Nachdem Joseph Caspar Witsch am 25. März 1965 einen Brief an Simenon geschrieben hatte, reagierte Simenon drei Tage später. Heute sind die Laufzeiten der Post zumindest im ländlichen Bereich ein wenig länger, damals hat der Verleger in Köln nicht lang auf eine Antwort warten müssen. Ob ihm alles das, was sein Autor ihm schrieb gefallen hat, sei einmal dahingestellt.
Verleger sollten in touch mit ihren Content-Producern sein. Die Beziehung kann auf persönlicher Ebene gepflegt werde oder auch brieflich. Manche(r) muss sich mit dem Lektorat begnügen. Abhängig ist das von dem Ertrag und der Prominenz des Autoren. Das Renommee Simenons hat ihn zu einem Top-Autoren gemacht, da kümmerte sich der Chef. Gefühlt hatte er das nicht immer.
So eine Buchmesse ist eine gute Gelegenheit, Pressemitteilungen unter die Leute zu bringen. Auch, um zu zeigen: Hey, wir sind noch da! Vielleicht ergibt sich daraus das eine oder andere Gespräch an den Ständen und damit neues Business. Die Meldung, um die es hier geht, lenkt den Blick hinter die Kulissen und gibt einen kleinen Ausblick auf das Kommende.
Während unsereiner darauf wartet, dass Gérard Depardieu den Mord an der jungen Toten auf der großen Leinwand aufklärt und mit etwas Glück ist es im Herbst soweit, haben die Rechte-Verwalter Simenons Erbe neue Interessenten für Maigret als Serien-Stoff gefunden. Nun wissen wir, wer die Rechte hat, aber wer der Kommissar werden soll, noch nicht.
Zeit für eine kleine Presse-Nachlese nachdem uns gestern von der WELT verraten worden ist, wo die Reise der deutschsprachigen Rechte hingeht. Nachdem seit Januar bekannt ist, dass Diogenes die Rechte an Simenon verloren hat und dies nirgends thematisiert worden ist, überrascht mich das Echo, das die Neuvergabe jetzt erzeugt, schon ein wenig. Es ist dem Autoren und dem Verlag zu wünschen, dass dies mehr als ein Sommerloch-Thema ist.
Plötzlich gab es viel Bewegung: Angefangen hat es letzte Woche als Philipp Haibach bei mir nachfragte, ob ich denn wüsste, wie es um die deutschsprachigen Rechte Simenons steht. Ich sagte ihm, was ich jeden sage, der mich in der letzten Zeit gefragt hat: Ich weiß nur, dass Diogenes die Rechte verloren hat und nicht sagen kann, an wen die Rechte gegangen sind. Ich habe Diogenes aber so verstanden, dass jemand die Rechte hat, sich nur noch nicht zu erkennen geben will.
In der letzten Zeit gab es Hinweise, dass es um die Lieferbarkeit von Simenon-Romanen nicht zum Besten bestellt war. Da die Werk-Edition nun noch nicht so alt ist, war es ein wenig verwunderlich. Wie mir nun vom Diogenes-Verlag bestätigt wurde, liegen die Rechte am deutschsprachigen Simenon-Werk nicht mehr bei dem Zürcher Verlag und sind seit September 2016 nicht mehr lieferbar. Bei wem die Rechte nun liegen werden, kann nicht gesagt werden.