Michel Brice


Diesmal fing es mit einem Satz in Maigrets Memoiren an, der mich ganz schön durch die Internetwelt scheuchte. Maigret schrieb, über seine Zeit bei der Sittenpolizei und erwähnte dabei, dass man die Abteilung heute verschämt Brigade Mondaine nennen würde. Die Begrifflichkeit »mondän« – also weltgewandt und extravagant – in den Zusammenhang mit Drogen und Prostitution zu bringen, dazu gehört in der Tat schon was.

​Mich interessierte eigentlich nur, ob das ein gängiger Begriff wäre und die Ergebnisse reichten von Musik hin zu speziellen Dienstleistungen, die dann doch wieder von den Polizisten einer Brigade Mondaine bearbeitet werden würden, sollte es zu Vorfällen in dem Bereich kommen.

Unter den Ergebnissen war auch der Verweis auf einen Film, der unter diesem Namen erschienen ist. Im Original kommt er unter dem Namen »Brigade mondaine« daher und hört sich auch erst einmal unverdächtig an. Die Beschreibung des Filmes bringt die Handlung auf folgenden Punkt: Die Suche nach einem Drogen- und Prostitutionsring dient dazu Nacktheit und Sex in Szene zu setzen. Der deutsche Titel des Werkes lautet »Gefangen, gequält und zur Liebe gezwungen« und kommt auf die stattliche Bewertung von 4.3 bei IMDb. Immerhin muss er so erfolgreich gewesen sein, dass er es noch zwei Fortsetzungen brachte: »Brigade mondaine: La secte de Marrakech« (»Die Sekte«) und »Brigade mondaine: Vaudou aux Caraïbes« (»Die Superhexe der Liebesinsel«), wobei die Qualität noch ein wenig abnahm. Die miese Bewertung ist nicht darauf zurückzuführen, dass die Zuschauer den Film nicht verstanden hatten und er ihnen zu verkünstelt war – die Filmkritik mochte die Filme auch nicht. Andererseits lässt die Tatsache, dass es zwei Fortsetzungen gab, darauf schließen, dass er zumindest kommerziell erfolgreich war.

... ist nicht möglich!

Schaffe ich den Bogen noch einmal zu Simenon? Aber ja! Gibt man den Titel »Brigade Mondaine« in der deutschsprachigen Wikipedia ein, so springt einem ein Name ins Auge: Michel Blanc. »Ist das nicht…?«, dachte ich mir und ja, es ist der Schauspieler, der den Hauptdarsteller in »Die Verlobung des Monsieur Hire« von Patrice Leconte gab. IMDb mochte dieses Engagement nicht bestätigen, weshalb ich geneigt war, es schon zu verwerfen – allerdings brachte die französische Wikipedia den Beweis, dass das Internet nicht vergisst (nee, ich weiß, dass das ein Klischee ist): Er war als Patrick Ollivier beteiligt, hielt sich von den Fortsetzungen aber fern.

Kommen wir zu ...

... Michel Brice. Der Name wurde bei den Filmen unter Drehbuch als Ideengeber genannt. Gibt man den Namen bei der Wikipedia ein, gibt es keinen eigenen Eintrag. Andererseits gibt es hunderte Ergebnisse, wenn man bei Amazon oder Ebay sucht. Es ist schon verwunderlich, dass ein solch produktiver Autor nicht in der Wikipedia zu finden ist, wo doch nun alles zu finden ist. Auf einer französischen Seite gab es eine Antwort: Es handelt sich um ein Pseudonym für ein Autoren-Kollektiv – Philippe Muray, Didier Goux und Jean-Philippe Chatrier schrieben zusammen über 250 Bücher für diese Reihe, die bei Gérard de Villiers sind (und da dort nicht die Vergangenheitsform gewählt wurde, vielleicht auch noch erscheinen). Der im Jahr 2006 verstorbene Muray hat ein literarisches Leben neben dieser Reihe und hatte sich einen Namen als Satiriker und Kulturkritiker gemacht. Goux und Chatrier veröffentlichten auch Romane jenseits der Brigade beziehungsweise arbeiteten als Übersetzer.

Als Ergebnis, wenn man den Namen sucht, wird vielmehr auf »Brice Michel« verwiesen, der sich vor über 150 Jahren einen Namen als Architekt englischer Gärten einen Namen gemacht hatte. Aber vielleicht war auch das Absicht des Autorenkollektivs, wer weiß...

Wenn man will, hat man noch einen Bezug zu Simenon: Schließlich hat auch er mit der Produktion von sogenannten Schundromanen angefangen…