Boy

Nachnominierung


Listen, die nicht auf Fakten beruhen, sind immer problematisch. »Hit-Listen«, wie ich sie auf dieser Seite auch pflege, gehören da natürlich unbedingt zu. Es ist interessant zu sehen, dass aber gerade diese Seiten zu denen gehören, die am häufigsten aufgerufen werden. Umso bitterer ist es, wenn ich hin und wieder feststelle, dass ein Roman von Simenon unverdienterweise nicht erwähnt wird.

​Diesem Dilemma will ich nun aus dem Weg gehen und pflege hier eine kleine Liste von Titeln, die ich für ebenso beachtenswert halte oder gar liebe. Bei denen ich mich frage, warum ich sie nicht mit auf die Liste genommen habe.

Die Glocken von Bicêtre

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​Top-Kandidat Nummer 1 für eine solche Liste muss »Die Glocken von Bicêtre« sein. Ich hatte beim ersten Lesen dieses Romans schon drei oder vier Non-Maigrets gelesen. Dass man bei Simenon nicht unbedingt mit einem Happy End rechnen sollte, war mir bewusst. Dass man am Anfang schon mit der Katastrophe konfrontiert wird, war mir indes neu (jenseits der Krimi-Welt, bei der es in der Regel mit einer Katastrophe losgeht…)

Es gibt den etwas derben Ausdruck »Passt wie Arsch auf Eimer«, von dem ich mir gut vorstellen könnte, dass er gern im militärischen Umfeld benutzt wird. Bei mir war es ein wenig anders: Ich war gerade im Zivildienst und hatte mit Menschen zu tun, denen das Gleiche widerfahren war, wie es René Maugras passiert war - Schlaganfall. Es war sehr hilfreich, zu lesen, wie es sein könnte, wenn man dort liegt, und nicht mehr kommunizieren kann und zu kämpfen hat, wieder in das Leben zurückzukehren. Zweifellos ist dies einer der stärkten Non-Maigret-Arbeiten, die Simenon geschrieben hat.

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Die Marie vom Hafen

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Eigentlich ganz amüsant, dass für mich Jean Gabin nicht nur Maigret ist; ich stelle mir ihn in ganz vielen anderen Geschichten auch vor. Ganz oft passt sein Typ und sein Wesen zu den Figuren, die Simenon geschaffen hat. Zum Beispiel bei den Glocken von Bicêtre – ganz typischer Simenon. In der Rolle des Henri Chatelard, die Gabin wirklich spielte, stelle ich ihn mir indes nicht vor. Dafür ist er mir zu alt. Jetzt bin ich ein wenig gehandicapt, da ich Szenenbilder vor den Augen habe (ohne den Film gesehen habe) und das in die Story des gelesenen Buches hineintransportiere. Aber das ist mein Problem.

Den die Geschichte an sich ist absolut wundervoll und gehört auch zum meinen Favoriten der Non-Maigrets. Auf der einen Seite der anpackende Chatelard, auf der anderen Seite die nicht zu durchschauende Marie und dazwischen die Maries Schwester Odile und Marcel, der gern der Freund von Marie wäre. Es ist die Geschichte einer Eroberung und man fragt sich am Ende des Buches, wer denn jetzt hier wen erobert hat. Das alles gepackt in die trübe, dunkle Zeit des Frühherbstes in einem normannischen Fischerdorf. Simenon wünschte sich, an diesem Buch gemessen zu werden – mir soll das recht sein!

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