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Maigret und die kleine Landkneipe

Während die Zeitungsverkäufer die Nachricht auf den Straßen und vor den Cafés schon verbreiten, weiß Lenoir noch nicht, dass sein Gnadengesuch abgelehnt worden ist. Der Bandenführer, der Maigret fast umgebracht hätte, empfängt ihn drei Monate später in seiner Zelle und kann Maigrets Miene aber das entnehmen, was die Zeitungen ihren Lesern an diesem Nachmittag mitteilen: dieser Nachmittag wird sein letzter sein. Große Hoffnungen habe er sich ja nicht gemacht, meint Lenoir; aber Maigret merkt, dass die »coole« Fassade bröckelt.

Abbildungen zu »Maigret und die kleine Landkneipe« (insgesamt: 6)
Maigret und die kleine Landkneipe - detebe 23811 (MA 11) - 2008 Maigret und die kleine Landkneipe - Diogenes – 2/2006 Maigret und die Groschenschenke - Kiepenheuer & Witsch – 1955

Und plötzlich kommt es bösartig zwischen den Zähnen durch:
»Wenn wenigstens die anderen, die es verdienten, auch dabei wären!«
Dabei beobachtete er Maigret, blieb stehen und fuhr brummend fort, als er dann wieder weiterging:
»Es fällt mir natürlich nicht ein, am letzten Tag noch einen zu verpfeifen. Aber ...«
Der Kommissar blickte ihn an. Er fühlte das Geständnis kommen und kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass schon das kleinste Zeichen von Neugier oder unverhohlenen Interesse genügen würde, den unberechenbaren Lenoir am Sprechen zu hindern.
»Sie kennen natürlich nicht die Pinte, aber wenn Sie sich je dorthin verirren sollten, dann denken Sie daran, dass einer von den Stammgästen morgen mit mir aufs Gerüst steigen sollte.«

Er erzählt Maigret, was er und ein Kumpel – der irgendwo schwindsüchtig in Frankreich rumlungert – im Alter von 16 Jahren beobachtet haben. Aus einem Haus trug ein Mann eine Leiche, fuhr diese im Auto zu einem Kanal und schmiss sie dort hinein. Anschließend kehrte er seelenruhig nach Hause zurück. Der Mann mit der geworfenen Leiche hatte im Anschluss kein ruhiges Leben mehr, da ihn der künftige Bandenführer und sein schwindsüchtiger Kumpan um einiges an Geld erleichterten. Zu deren Unglück – vielleicht hätten sie ihren Lebensunterhalt auf diese Weise weiterverdienen können und Lenoir hätte die Chance gehabt, etwas älter zu werden – verschwand der gute Mann aber eines Tages.

Bis ihn Lenoir vor seiner Verhaftung in eben dieser oben erwähnten Pinte wieder traf. Er sagt Maigret nicht, wie der Mann heißt, wie er aussieht. Er schweigt sich auch darüber aus, wer das Opfer ist und wohin die Leiche geschafft wurde, um sich – als sein Verteidiger die Nachricht offiziell überbringen will – mit den Worten zu verabschieden:

»Ich sage Ihnen nicht auf Wiedersehen, Kommissar… Und nichts für ungut. Übrigens, bemühen Sie sich nicht. Der Mann, von dem ich sprach, ist nämlich ebenso schlau wie Sie…«

 

Maigret wird an dem Tag, an dem er zu seiner Schwägerin in den Elsaß fahren wollte, in einem Geschäft auf einen Mann aufmerksam, der sich einen merkwürdig aussehenden Zylinder kauft, mit der Bemerkung, er wolle zu einer Hochzeit in einer Landkneipe mit diesem. Landkneipe?! Maigret folgt ihm und gerät durch diese Folge in eine völlig neue Gesellschaft, die sich am Wochenende auf dem Lande trifft und verschiedene Freizeitaktivitäten unternimmt. Mittelpunkt der Gesellschaft ist James, ein ruhiger junger Mann. Er ist ein ruhiger Mittelpunkt, der vor allem durch seinen Alkoholkonsum auffällt und die Fähigkeit, Alkohol ab einer bestimmten Menge zu »absorbieren«. Er kann soviel Alkohol trinken, wie er will, betrunkener wird er ab einem bestimmten Stadium nicht mehr. (Das sei einmal unkommentiert.)

