Umsonst-Hörspiel und Fake-Cover


Es begann mit einem kleinen Twitter-Eintrag, erzeugte ordentlich Grübelei und endete darin, dass ich ein Buch-Cover verfälschte. Aber fangen wir am Anfang an und arbeiten uns zum Ende vor. Auf den Seiten des SRF kann man sich das Hörspiel »Der Minister« (1958) anhören und laden. Auf der Seite habe ich nicht ersehen können, ob es ein finales Datum gibt, deshalb sollte man es nicht auf die lange Bank schieben.

​Die erste Überraschung war, dass es sich um eine Arbeit des Regisseurs Albert Rösler handelte und den hatte ich bei dem Hörspiel gar nicht notiert. Schnell fand ich heraus, dass es sich um eine komplett andere Bearbeitung handelt, bei der nicht nur die Regie sondern auch die Sprecher andere waren. Das ist nicht so ungewöhnlich, wie es klingt: Auch andere Rundfunkhäuser haben es damals nicht geschafft, sich untereinander zu verständigen, wer was macht. Zusammenarbeit war wohl nicht so das Thema und Geld spielte anscheinend auch keine Rolle. Vermutlich hat es den Rechteinhaber aber sehr gefreut, Lizenzen mehrfach vergeben zu können.

Das Hörspiel »Der Minister« lässt sich hier anhören und herunterladen, wenn man gerade keine Zeit hat.

Volk und Welt

​Mein Lieblingsverlag in der DDR war der Verlag »Volk und Welt«. Über diesen kam man gut an Krimi-Stoff aus dem Rest der Welt. So bin ich auch an meinen ersten Maigret gekommen, den ich aber – frag mich mal jemand warum – verschenkt habe. Ich meine, als die Beschenkte feststellte, dass sie sich wenig für Krimis interessiert; ihr Bruderherz aber um so mehr, wurde es zurückgeschenkt. Das brauchte aber seine Zeit.

Als ich bei der allfälligen Überprüfung von »Maigret und sein Minister« nun auf die Ausgaben-Übersicht schaute, fiel mir auf, dass ich zwar einen Volk und Welt-Titel erwähnt hatte, aber das Cover fehlte. Ich prüfte den Bücherschrank und stellte fest, dass ich die 4. Auflage des Titels besaß – eine Taschenbuch-Auflage und fragte mich, wann denn die anderen Ausgaben erschienen sind.

Alle Ausgaben waren Lizenzausgaben von Diogenes, das heißt die Übersetzungen sind identisch mit den Übersetzungen, die Anfang der 80er Jahre für die Schweizer erstellt worden sind.

So wie es aussieht, gab es zwei Ausgaben als Hardcover (1982 und 1983). Die zweite Auflage erschien in der Reihe Ex libris. Zwei Taschenbuchausgaben erschienen1982 und 1989.

In der Bibliographie, die ich hier pflege, werden die Auflagen nicht separat erwähnt: Es sei denn, es ändert sich etwas an der Aufmachung oder an der Verlagsnummerierung. Die Hardcover änderten sich nicht, aber die Taschenbuchausgaben kamen mit unterschiedlichen Titelbildern heraus. Für mich sind unterschiedliche Aufmacher auch unterschiedliche Ausgaben.

Ex libris

​Die Hardcover-Ausgabe von 1983, die ich jetzt vorliegen habe, ist von sehr guter Qualität. Von den beiden Taschenbuch-Ausgaben kann ich das nicht behaupten. Es liegt auch immer an der Pflege und Aufbewahrung der Bücher, keine Frage – aber die Bücher aus der Ex libris-Reihe wurden auf der ganzen Linie sehr wertig produziert. Die Reihe widmete sich mit jeweils einem Band dem Schaffen eines Schriftstellers.

Ein Cover der ersten Auflage habe ich bisher nicht gesehen, bei einem Portal für antiquarische Bücher wird eine 1. Auflage auch in der Ex -libris-Reihe erwähnt. Aber dagegen sprechen zwei Indizien: Zum einen hat die Ex Libiris-Ausgabe 486 Seiten, während bei der Nationalbibliothek 446 Seiten erwähnt werden – wenn es nur eine neue Auflage gewesen wäre, hätte man keinen neuen Satz erstellt, sondern den bestehenden verwendet. Es wird auch eine andere Größe angewendet, wobei man ohne den Satzspiegel und die andere Parameter zu kennen, das keine Aussagekraft hat.

Das zweite Indiz ist die Aussage in der Wikipedia, dass nur die genannten Auflagen eines Titels in der Reihe erschienen wären. Eine Durchsicht der Liste ergab, dass immer nur eine Auflage erschienen war – auch bei dem Simenon-Titel.

Zwischenzeitlich kam ich sogar auf die Idee, dass die Bände einfach in unterschiedlichen Farben erschienen sind – das ist aber der Aufnahmequalität der Cover geschuldet gewesen.

Um zu klären, mit welchem Schutzumschlag dieser Titel erschienen ist, werde ich wohl in die Nationalbibliothek nach Frankfurt fahren müssen und einen Blick auf das Buch werfen. Wenn ich nach Leipzig in die Nationalbibliothek fahren würde, könnte ich mir eine Illustrationsvorlage anschauen, die von Annelise Ernst für den Maigret-Titel geschaffen wurde. Datiert ist diese auf das Jahr 1983. Das wäre wirklich sehr interessant, da der Name in keinem der Titel erwähnt wird, die mir vorliegen – und das wären alle, bis auf – Überraschung – die erste Auflage.

Ich werde zeitnah ein Spendenkonto einrichten.

Fake

​Es gibt Gestaltung, die auf Ordnung und beruht und es gibt Gestaltung, die tut das nicht. Ich kann mit beidem sehr gut leben, was ich nicht so gut vertrage, ist Gestaltung, die auf Ordnung abzielt, aber durch widrige Umstände nicht erreicht wird.

Ein Beispiel für den letzten Fall ist das Ergebnis des Schutzumschlages dieses Maigret-Sammelbandes. Eigentlich ist alles auf die Mitte gestaltet worden. Aber man hat auf der linken Seite mehr Rand als auf der rechten. Schlimmer noch, es sieht so gar so aus, als wäre der Buchstabe »N« von Simenon angeschnitten worden. Wer macht denn sowas? Es ist zumindest kein Gestaltungsmerkmal der Reihe, sondern wahlweise eine schlechte Arbeit des Buchbinders oder des Gestalters.

Da ich mir das nicht anschauen konnte und das auch so auf der Seite nicht dargestellt haben wollte, musste ich zum Photoshop greifen und hier korrigierend eingreifen. Ordnung muss sein, sonst protestiert der kleine Preuße in mir.

​Übrigens: Mir scheint – wenn der Antiquar bestätigt hat, dass es sich um ein gutes Exemplar handelt –, dass man mit den Ex libris-Ausgaben wirklich noch ein Schnäppchen erwischen kann.