Simenons Roman-Vorabveröffentlichungen

In diesem kleinen Beitrag soll ein Blick auf die Vorabveröffentlichungspraxis von Simenon geworfen werden. In der Regel erfolgten diese in französischen Zeitungen und Zeitschriften. Der erste Blick geht darauf, in welcher Publikation Simenon besonders »gern« seine Werke veröffentlichte. Wobei »gern« in diesem Fall wohl auch mit »einträglich« übersetzt werden kann.

Ziemlich deutlich ist zu sehen, mit welcher Zeitung Simenon gut zusammengearbeitet hat. Bei der als konservativ geltenden »Le Figaro« hatte man offenbar ein ausgesprochenes Faible für den belgischen Schriftsteller. Mit Abstand die meisten Vorabveröffentlichungen erfolgten in der Zeitung. Gefolgt von den Pariser Zeitungen Paris-Soir beziehungsweise Paris-Soir-Dimanche.
Die nächste Grafik gibt darüber Aufschluss, wie viele Maigret-Romane in den einzelnen Zeitungen und Zeitschriften erschienen:

Interessanterweise gibt es auch hier ein eindeutiges Bild bei »Le Figaro« – die Redaktion interessierte sich hauptsächlich für die Maigret-Geschichten. Damit steht sie im Kontrast zur »La Revue des Paris« und »Les Nouvelles littéraires«, die sich eher für die Geschichten ohne den Kommissar zu interessieren schienen. Das macht das nächste Diagramm deutlicher:

Hier ist auch zu sehen, dass die Veröffentlichungen viel segmentierter erfolgten und in kleineren Zeitungen und Zeitschriften erfolgten. Die vorherigen Zahlen machen auch deutlich, dass sich nicht sagen lässt, dass mehr Maigrets als Vorabveröffentlichung erschienen als Non-Maigrets – zumindest nicht bei den Romanen, die hier betrachtet werden. Die nachfolgende Darstellung sollte das deutlich machen:

Wer erwartet hatte, dass die Maigret als populärere Literatur häufiger veröffentlicht wurden, der sieht sich getäuscht. Es waren etwas mehr als die Hälfte der Maigrets wurde vorab veröffentlicht. In absoluten Zahlen liegen die Non-Maigrets vorne – prozentual allerdings nicht. Weniger als die Hälfte wurden von Simenon als Zeitungs- oder Zeitschriften-Veröffentlichung verkauft.
Stellt sich abschließend noch die Frage, ob sich über die Dekaden Unterschiede in der Veröffentlichungsfrequenz feststellen lassen:

Die 1930er-Jahre waren das Vorabveröffentlichungs-Jahrzehnt. Über die Gründe kann an der Stelle nur spekuliert werden. Ein Grund könnte gewesen sein, dass Simenon auf diese Einnahmen angewiesen war und sich später diese Notwendigkeit nicht mehr ergab. Genauso könnte es auch daran gelegen haben, dass seine Preisvorstellung in den ersten Jahren niedriger lagen und so auch für kleinere Publikationen attraktiv waren. Zumal eine solche Vorabveröffentlichung auch einen Marketing-Effekt haben kann.


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