Galapagos

Der Galapagos-Krimi


Bei der ganzen Geschichte gibt es keinen Moment, wo man denkt: »Da sind Menschen glücklich.« Voller Idealismus kam ein Paar auf der abgelegenen Insel an und schnell stellt sich heraus, dass die Einsamkeit auch Nachteile hat. Dann kommen zwei weitere Trios dazu, und das macht die Sache nicht besser. Denn nun begann der Kampf um die kargen Ressourcen. Jürgen Stumpfhaus Film bringt Simenon ins Spiel.

Es handelt sich hierbei um eine Dokumentation, die in der Reihe Terra X erschienen ist. Es lohnt nicht den Termin zu nennen, da er so flüchtig ist, wie so vieles was im linearen Fernsehen läuft. Aber bis Juni 2030 ist der Film in der Mediathek des ZDF abrufbar. Dort kann man ihn sich auch herunterladen, um ihn zu konservieren.

Lohnt sich das? Die ersten fünf Minuten weckten Zweifel, denn der Dampfer, der vor die Insel fuhr, kam mir so künstlich vor, dass ich wegschalten wollte. Man ist durch die Special Effects in Filmen heute so tolle Sachen gewöhnt, dass man sich wie ein verwöhntes Gör vorkommt, wenn einem klar wird, dass man es mit einer Dokumentation für den Sonntag-Abend zu tun hat und nicht mit einem Blockbuster.

Aber es gab da auch noch das Mittel der szenischen Nachstellung: Großzügig war ich in der Lage darüber hinwegzusehen, dass die Darsteller der Inselbewohner und -besucher keine Ähnlichkeit mit den Originalen hatte. Aber beim Auftritt von Simenon stellte sich mir die Frage, ob ich nicht gerade im »Club der toten Dichter« gelandet wäre: Der Darsteller sah aus wie Robin Williams und dieser Simenon hatte zwar eine Pfeife im Mund, aber sah auch so aus, als würde er jederzeit auf den Tisch springen, um Kinder für Dichtkunst zu begeistern. Komisch, wie man als Zuschauer manchmal tickt.

Nur ein Sidekick

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​Die Problematik wuchs sich nicht weiter aus, da Simenon wirklich nur ein Sidekick in diesem Film ist. Er hat eine Reportage über die Affäre geschrieben, die einige Beachtung fand und einmal auch in deutscher Sprache erschienen ist (zumindest bisher). Da der Stoff aus der Realität zu gut war – so viele Verwicklungen, so viele Rätsel – kam er nicht umhin, diese Geschichte auch als Roman zu verarbeiten. In der Dokumentation tritt er als Interviewer von Dora Strauch auf, die als Begleiterin von Friedrich Ritter auf der Insel über die Ereignisse auf der Insel Auskunft gibt. Sie ist der szenische Mittelpunkt, denn sie ist die Zeugin, die erzählt. Es ist weniger ein Interview und auch kein Verhör, denn sie gibt sehr bereitwillig Auskunft darüber, was passiert war.

Das zweite Paar, welches auf der Insel ankam, waren die Wittmers. Sie werden als Pragmatiker beschrieben und spätestens mit der Ankunft der Wittmers hatte ich was das Szenische angeht, meinen Frieden mit der Darstellung gemacht. Als Letzte kam noch Eloise Wagner mit zwei jungen Männern, die die Idee hatte, man könne auf der Insel ein Hotel für Millionäre errichten.

Was mit den Vorstellungen der anderen beiden, die zuerst da waren, nicht konform ging.

Filme

Aus dieser Melange ergibt sich der Krimi, den Jürgen Stumpfhaus in diesem Film dokumentiert. Der Drehbuchautor und Regisseur hat in den Archiven nicht nur alte Fotos ausgekramt, die uns ein Bild von den Umständen ermöglichen, und alte Zeitungsartikeln, in denen prominent von dem Leben im Paradies berichtet wird – oft sogar auf der Titelseite –, sondern wir sehen auch alte Film-Ausschnitte von dem Leben auf der Insel. Das ist der eigentliche Clou, denn Bewegung verleiht jeder Geschichte einen besonderen Akzent.

Diese Aufnahmen verdanken wir einem amerikanischen Millionär, der die Insel und seine Bewohner besuchte. George Allan Hancock kam aus einer Familie, die sich dem Wein in Kalifornien verschrieben hatte, investierte aber selber sein Geld lieber in Öl und wurde damit reich. Er interessierte sich sehr für Musik, spielte selbst Cello. Er brachte nicht nur ein wenig Leben in das triste Leben von Ritter und Strauch, sondern auch Kultur. Aber er hatte auch eine Kamera dabei und dokumentierte mit dieser das Leben auf der Insel.

Der Millionär hatte die beiden Bewohner ins Herz geschlossen und kam immer mal wieder vorbei, brachte dann auch Vorräte und Geschenke mit. So lernte er dann auch die anderen Bewohner kennen, und wahrscheinlich bestand nicht nur ein Kampf um die knappen Ressourcen auf der Insel, sondern auch um die Gunst des reichen Mannes.

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​Man hätte den Film nicht als Krimi bezeichnet, wenn da nicht etwas Dramatisches passieren würde. Man kann es sich fast nicht ausdenken, weshalb Simenon daraus nicht nur eine Reportage machte, sondern auch einen Roman. Jürgen Stumpfhaus präsentiert in dem Film den Ablauf der Affäre, aber es gibt keine Auflösung. Das hatte schon Simenon nicht geschafft. Wer sich den Film anschaut, wird danach noch weiterlesen wollen. Informationen zu der Reportage und dem Roman findet man auf dieser Seite, damit ahnt man dann auch schon, wie es ausgegangen sein wird.

Margret Wittmer schrieb die Geschichte aus ihrer Perspektive unter dem Titel »Postlagernd Floreana« nieder, welches immer noch zu haben ist. Dora Strauch schrieb ebenfalls ein Buch wieder, welches andere Akzente setzt und den Titel »Satan came to Eden« trägt. Das sollte nicht verwechselt werden mit »Satan kam nach Eden« von Georg Bremer (welches die Geschichte eher aus der Perspektive der Wittmers beschreibt). Will man die Geschichte aus dem Blickwinkel von Strauch erleben, so sollte man, nachdem was ich gelesen habe, eher zu dem Buch von Nicolas Montemolinos »Drama auf Floreana« greifen (welches aber wohl nicht das beste Lektorat erfahren hat).

Darüberhinaus gibt es auch eine zweistündige dokumentarische Aufbereitung des Themas unter dem Titel »The Galapagos Affair: Satan Came to Eden« aus dem Jahr 2013.