Die Verbrechen meiner Freunde

Eines der besten Bücher, die es von Simenon gibt. Wie in vielen Büchern findet man auch in diesem Buch viele Motive aus der Jugend Simenons wieder – in diesem Fall nicht nur thematisch sondern auch örtlich: der Roman spielt in Lüttich und es geht um Mord. Eigentlich ist es auch kein Mord im eigentlichen Sinne, es geht umd die Unterlassungssünden seiner »Freunde«, denn nach einer durchzechten Nacht, findet man K. erhängt in der Kapelle. Vorher war er Teil einer Clique, die sich bis spät in die Nacht die Köpfe heiß redete, die Welt verbessern wollte. Die Ideen fußten aber auf der Kraft der Inspiration, die einem Alkohol und Äther verschafft.

Über die Story


Freunde? Simenon schreibt Freunde, also nicht einfach eine »komische« Übersetzung des Titels. Auch betrachtet er sie auch als Freunde, obwohl er sich schon sehr lange von ihnen gelöst hat und nur noch aus der Distanz auf die Ereignisse blickt, die sich abspielen.

Es geht um drei, vier Verbrechenskomplexe in der Heimatstadt Simenons – Lüttich. Das erste Verbrechen kommt Maigret-Lesers sehr bekannt vor. Es wird in der Erzählung »Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien« schon behandelt. Während in dieser Erzählung das Opfer K. ist, wird er in der Maigret-Erzählung als Klein postuliert. Eigentlich ist es auch kein Mord im eigentlichen Sinne, es geht umd die Unterlassungssünden seiner »Freunde«, denn nach einer durchzechten Nacht, findet man K. erhängt in der Kapelle. Vorher war er Teil einer Clique, die sich bis spät in die Nacht die Köpfe heiß redete, die Welt verbessern wollte. Die Ideen fußten aber auf der Kraft der Inspiration, die einem Alkohol und Äther verschafft. K. ist wohl der labilste Charakter der Runde und schließt sich einem Mitglied der Runde an, welches, was Drogen angeht, noch einen Schritt weitergeht.

Ich ahnte nichts, dabei waren meine Freunde Mörder! Auch einige Jahre später ahnte ich nicht, als ich Kriminalromane zu schreiben begann, das heißt Geschichten von erfundenen Verbrechen, während jene, mit denen ich gelebt, dieselbe Luft geatmet, dieselben Freuden geteilt, dieselben Vergnügungen genossen und über die dieselben Dinge diskutiert hatte, auf einmal richtige Morde begingen.

Das Buch ist stark autobiographisch geprägt und enthält nicht nur die Beschreibung der Verbrechen und wie es dazu kam, sondern auch eine sehr gute Beschreibung der Zustände während des ersten Weltkrieges in Belgien und wie die Heranwachsenden mit dieser Situation umgingen oder besser gesagt, wie sie sich mit den Gegebenheiten arrangierten. Wenn man Simenon so liest, ist dabei eine kaputte Generation herausgekommen. Ist es so, dass diese Generation aber nicht weiter auffiel, weil die Generation mit dem, was sie im zweiten Weltkrieg erlebte, noch einmal eins draufgesetzt bekam?

Der Titelheld macht seinen Weg, immer haarscharf an der Kante zum Verbrechen, aber durch die mahnenden Blicke und Worte seiner Mutter, auch wenn er es nicht zugibt, zurückgehalten. Aber es war auch Glück dabei. Dieses Glück hatte Deblauwe nicht, der ein ganzes Stückchen älter schien und mit dem der Held der Erzählung eine Zeitung in Lüttich gründete, die es sich zu Aufgabe machte humoristische Artikel zu veröffentlichen, die alle von einem geschrieben wurden — und das war nicht Deblauwe. Der setzte als Verleger nur einzelne Artikel in die Zeitung, die nichts mit dem Zeitgeschehen zu tun hatten und, so die Meinung des Chefschreibers, keinerlei Humor aufzeigten. Mussten sie auch nicht, es waren schlicht kleine erpresserische Artikel, die dort erschienen, immer mit der Drohung versehen, man könnte ja noch mehr veröffentlichen. Dieser Deblauwe bringt später einen Menschen um.

Bei dem Zweiten, der als Freund beschrieben wird, aber wahrhaftig keiner ist, handelt es sich um Danse. Der tritt in das Blickfeld des Titelhelden als Buchhändler, der Bücher von den Schuljungen aufkauft. Später hat er die Berechtigung der Besatzungsmacht Frauen von der Straße zu holen und zu untersuchen. Man fragt sich schon, warum er sich immer die ganz jungen holte. Aber übersteht locker den Abzug der Besatzungsmacht zum Ende des Krieges ohne als Kollaborateur gebrandmarkt zu werden, nein, er verlegt sich darauf, Oden auf die Weltkriegshelden zu schreiben und diese zu veröffentlichen – es versteht sich, dass er diese nicht auf die deutschen, geschlagenen Helden schrieb. Nachdem der Erzähler ausgestiegen ist aus der Nanesse, so hieß die Zeitung, fing der Buchhändler in der Zeitung an und der Ton wurde wesentlich wilder. Von dezenten, kleinen Artikeln, die an die Oberen von Lüttich gerichtet waren, trat ein denunzianter Ton, der jeden Treffen konnte. Die Zeitung schüttet Jauche über der Stadt aus. Auch Danse kommt zu Fall.

Ein Buch, dass man als Simenon-Freund gelesen haben muss.

Deutschsprachige Ausgaben

Eine Ausgabe

1994

Die Verbrechen meiner Freunde
Diogenes (detebe 22692)
Übersetzung: Helmut Kossodo

Cinema & TV

Für dieses Werk liegen keine Informationen über Verfilmungen vor.

Hörspiele & -bücher

Für dieses Werk liegen keine Informationen über Hörspiel- oder -buch-Bearbeitungen vor.