. Während die Frau des Seefahrers eine gewisse Ausstrahlung hatte, war die Schwester einfach nur hässlich. Da wird auch nicht drumherum geredet, wenigstens ist sie sehr intelligent – sie hatte Jura studiert und hatte vor sich in Delfzijl niederzulassen.

Delfzijl, war da nicht was, fragt sich jetzt vielleicht manch einer. Ja. Hier entstand die erste Maigret-Erzählung – »Maigret und Pietr der Lette«. Simenon kennt sich mit den örtlichen Gegebenheiten also gut aus.

Maigret kommt in der kleinen Stadt an und macht sich auf den Weg zum Tatort und traf dabei auf ...

Und hier erwiesen sich die vorgefassten Meinungen wieder als falsch. Beetje Liewens trug schwarze Gummistiefel, in denen sie wie eine Reiterin aussah. Darüber ein grünes Seidenkleid, das von einer Schwesternschürze beinahe ganz verdeckt wurde.
Ein rosiges, vielleicht zu rosiges Gesicht. Ein gesundes, fröhliches Lächeln, dem aber Zartheit fehlte. Große, blaue Augen. Rote Haare.
Zuerst musste sie sich auf die französischen Wörter besinnen, und sie redete mit starkem Akzent. Aber bald war sie wieder mit der Sprache vertraut.
»Sie wollen meinen Vater sprechen?«
»Sie.«

Es ist typisch Maigret, dass er nicht zuerst der örtlichen Polizei seine Aufwartung macht, oder zuerst im Hotel beim Professor hereinschaut. Stattdessen unterhält er sich mit Beetje. Versucht er sich zu unterhalten, muss es besser heißen, denn es sind nicht nur sprachliche Probleme, die die Beiden trennen (die sind eher klein), vielmehr kalbt gerade eine Kuh und der Kommissar wird unversehens zum Geburthelfer.

Im Anschluss macht er sich mit den Popingas vertraut, prüft nach, was er in der Zusammenfassung des Duclos schon gelesen hatte, sog die Atmosphäre ein, machte sich mit den Ungereimtheiten des Falles vertraut. Er dann geht er zur örtlichen Polizei und dort gleich in die Offensive:

Der Inspektor, der von Groningen geschickt worden war, sprach langsam und etwas affektiert Französisch. Er war ein großer blonder und hagerer Mann von bemerkenswerter Liebenswürdigkeit, der bei jedem seiner Sätze kurz nickte, als ob er sagen wollte: Sie verstehen? Wir sind uns doch einig?
Doch Maigret ließ ihn kaum zu Wort kommen.
»Wenn Sie sich schon eine Woche lang mit dem Fall beschäftigen«, sagte er, »müssen Sie die Zeiten nachgeprüft haben.«
»Welche Zeiten?«
»Es wäre zum Beispiel interessant zu wissen, wie viel Minuten das Opfer genau gebraucht hat, um Mademoiselle Beetje nach Hause zu bringen und dann wieder zurückzufahren ... Warten Sie! Ich möchte auch gern wissen…

Man fand im Badezimmer nicht nur die Pistole, mit der der Lehrer umgebracht wurde, im Wohnzimmer fand man den Zigarrenrest, obwohl niemand an dem Abend Zigarre geraucht hat. Das Verwunderlichste: es fand sich im Badezimmer auch die Mütze von Baes, einem ortsansässigem Schlitzohr, dem so alles zuzutrauen war – nur ein Mord nicht. Wie kam sie dahin, wo doch Baes nicht im Haus gewesen ist. Er war während der Tatzeit vermutlich im Garten, aber dort war auch Cornelius – ein Liebhaber von Beetje.

Jede Menge Spuren, aber keine Spur von einem Motiv.

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fakten Fakten

Originaltitel:

Un crime en Hollande

Entstehungsjahr:

1931 (Mai)

Erscheinungsjahr:

1931

Entstehungsort:

Morsang-sur-Seine

Verlag:

Fayard

cinema und tv Cinema & TV

Un crime en Hollande
[Ein Verbrechen in Holland]
1976 - Frankreich
ein Film von René Lucot
mit Jean Richard [Maigret]

Maigret en Finlande
[Maigret in Finnland]
1995 - Frankreich
ein Film von Pekka Parikka
mit Bruno Cremer [Maigret]

 

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Als Maigret an einem Mainachmittag in Delfzijl ankam, kannte er den Fall, der ihn in die kleine Stadt im äußersten Norden Hollands rief, nur in groben Zügen.
Ein gewisser Jean Duclos, Professor an der Universität Nancy, war auf Vortragsreise in den Ländern des Nordens. In Delfzijl war er nun Gast von Monsieur Popinga, einem Lehrer an der Marineschule. Nun war dieser Monsieur Popinga ermordet worden, und wenn man den französischen Professor auch nicht direkt beschuldigte, so hatte man ihn doch gebeten, die Stadt nicht zu verlassen und sich den holländischen Behörden zur Verfügung zu halten.

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13 Ausgaben - erste Ausgabe: 1960 - letzte Ausgabe: 2008

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Maigret in Holland
in »Kommissar Maigret in Nöten«
Europäischer Buchklub

Maigret in Holland / Kiepenheuer & Witsch

1960

Maigret in Holland
Kiepenheuer & Witsch (K39)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

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1961

Maigret in Holland
in »Kommissar Maigret in Nöten«
Ex Libris

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1965

Maigret in Holland
in »Maigret im Luxushotel/Maigret in Holland«
Buchgemeinschaft Donauland

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1966

Maigret in Holland
Heyne (K39)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1980

Maigret und das Verbrechen in Holland
Diogenes (detebe 155/21)
Übersetzung: Renate Nickel

Kein Cover vorhanden

1982

Maigret und das Verbrechen in Holland
in »Drei Fälle aus dem Leben des Kommissars Maigret«
Volk und Welt

Kein Cover vorhanden

1983

Maigret und das Verbrechen in Holland
Edito-Service
Übersetzung: Renate Nickel

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1992

Maigret und das Verbrechen in Holland
Diogenes (detebe 20809)
Übersetzung: Renate Nickel

Kein Cover vorhanden

2001

Maigret und das Verbrechen in Holland
Diogenes (detebe 20809)
Übersetzung: Renate Nickel

Maigret und das Verbrechen in Holland / Diogenes

2003

Maigret und das Verbrechen in Holland
Diogenes (detebe 20809)
Übersetzung: Renate Nickel

Maigret und das Verbrechen in Holland / Weltbild

2003

Maigret und das Verbrechen in Holland
Weltbild (3)
Übersetzung: Renate Nickel

Maigret und das Verbrechen in Holland / Diogenes

2008

Maigret und das Verbrechen in Holland
Diogenes (detebe 23808 (MA 8))
Übersetzung: Renate Nickel