Unterschrift

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In weniger als einem Monat sieht man Simenon wieder frisch in den Regalen stehen. Nicht nur die Maigrets, sondern auch die Intimen Memoiren. So ist klar, dass ich bis dahin nicht fertig sein werde. Schließlich ist nicht das Lesen das, was die Zeit frisst, es der Rückblick und das Schreiben. In diesem Abschnitt, dem 20. Kapitel, geht es um die erste Zeit in Amerika, in der Simenon sich um Verträge und Frauen kümmert.

​Simenon schildert, dass er in New York sehr gut untergekommen war. Heute würde man sagen, dass ihm geholfen hat, dass er ein »Netzwerker« war. Egal, wo er war, Simenon traf immer Freunde. Mit denen hatte er etwas zu bereden, mit denen hatte er etwas zu feiern, um diese kümmerte er sich und von denen wurde ihm geholfen. In New York half ihm O’Brien, den er Paris kennengelernt hatte, und der nun in New York wieder als Professor arbeitete. So kam er an eine Wohnung in einem Wolkenkratzer, in dem Tigy und er getrennte Räume bewohnten, sich in einem Salon aber treffen konnten.

Im Oktober ging es dann nach Montreal, mit dem Zug, denn dort wollte sich Simenon niederlassen. Der Vorteil war, dass dort französisch gesprochen wurde und er glaubte, dass es leichter war, sich einzugewöhnen.

Organisation

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Simenon fing sofort an, sich um Vertragsangelegenheiten zu finden. Die Konditionen, die ihm angeboten wurden, waren nicht so gut wie die, die er in Frankreich hatte. So hatte er ordentlich zu verhandeln und zu sortieren. Man kann aus dem Kapitel den Schluss ziehen, dass Simenon ein gutes Gespür dafür hatte, was geschäftlich realistisch ist und was nicht. Das Angebot eines jungen Verlegers, das er fantastisch nennt, nimmt er nicht an, da er kein gutes Gefühl hatte. Simenon schreibt, dass der junge Mann zwei Jahre später bankrott gewesen war. Sein Gefühl, seine Erfahrungen haben nicht getrogen.

Die Familie wohnte nun nördlich von Montreal in Sainte-Marguerite-du-Lac-Masson. Für Marc und Tigy organisierte er eine Englisch-Lehrerin, auch eine Haushälterin war schon bald gefunden. Woran es nun noch fehlte war eine Sekretärin und ein Auto. Letzteres schien die schwierigere Aufgabe zu sein, denn Autos waren im Nachkriegs-Kanada Mangelware. Das Organisationstalent Simenon fand dafür eine Lösung. Geholfen haben dabei sicher auch neue Freunde, die er alsbald in Montreal gefunden hatte.

Die Sekretärin

Der Schriftsteller war nun 42 Jahre alt und bezeichnete sich als frei. Tigy war »nur« noch eine Kameradin, der er freimütig von seinen Abenteuern erzählte. Simenon glaubte Tun und Lassen zu können, was er wollte. In Sainte-Marguerite-du-Lac-Masson dürften die Möglichkeiten in dieser Hinsicht eingeschränkt gewesen sein (da tollten mehr Schwarzbären denn Frauen), aber in New York, wo er sich hin und wieder aufhielt, sah es ganz anders aus. Ganz so einfach, räumt der Schriftsteller ein, war es mit den amerikanischen Frauen nicht. Beim ersten Mal war da nichts zu wollen, aber er hatte Zeit und konnte länger bleiben. Niemand hetzte ihn.

Ungelöst war indes das Sekretärinnen-Problem. Simenon berichtet, dass er auf eine Stellenausschreibung über 180 Bewerbungen bekam. Diese lud er in ein Hotel ein und konnte sich am Ende doch für keine der Kandidatinnen entscheiden. Der Vertraute eines anderen Verlegers fand für Simenon eine Kandidatin für diese Stelle und organisierte ein Treffen zwischen den beiden in New York. Da er gerade mitten in einer Affäre mit einem Mannequin war und einen Freund besucht hatte, der krank war, war Simenon diese Störung nicht recht.

Den Start konnte man nicht als gelungen betrachten. Simenon verspätete sich, weil er sich in der Zeit verschätzt hatte, und sie mochte keine Unpünktlichkeit. Nicht nur, dass sie es nicht mochte, sie sagte ihm das auch. Außerdem gab sie ihm zu verspäten, dass Simenon für sie nur eine Option wäre. Sie hätte später am Tag noch ein weiteres Vorstellungsgespräch und würde sich erst danach entscheiden. Er beschrieb die Frau als »klein und dunkel«. Sie hatte nicht die Beine eines Mannequins, aber er war fasziniert von ihren Augen. Die Rede ist von Denyse Ouimet und Simenon schreibt, dass er, der nicht an Liebe auf den ersten Blick geglaubt hatte, sich sofort in sie verliebte. Als Simenon seine »Intimen Memoiren« schrieb, hatte Denyse, die er nur noch als »D.« betitelte, ein Buch veröffentlicht, von dem er behauptete, es würde mehr Ungenauigkeiten als Wahrheiten enthalten.

Sie entschied sich für Simenon, weil alle Ampeln auf dem Weg zu ihm grün geschaltet waren. So romantisch!

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​Wer übrigens noch ganz viel Geld über hat, der könnte bei Amazon fündig werden. Die Neuausgabe der »Intimen Memoiren« ist gewiss kein Schnäppchen, aber immerhin bekommt man mit der E-Book-Edition das Buch schon für knapp 40 Euro.

Das Zehnfache kann man allerdings auch ausgeben, wenn man die Hardcover-Variante von 1984 bei Amazon kaufen möchte. Ich fühle mich dann immer ganz reich, immerhin habe ich neben der Taschenbuch-Ausgabe, die ich gerade bearbeite, noch zwei Hardcover-Varianten hier zu stehen.

Bin mal gespannt, wie sich die Preise ab Oktober entwickeln.