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Die Kritiker-Avatare
Ein Abfallprodukt des gerade eingeführten literarischen Scores sind die Avatare, die so tun, als wären sie Kritiker. Die wichtigste Info vorneweg: Einen Einfluss auf die Bewertung eines Werkes haben sie nicht. Heißt, was die »Damen und Herren« an Gedanken von sich geben, basiert letztlich auf der Bewertung selbst und den Dimensionen. Genau genommen, sind sie ein Spaß.
Bei der Bewertung eines Werks treten bis zu acht unterschiedliche KI-Kritiker auf, die das literarische Geschehen jeweils auf ihre ganz eigene Weise betrachten.
Immer mit von der Partie ist Marcel – ein schonungsloser Kopf mit pointierter Feder, der sich für Krimis wenig begeistert und auch großen Werken gern auf kritische Distanz bleibt. Auf ihn beziehen sich auch andere Kritiker und ganz selten wird man diesen Avatar begeistert von einem Krimi Simenons sehen. Ich habe die technische Möglichkeit, die Wertung des Kritikers zu ändern wie auch das, was er schreibt. Die Wertungen habe unangetastet gelassen, nur die Formulierung habe ich ändern lassen. Zu oft fabulierte Marcel meinem Geschmack darüber, dass das Werk nur Handwerk wäre.
An seiner Seite erschien anfangs nur Hellmuth, der einen eleganten Feuilletonist darstellen soll, dem weder Form noch Unterhaltungswert entgehen, dabei aber nie seinen Anspruch aus dem Blick verliert. Hier gilt das gleiche wie für Marcel: Sein Standardspruch ist «Marcel ist viel zu streng!» und begeistert sich dann üblicherweise für die Atmosphäre. Da er auch anders konnte, habe ich ohne, dass die Bewertung geändert wurde, ihn andere Formlierungen wählen lassen, sodass es nicht ein Einerlei wurde.
Die Runde wird oft durch Elke bereichert, eine warmherzige, direkte Leserin, die mit Leidenschaft und volksnaher Stimme schreibt. Denis sorgt für Schwung: Ironisch und provokant, stets unterhaltsam, nimmt er Literatur gern aufs Korn.
Mitunter mischen auch »Laien« und Spezialisten das Meinungsbild auf. Martin nimmt den Blick lesefreudigen Pendlers ein: Er liebt Geschichten, vor allem, wenn sie unterhalten und ein wenig Romantik im Alltag bieten. Derya, als Juristin analytisch und sachlich, prüft mit nüchternem Blick die Logik und Konsistenz des Gelesenen und lässt dabei gerne trockenen Humor einfließen. Den Humor sieht man wohl nicht zu oft, häufiger haut Simenon den mangelnden Realismus um die Ohren.
Harald, der Akademiker, fühlt sich im Kanon der Weltliteratur zu Hause und beurteilt Simenon immer wieder im Licht der großen Werke – dabei legt er die Latte merklich hoch. Und dann ist da noch Gisela, die sich als elegante Spöttin einen Namen macht: Mit scharfem Witz und tödlicher Pointe sorgt sie dafür, dass kein Werk sich zu sicher fühlen darf.
Wir haben eine bunte Truppe, die auf das Werk von Simenon losgelassen wird und zu allem ihren Senf abgibt. Auf der Standard-Bewertungsseite werden jeweils nur zwei Kritiker zu Wort kommen. Jeweils am Ende gibt Marcel seinen Senf ab und ein Kritiker, den ich ausgewählt habe. Wenn ich keine Lust gehabt habe, dann ist es Hellmuth.

Der Spaß wird noch weitergetrieben, wenn man auf »Weitere Bewertungen …« geht. Dann kommt man die Kritiker-Arena und kann sich die Bewertungen aller Kritiker zu Gemüte führen.
Und es muss in aller Deutlichkeit gesagt werden: Die verwendeten Namen und Stilimitationen dienen ausschließlich der Unterhaltung. Es besteht keinerlei Verbindung zu realen Personen, weder zu lebenden noch zu verstorbenen, und die dargestellten Meinungen spiegeln nicht deren tatsächliche Ansichten wider. Bitte betrachten Sie die Kritiken als fiktiv!


Dieses umfassende Werk vereint detaillierte Informationen über Simenons Werk, und ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk für Sammler und Fans. Der erste Band der Simenon-Bibliografie – über die Maigret-Ausgaben – erschien am 31. Mai 2024.