Fester Bestandteil der Runde ist auch die Familien Basso, die in Paris einen Kohlenhandel betreibt und sehr wohlhabend ist, wie auch die Familie Feinstein, von der Mann, was den Reichtum angeht, er das Gegenteil sagen kann. Monsieur Basso trifft sich, wie Maigret beobachten konnte, mit Madame Feinstein in Hotels. Monsieur Feinstein ist hoch verschuldet.

Vor einigen Jahren wurde ein stadtbekannter Wucherer als vermisst gemeldet, bei dem sowohl Feinstein (mehr) und Basso (weniger) Geld geliehen haben. Eine Leiche, die zu der Beschreibung passt, wurde damals auch gefunden, der Zusammenhang konnte aber aufgrund fehlender Identifizierungsmöglichkeiten nicht hergestellt werden.

An diesem wundervollen, amüsanten Wochenende, dass Maigret mit der Gesellschaft verbringt, platzt ein Ereignis, dass einen der Männer zur Flucht zwingt und dem anderen Ruhe gibt. Und dann entdeckt Maigret nicht nur die Pinte in der Nähe der Landkneipe, sondern auch Lenoirs schwindsüchtigen Kumpel.

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fakten Fakten

Originaltitel:

La guinguette à deux sous

Entstehungsjahr:

1931 (Oktober)

Erscheinungsjahr:

1932

Entstehungsort:

Ouistreham

Verlag:

Fayard

cinema und tv Cinema & TV

The Wedding Guest
[Maigret und die Groschenschenke]
1962 - Großbritannien
ein Film von Terence Williams
produziert von Andrew Osborn
mit Rupert Davies [Maigret]

La Guinguette à deux sous
1975 - Frankreich
ein Film von René Lucot
mit Jean Richard [Maigret]

Fuer die Ohren Für die Ohren

Maigret und die Groschenschenke
1959 - SWF
von Gert Westphal

Maigret und die Groschenschenke
1961 - BR
von Heinz-Günther Stamm

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Ein strahlender Spätnachmittag. Träges Sonnenlicht auf den stillen Straßen auf dem linken Seineufer. Und in allen Gesichtern die gleiche Lebensfreude, die man auch in den vertrauten Geräuschen der Straße zu hören glaubt.
Es gibt solche Tage, an denen das Dasein weniger grau ist und die Menschen auf den Straßen, in den Straßenbahnen oder Autos irgendeine Rolle in einem verzauberten Märchen zu spielen scheinen.
Es war der 27. Juni.

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7 Ausgaben - erste Ausgabe: 1955 - letzte Ausgabe: 2008

Maigret und die Groschenschenke / Kiepenheuer & Witsch

1955

Maigret und die Groschenschenke
Kiepenheuer & Witsch
Übersetzung: Bernhard Jolles

Maigret und die Groschenschenke / Kiepenheuer & Witsch

1955

Maigret und die Groschenschenke
Kiepenheuer & Witsch (K9)
Übersetzung: Bernhard Jolles

Kein Cover vorhanden

1959

Maigret und die Groschenschenke
in »Kommissar Maigret auf neuen Spuren«
Europäischer Buchklub
Übersetzung: Bernhard Jolles

Kein Cover vorhanden

1967

Maigret und die Groschenschenke
Heyne (K9)
Übersetzung: Bernhard Jolles

Maigret und die kleine Landkneipe / Diogenes

1986

Maigret und die kleine Landkneipe
Diogenes (detebe 21428)
Übersetzung: Bernhard Jolles/Heide Bideau

Kein Cover vorhanden

2006

Maigret und die kleine Landkneipe
Diogenes (detebe 21428)
Übersetzung: Bernhard Jolles/Heide Bideau

Maigret und die kleine Landkneipe / Diogenes

2008

Maigret und die kleine Landkneipe
Diogenes (detebe 23811 (MA 11))
Übersetzung: Bernhard Jolles/Heide Bideau