Motivdopplung

Déjà-vu

Motiv-Recycling


Gestern bekam ich mit, dass es im Herbst neue Hörbücher geben wird, herausgegeben von DAV. Nun bin ich zwar ein Vertreter der Fraktion »Form folgt Inhalt«, aber eine sekundäre Tugend ist es schon, wenn eine Sache ästhetisch ansprechend gestaltet. So habe ich die Cover, der kommenden Hörbücher auch interessiert betrachtet. Den Schriftzug von »Maigret« fand ich sehr gelungen. Dann sah ich das eine Bild.

Der Blick auf das Cover von »Maigrets Memoiren« zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht. Es ist der Junge, der bei seinem Vater oder – fast noch wahrscheinlicher – Großvater auf dem Gepäcksitz sitzt, ein Baguette in der Hand und sich zum Betrachter umdreht. Das Foto mit dem Titel »Provence« stammt von Elliott Erwitt. Der amerikanische Fotograf hat ein Faible für derartige Motive. Jeder überbesorgten Mutter wird wahrscheinlich beim Betrachten des Bildes die Tasse Kaffee aus der Hand fallen: Auf dem Rücksitz! Ohne Fahrradhelm! Mitten auf der Straße!

Bei mir löste es jedoch eine andere Assoziation aus: Das kenne ich doch! Ich wusste nicht mehr, welcher Maigret es gewesen war. Aber auf einem der Maigrets, die in der Diogenes-Werkausgabe erschienen, war das Motiv auch zu sehen. Eine kurze Recherche auf diesen Seiten kann helfen. In der Tat war es schon auf »Maigret und sein Revolver« zu sehen.

Nun könnte man trefflich darüber streichen, ob ein Junge mit dem Baguette wirklich ein passendes Motiv für »Maigret und sein Revolver« ist (ich tendiere da zu einem klaren »Nein«). Man kann sogar der Meinung sein, dass dieses Bild viel eher zu »Maigrets Memoiren« passt, zum Beispiel wenn man sich den Jungen als kleinen Maigret mit seinem Vater vorstellt. Würde passen, die Story würde passen.

Nun bin ich allerdings auch so gestrickt, dass bei einem Restaurant-Besuch mit Freunden unglücklich bin, wenn alle das Gleiche bestellen. Aus Prinzip sehe ich mich gezwungen, ein anderes Gericht zu bestellen. Nur schwerwiegende Gründe – massive Beteiligung von Spinat und Grünkohl bei den Alternativen sind dabei Entschuldigungsgründe – lassen mich davon abgehen. So gesehen wäre für mich das Motiv für eine Maigret-Geschichte »verbrannt«. Ja, ich gebe zu, dass es ein schönes Motiv ist. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass es noch Tausende Motive gibt, die ebenfalls gut zu der Geschichte passen.

Image Lightbox

Dann stolperte ich noch über die Abbildung auf dem Cover von »Maigret im Haus des Richters«. Diogenes nutzte das selbe Bild von Henri Cartier-Bresson, um den Titel »Maigret und der verstorbene Monsieur Gallen« zu illustrieren.

Wenn wir schon bei dem Thema sind: Es werden elf Maigret-Hörbücher auf einen Schlag herausgegeben. Aber eines davon – »Maigrets Pfeife« – hat eine komplett andere Gestaltung? Was hat denn die Gestalter da geritten? Nicht, dass es nicht gut aussehen würde. Der Stil erinnert an die Buch-Cover der fünfziger Jahre und ich finde das auch ansprechend. Wenn man aber eine einheitliche Gestaltungssprache gefunden hat, die aus dem Maigret-Schriftzug, der Farbe und Schwarz-Weiß-Fotografie besteht, sollte man mit diesem Stil nicht gleich in der ersten Session wieder brechen.