Über die Story

Die Geschichte beginnt am 4. November und ist in Tagebuchform gehalten. Der Schreibende ist der Rechtsanwalt Gobillot. Allerdings ist der Titel des Buches für den Leser etwas irreführend, weil er befürchten muss, dass dem Tagebuchschreiber etwas zustößt. Meine Vermutung war, dass ihn seine Frau umbringen will – war doch der Originaltitel »Mit den Waffen einer Frau«. Kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, wurde doch dieser Roman mit Brigitte Bardot und – wem sonst? – Jean Gabin verfilmt. Jetzt könnte man anfangen rumzumosern und zu sagen, schön und gut, Jean Gabin ist vital, aber ist er so hässlich, wie es Gobillot von sich behauptet?

Der Roman ist in einer für Simenon typischen Art und Weise gehalten: es wird zuerst kurz die aktuelle Situation geschildert, in der der Rechtsanwalt, der mehr als recht glücklich verheiratet ist, seine Lebensumstände schildert. Da kann er nicht meckern: er ist erfolgreich, nennt zwei Etagen innerhalb eines Mietshauses sein eigen (die eine nutzt er als Wohnung, die andere als Büro) und er hat eine Geliebte, die man reizend nennen kann. Im Anschluss geht es in die Vergangenheit, die Problementstehung wird ausführlich geschildert, dann kehrt Simenon, bzw. in diesem Fall der Rechtsanwalt, wie der in die Gegenwart zurück und schreibt eine Geschichte, die nach Weihnachten ihren Ausklang findet.

Es begab sich, dass sich in seinem Vorraum eine Frau vielmehr ein Mädchen einfand, welches ihn konsultieren wollte. Sie wählte klare Worte:

»Sobald ich in mein Hotel zurückkehre, werde ich sicher verhaftet, und wahrscheinlich haben schon alle Polizisten auf den Straßen meine Personenbeschreibung.«
»Haben Sie mich vorher sprechen wollen?«
»Natürlich. Hinterher wäre es zu spät.«
Ich begriff nicht, wie sie das meinte, und begann neugierig zu werden. Aber gerade das wollte sie gewiss, und ich sah ein verstohlenes Lächeln auf ihren schmalen Lippen.
Unvermittelt sagte ich:
»Ich nehme an, Sie sind unschuldig?«
Sie hatte jene Bemerkung über mich gelesen, denn wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort:
»Wenn ich unschuldig wäre, wäre ich nicht hier.«

Sie hatte zusammen mit einer Freundin versucht, den kargen Etat ihres Haushaltes aufzubessern. Das ist leider daneben gegangen – die Freundin hatte man schon, und sie vermutete, dass die Polizisten so ein Raubüberfall nicht kalt lassen würde. Der Rechtsanwalt hat einen eigenartigen Ruf: er war ein engagierter Anwalt, der auch für den Schuldigsten das Beste herausholen konnte. Im günstigsten Fall einen Freispruch.

Er bereitete sich auf den Prozess sehr ausführlich vor. Das ermöglichte ihm, ein paar unschöne Tatsachen den Geschworenen über die Opfer zu präsentieren, dass es nachher so aussah, als ob die Opfer (ein Uhrmacher und seine Frau) nicht ganz unschuldig an ihrem Schicksal wären. Die staunenden Prozessteilnehmer nahmen aber zur Kenntnis, dass Gobillot seine Mandanten nicht über den grünen Klee lobte, sondern sie in einem realistischem Licht erscheinen ließ, unter dem es durchaus möglich gewesen wäre, dass sie die Täter gewesen wäre. Es kam das heraus, was sich die junge Dame, Yvette, von ihrer Mandatserteilung gewünscht hatte – ein Freispruch.

Nach diesem Freispruch begann die Beziehung zwischen den beiden. Erst aus der Ferne, später kaufte Gobillot Yvette eine Wohnung. Immer mit dem Wissen und unter dem skeptischen Blicke von Yvonne, seiner Frau. Diese Frau war es, die ihm den Erfolg ermöglicht hat, und so steht er da und muss sich fragen, ob er nicht undankbar ist, allerdings ist Yvette eine Sucht, von der er nicht loskommt. Die Situation spitzt sich zu, als ein Liebhaber Yvette anfängt Heiratsanträge zu machen.