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Die Dame in Hellblau

Der kleine Doktor hat Geschmack gefunden und muss nicht lange suchen, bis er seinen nächsten Fall gefunden hat. Interessanterweise einen Fall, der die Polizei gar nicht so berührt. Was passiert? Jean Dollent ist in den Urlaub gefahren, nicht weit weg, ans gar nicht weit entfernte Meer.

Der Sommer war strahlend schön und heiß. Dieser Sonntag war noch strahlender als ein Wochentag, auch wenn es ganz in der Ferne nach einem Gewitter aussah, und der kleine Doktor war in seinem knatternden kleinen Auto nach Royan geschaukelt.
Aber er war kaum eine Viertelstunde dort, da war er schon verliebt!
Man muss freilich hinzufügen, dass ihm das mindestens einmal im Monat passierte, oft sogar mehrmals und dass meistens der Gegenstand der Leidenschaft nichts davon wusste.

So auch diesmal. Während er im Kasino am Tisch steht und sein Geld verpulvert, sind seine Gedanken und Blicke bei einem jungen Mädchen, viel zu jung, wie er zugeben muss. Sie ist es, die sein Herz erobert hat. Das Mädchen hat keine Blick für den kleinen Doktor, was nicht nur an seiner Statur liegen mag, sondern auch daran, dass das Mädchen eine lockere Siegesserie hinlegt. Vor ihr liegt ein großer Haufen Jetons, der von ihrem Glück berichtet. Einen glücklichen Eindruck macht das junge Mädchen aber nicht, was den kleinen Doktor schon wundert. Die Stimmung lässt sich nicht ändern – weder von den verliebten Blicken des Doktors noch von den giftigen Blicken einer älteren Frau, die das Spielglück der jungen Frau für Teufelszeug zu halten scheint.

Irgendwann erhebt sich das junge Mädchen und verändert seine Position am Tisch, die Aufmerksamkeit wird durch einen Gewitter und die damit verbundenen Donnerschläge abgelenkt, das Mädchen bewegt sich weiter, bis es hinter einer Dame zu stehen kommt. Nun hat der Tisch wieder die volle Aufmerksamkeit der Spieler, in dem Augenblick greift das Mädchen zu den Geldscheinen einer Frau, die diese vor sich liegen hat. Reichlich ungeschickt mag man meinen, in dem Augenblick zuzugreifen, wo es garantiert entdeckt werden würde. Es kommt natürlich zu einem Skandal und die Aufruhr am Tisch ist nicht zu unterschätzen. Der kleine Doktor wird aber von irgendetwas gestochen und wirft sich für seinen Schwarm in die Bresche, tischt den Anwesenden eine absurde Geschichte auf, die aber geglaubt wird.

Während der kleine Doktor noch zum Direktor des Kasinos muss, verschwindet das Mädchen und der Jean Dollent verbringt eine ganze Weile damit, sie wiederzufinden. Als er sie auf einer Bank sitzen sieht, fällt ihm ein Stein vom Herzen und er setzt sich zu ihr. Ihr Dank hält sich in Grenzen – sie reagiert auf ihn nicht, es kommt kein Gespräch in Gange. Aber der Doktor gibt nicht auf.

Während des Abendessens platziert er sich in der Nähe des Mädchens, welches von einer Gouvernante, die ein scharfes Auge auf ihren Zögling wirft, bewacht wird. Zu seinem Leidwesen entdeckt der Arzt, dass die junge Dame aber einen ganz anderen Mann im Blickfeld hat.

Eben dieser junge Mann stürzt in der Nacht aus dem Fenster. Barfuß. Das und eine Drohung, die den Doktor erreicht, lassen ihn Witterung aufnehmen.

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fakten Fakten

Originaltitel:

La demoiselle en bleu pâle

Entstehungsjahr:

1938 (Frühling)

Erscheinungsjahr:

1943

Entstehungsort:

La Rochelle

Verlag:

Gallimard

cinema und tv Cinema & TV

Das Mädchen in Himmelblau
1974 - Deutschland
ein Film von Thomas Engel
produziert von Hartmut Grund
mit Messica Dorn [Angelina],
Peer Schmidt [Dr. Dollent]

La demoiselle en bleu pâle
1986 - Frankreich
ein Film von Marc Simenon

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3 Ausgaben - erste Ausgabe: 1971 - letzte Ausgabe: 1993

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1971

Die Dame in Hellblau
in »Der kleine Doktor«
Diogenes (Diogenes Erzählerbibliothek)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1977

Die Dame in Hellblau
in »Der kleine Doktor«
Kiepenheuer & Witsch
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1993

Die Dame in Hellblau
in »Der kleine Doktor«
Diogenes (detebe 21025)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau