Die hufeisenförmige Krawattennadel

Wenn ein Fremder anfängt in der eigenen Straße Erkundigungen über die Familie oder einen entfernten Verwandten einzuholen, da sollte man vorsichtig sein. Meist wird es unangenehm...

Über die Story


»Du bist noch zu klein ...«, hatte der etwas mehr als vierjährige Doudou soeben würdevoll erklärt.

Da wusste er noch nicht, was er an diesem Tag so alles erleben würde. Das er, Doudou diverse Male aus dem Zimmer geschickt wurden, mit der Botschaft, er sei zu klein. Sehr schön, wird sich der kleine Junge gedacht haben. Denn gleichzeitig wurde ihm auch aufgetragen, ja den Mund zu halten, und nichts weiter zu erzählen.

»Wenn du größer wärst, würd ich’s dir sagen…«
Welches Geheimnis war es, das Doudou dem kleinen Corbion nicht anvertrauen konnte, der ein Jahr jünger war als er? Daran sollte er sich später nicht mehr erinnern. Alles übrige aber würde für immer in seinem Gedächtnis eingegraben bleiben.

Denn der Tag wurde mit einem Höhepunkt eingeleitet. Sein Onkel Nicolas kam um die Ecke der Rue Pasteur, ein absolute Seltenheit, wohnte doch der Onkel viele Hundert Kilometer in einer ganz anderen Stadt und schaffte es einmal im Jahr, sie besuchen zu kommen. Er mochte Onkel Nicolas. An diesem Tag schien es aber nicht ein Freundschaftsbesuch zu sein.

Statt um sich um seinen Neffen zu kümmern, war er ganz mit seiner Schwester beschäftigt. Vor sich hatte der Onkel eine Zeitung, und der kleine Doudou hörte seine Mutter sagen, dass es nicht sein könne, denn zum einen würde ihr Mann, Charles, in der Stadt arbeiten, und hätte dadurch zum zweiten überhaupt gar keine Gelegenheit in Paris mit dem Auto zu fahren. Und drittens wäre kein Geld für ein Auto da.

Allerdings haben Fotos eine scheußliche Angewohnheit. Sie lügen sehr selten. Und wenn auf dem Bild ein Mann abgebildet ist, der ein Auto fährt, dies alles in einer Pariser Zeitung - da dürfen Schwager und Frau schon mal ins Grübeln kommen. Der Onkel geht wieder, um weitere Erkundigungen einholen zu gehen, während die Frau auf ihren Mann wartet:

»Was Neues im Büro?«
»Immer dasselbe…«
»Ist Monsieur Bastien immer noch so freundlich?«
»Warum fragst du mich das?«
»Ich weiß nicht… nur so… er hat uns so viele Geschenke gemacht. Vielleicht wäre es gut, wenn ich mal hingehe und mich bedanke…«

Charles reagiert irritiert und rät seiner Frau ab, sich bei dem großzügigen Arbeitgeber bedanken zu gehen, der hätte viel Arbeit und für so etwas keine Zeit.

Doudou, Emile heißt er eigentlich, weiß gar nicht was vor sich geht: nur, dass er andauernd ermahnt wird, sein Essen nicht kalt werden zu lassen, oder draußen spielen zu gehen. Aber er ist es, der seinem Onkel einen Tipp gibt.

Deutschsprachige Ausgaben

Eine Ausgabe

1992

Die hufeisenförmige Krawattennadel
in »Emil und sein Schiff«
Diogenes (detebe 21318)
Übersetzung: Angela von Hagen

Cinema & TV

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Hörspiele & -bücher

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