Die Herberge der Ertrunkenen


Das erste Rätsel, was einem bei diesem Hörspiel aus dem Jahr 1953 aufgeben wird, betrifft den Titel: Sowohl in der Ansage wie auch auf der CD ist die Rede von der »Herberge«, während die Hörspieldatenbank der ARD von einem »Hotel« im Titel spricht. Gut möglich, dass der Titel später geändert wurde. Schließlich hört sich Hotel schon gewaltig an.

Dieser Titel mit »Herberge« oder wie im Titel der gedruckten Erzählung »Wirtshaus« hört sich ein wenig kleiner an – ein paar Zimmer vielleicht, die vermietet werden und damit ist man näher an der Unterkunft, die man sich in der geschilderten Umgebung vorstellt.

Das Hörspiel ist das sechste der Kommissar-Maigret-Reihe des Saarländischen Rundfunks und auch in dieser gibt Theo Schulte den Maigret. In knapp dreißig Minuten ist der Fall gelöst und die Täter überführt. Es sollte kein Problem darstellen, diesen Maigret zwischendurch zu genießen.

Alter Film ohne Ton

Licht aus, Augen zu, Ton an: So war es bei mir. Dachte, dass ich dieses Stück vor dem Schlafen hören könnte. Gut gedacht, aber nicht zu hundert Prozent von Erfolg gekrönt. Das Stück beginnt mit dramatischer Musik und der Ankündigung, dass die folgenden Minuten Kommissar Maigret gewidmet sind. Schon nach wenigen Augenblicken wird einem klar, dass es wie ein alter Film ist – nur ohne Ton. Ich glaube, dass die Leute heute nicht mehr so reden: Bestimmte Formulierungen und Umgangsformen sind aus der Zeit gefallen. Das »Jawohl« auf Anweisungen Maigrets sprang geradezu ins Ohr. Die Leute waren sehr auf Gehorsam getrimmt.

Ich war so stolz auf mich. Wie ein kleines Kind, dass unbedingt wach bleiben will. Bis ich einschlief. Plötzlich war Stille und ich wusste nicht, wie Maigret den Fall gelöst hatte. Ich packte mich auf die andere Seite und ärgerte mich am nächsten Morgen weiter. Da stellte ich fest, dass es die letzten fünf Minuten waren, die ich verpasst hatte.

Eigentlich macht es einem das Stück schwer, einzuschlafen. Entweder sind die Zuhörenden mit einem LKW-Fahrer in seinem Brummi unterwegs und es wir ständig gehupt. Oder sie werden in ein Wirtshaus verfrachtet, in dem ein elektrisches Klavier so enervierende Musik von sich gibt, dass es selbst dem Kommissar zu bunt wurde. Aber dann tauchte es eine kurze Phase der Ruhe auf und schon hatte ich eine Schlägerei und die Lösung des Falles verpasst.

Flott

Gerade zu Beginn sprachen die Schauspieler erstaunlich schnell. Entweder legte sich das oder mein subjektives Gefühl hatte mich getäuscht. Dass in einer Geschichte, die in Frankreich spielt, Zungenschläge aus Bayern und Berlin auftauchen und ausgelebt werden, irritierte mich. Da tat das schon erwähnte »Jawohl!« sein Übriges. Diese Verwirrtheit würde ich aber in erster Linie meiner Hörspiel-Unerfahrenheit zuschreiben.

Image Lightbox

Sieht man sich alte Filme an, dann man oft das Gefühl, dass sowohl die Filmaufnahmen wie auch der dazugehörige Ton gelitten haben. Das ist hier nicht der Fall. Der Sound der Aufnahme ist klar – nur anhand der Inszenierung erkennbar ist, dass es sich um eine betagtere Produktion handelt. Das Hörspiel findet sich in der gerade erschienen Hörspielbox »Maigret – Die raffiniertesten Fälle« aus dem Audio Verlag.

Nachtrag: Das Thema »Titel« hatte ich vor Jahren hier schon einmal.