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Der dritte Streich: Das blaue Zimmer


Die Geschichte kommt mir vor wie ein vertrautes Zimmer. Nachdem ich in diesem Frühjahr den Film gesehen habe und deshalb auch das Buch wieder einmal las, ergab sich nun die Möglichkeit die Geschichte auf einem dritten Weg zu erleben: als Hörspiel. In der Produktion für den NDR führte Irene Schuck die Regie. Im Unterschied zu dem Film von Mathieu Amalric bleibt diese Bearbeitung sehr nah an der Vorlage.

So viele blaue Zimmer

»Ein wenig viel blaue Zimmer in einem Jahr«, mag man vielleicht denken und da ist was dran, denn als ich die Geschichte hörte, wurde ich an keiner Stelle überrascht. Wie erwähnt bewegte sich die Bearbeitung – ganz nach meinem Geschmack – sehr nah an der literarischen Vorlage und verzichtete auf jede Art von Modernisierung. Die aus heutiger Sicht etwas machohafte Weltsicht von Tony werden nur angedeutet, aber sein Verhalten spricht für sich. 

Wie schon in dem ersten Hörspiel dieser Reihe – »Die Phantome des Hutmachers« – werden wir von einem Erzähler durch die Geschichte geführt. Die Geschichte ist von Simenon nicht so konzipiert, als könne man in einem Hörspiel ohne einen solchen Auskommen, denn die Erklärungen sind für die Geschichten notwendig.

Musik wird als Unterstützung sparsam eingesetzt und da ein Großteil des Stückes in einer kammerartigen Umgebung stattfindet, spielen auch Soundeffekte nicht die große Rolle. Es wirkte trotzdem nicht vorgelesen, sondern gespielt.

Zweifel

In dem Film war es so, dass ich mir zwar nicht sicher war, ob Tony schuldig war. Die Indizien, die aufgetürmt worden, waren jedoch enorm. Aber es blieb ein Zweifel. Mit der literarischen Vorlage ging es mir ein wenig anders, ich konnte mir nicht sicher sein, ob Tony unschuldig war. Das Pendel schlug zur anderen Seite. Gewiss gab es diese und jene Bemerkung, unterschiedliche Situationen, die einen Verdacht schürten – aber mir wäre es nicht möglich gewesen mit Sicherheit den Mann zu verurteilen. 

Im Hörspiel – und vielleicht sind es die notwendigen Kürzungen gewesen, die dazu führten – hätte ich überhaupt keinen Anlass gesehen, den Mann schuldig zu sprechen.

Es spielt letztlich keine Rolle, werden doch die beiden wichtigsten Punkt der Geschichte herausgestellt: Für ihn mag es eine Liebelei gewesen sein, für Andree stellte die Beziehung eine erfreuliche Perspektive dar. Und deshalb war es auch gut möglich, dass sich die Geschichte so abgespielt hat, wie es die Geschworenen sahen und aufgrund dessen das Paar verurteilte. Zum anderen ist da die Überraschung des Mannes. Unter der Prämisse seine eigentlichen Unschuld nimmt man Tony ab, dass er das nicht so hat kommen sehen.

Interessant dürfte ein Vergleich mit der Hörspiel-Bearbeitung aus dem Jahr 1966 sein. Aber das ist ein ganz anderes Thema…

Link zum Hörspiel (verfügbar bis 8.12.2021)