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Sensation: Neue Maigrets!
Unlängst hatte ich noch geschrieben, dass Simenon-Leser:innen sich nur eines wünschen: mehr, mehr, mehr! Hoffnung darauf, gerade in Bezug auf die Maigrets, Bestand seit der Weigerung weiter zu schreiben und dem plötzlichen Tod vor nun schon 36 Jahren nicht mehr. Aber offenbar hat Simenon nicht jeden Maigret veröffentlicht, den er geschrieben hat. Glaubt man einer befragten KI …
Die Eingangsfrage war gewesen:
In welcher Reihenfolge sollte man die Maigret-Romane lesen?
Ist ein zwanghaftes Verhalten von mir, um zu schauen, wie weit ich das Internet mit meinen Vorstellungen durchdrungen habe (btw ganz und gar nicht ausreichend – komme mir vor wie Brain, umgeben von lauter Pinkys).
Mir wurde eine Liste präsentiert, die nur in der ersten Zeile nach einer vertrauten Bibliografie klingt und dann ganz schnell aus dem Ruder läuft:
Das liest sich am besten, weil Charakterentwicklung und wiederkehrende Figuren so am natürlichsten verfolgen lassen:
Pietr-le-Letton (Pietr le Letton, 1931)
Nachtzug nach Lissabon (La Nuit du carrefour / Le Chien jaune — 1931)
Der Hund (Le Chien jaune, 1932)
Die brennende Frau (La Maison du juge, 1933)
Maigret und der Tänzer (Le Chinois, 1936)
Maigret und der Fall Picpus (Le Pendu de Saint-Pholien / La Nuit du Port, 1934)
Maigret und sein Verräter (Maigret et l’Affaire Saint-Fiacre, 1932)
Maigret und die grosse Puppe (Maigret et la Grande Perche, 1936)
Maigret und der Mann vom Boulevard (La Nuit du Carrefour, 1932)
Maigret und sein toter Freund (Les Vacances de Maigret, 1947)
Maigret bei den Flamen (Maigret chez les Flamands, 1932)
Maigret und der Stumme (Maigret et le Clochard, 1933)
Maigret und die Herren von der Polizei (Maigret et les policiers, 1949)
Maigret und die Geliebte (Maigret et la Vieille Dame, 1942)
Maigret und der Geigenspieler (Maigret et le violon d'Ingres, 1939)
Maigret und die See (Maigret et l’Amnésique, 1952)
Maigret und die Tänzerin (Maigret et la Danseuse, 1950)
Maigret und der Pappkamerad (Maigret et le Corps sans tête, 1955)
Maigret und der Dieb (Maigret et l’homme du banc, 1954)
Maigret und das Spukhaus (Maigret et le fantôme, 1963)
Maigret und die gelbe Frau (Maigret et la Femme du commissaire, 1967)
Maigret verliert sein Herz (Maigret et la Jeune Morte, 1954)
Maigret und die kleine Frau (Maigret et la Petite Peste, 1968)
Maigret und der Herrscher (Maigret et Monsieur Charles, 1972)
Maigret und der verschwundene General (Maigret et l'Amnésie, 1968)
Maigret und die alte Dame (Maigret et la vieille dame, 1973)
Maigret und der Mann auf der Etagere (Maigret et Monsieur Charles, 1975)
Maigret und das Ende des Hauses (La Dernière Affaire, 1972)
Da mir hier noch die Tränen vor Lachen laufen, habe ich die Liste nicht komplett kontrolliert. Ich meine, zwei Titel zu sehen, bei denen sowohl Titel, Originaltitel und das Jahr richtig waren (oder zumindest die Zeit plausibel war). Bei einem weiteren stimmte zwar Titel und Originaltitel – aber das Jahr war nicht korrekt. Der Rest ist wirr.
Aber es gibt einige Perlen in der Liste, die ich doch würdigen möchte:
Maigret und die kleine Frau: Mir gefällt vor allem der Originaltitel, der, man ahnt es schon, sich mit »Maigret und die kleine Pest« übersetzen lässt. Hat das LLM vielleicht die Etoile du Nord-Geschichte gelesen und eine Wertung der jungen Frau vorgenommen? Das wäre aber sehr ungehörig.
Maigret und die gelbe Frau: Der Originaltitel verspricht ja eine Geschichte um die Frau eines Kommissars. Aber es wird ja nicht Madame Maigret sein, denn die hat Simenon in seinen Titeln immer genannt. Da liegt es nahe, dass es die Frau eines Kollegen ist und die vielleicht – wir wissen ja, dass Simenon hin und wieder rassistische Klischees bediente – eine Beziehung zu einem südostasiatischen Land hat oder – sehr viel harmloser, aber nicht erfreulicher – unter Gelbsucht litt.
Maigret und der Geigenspieler: Das klingt ganz harmlos nach einem Roman über einen Musiker. Aber das wird es nicht sein. Vermutlich ist das der verschollene Roman, in dem Maigret Jagd auf einen Profikiller macht. Gauner gibt es genug in den Geschichten um den Kommissar, aber ein Mann, der auf Prämienbasis tötete, ist uns im Standard-Maigret-Werk nicht untergekommen.
Andere Titel lassen einfach zu zweifeln, ob man die gleichen Bücher gelesen hat. Gab es in La Maison du juge wirklich eine brennende Frau?
Nach den Tränen kam der Zweifel.


Dieses umfassende Werk vereint detaillierte Informationen über Simenons Werk, und ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk für Sammler und Fans. Der erste Band der Simenon-Bibliografie – über die Maigret-Ausgaben – erschien am 31. Mai 2024.