Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Vielerorts wird Resümee gezogen. Das will ich mir ersparen, denn so produktiv es in Hinsicht auf die Webseite gewesen ist, persönlich war dieses Jahr nicht berühmt – weder am Anfang, schon gar nicht in der Mitte und zum Jahresende ist es leider nicht besser geworden. Stattdessen wird es ein kleiner Ausblick.
In dem Moment, in dem Bilder aus der eigenen Vorstellung mit der Realität zusammenkommen, ist oft Enttäuschung angesagt. Was hatte ich mir beim Lesen der Lütticher Romane Simenons unter der Kirche Saint-Pholien vorgestellt? Vermutlich ein unauffälliges, etwas spuckiges Bauwerk. Davor stehend werden viele Besucher wohl enttäuscht sein.
Die Simenons hatten sich auf den Weg nach Lakeville gemacht. Sie vertrauten darauf, dass sich etwas finden würde. Ein Makler war beauftragt, ein passendes Anwesen zu finden, während sie zur Miete wohnten. Noch waren die drei mit leichtem Gepäck unterwegs, aber Tigy als Ex-Frau war schon informiert worden, dass ihre neue Heimat die nordwestlichen Ecke von Connecticut wäre.
Wer durch Lüttich auf den Spuren von Simenon spaziert, wird Brücken nutzen müssen. Die Maas ist – salopp formuliert – immer im Weg. Eine Brücke, die Spuren auch im Werk des Schriftstellers hinterlassen hat, ist die »Pont des Arches«. Sie liegt auf dem Weg vom Marktplatz der Stadt, an der Simenon-Statue und dem Geburtshaus vorbei in Richtung Outremeuse.
Früher wusste in Frankreich wahrscheinlich jedes Kind, was mit Scaferlati gemeint war. Nicht unwahrscheinlich, dass man die Kleinen zum Krämer ums Eck schicken konnte, um noch mal ein Päckchen zu holen. Heute? Eher nicht. Und dass ein deutscher Nichtraucher einen Plan haben könnte, worum es sich handelt, ist noch ein Stückchen unwahrscheinlicher.
Nun besteht jedes Kapitel in diesem Buch aus Plaudereien von Simenon. Mir sind die am liebsten, in denen der Belgier mir Fakten vor die Füße wirft. Was war das für ein Auto? Wer soll Fahrradhändler gewesen sein? Was war das für ein Hotel, in dem der Schriftsteller nächtigte. Mit mir macht es das gleiche wie eine mit Baldrian eingesprühte Spielzeugmaus mit Katzen.
Vier Aspekte aus dem Leben von Jay Gould: Er schuf für seine Familie einen immensen Reichtum, wofür er allerdings eine Menge Menschen in Armut stürzte, kontrolliert zeitweise ein Fünftel des amerikanischen Eisenbahnnetzes und zeugte einen Sohn, der geschäftlich erfolgreich war, aber bei Weitem nicht so skrupellos. Gould Senior war nicht sehr beliebt.
Ein eigenes Kapitel für den Abend der Scheidung und den folgenden Hochzeitstag. Es war eine kleine Hochzeit, denn außer den beiden war niemand mehr dort. Selbstverständlich hatte Tigy keine Einladung bekommen zu bleiben und war nach Carmel zurückgereist. Denyse brannte darauf, Madame Georges Simenon zu werden. Und wie ging es ihm?
Am 1. Dezember 2022 erlag in Paris die französische Schauspielerin Mylène Demongeot im Alter von 87 Jahren ihrer Krebserkrankung. Der Tod der bekannten Künstlerin ist für Simenon-Liebhaber in zweifacher Hinsicht von Belang: Demongeot arbeitete in verschiedenen Simenon-Verfilmungen und war zudem Schwiegertochter von Georges Simenon.
Im sechsunddreißigsten Kapitel seiner Memoiren erzählt Simenon, wie die Scheidungsmodalitäten von Tigy finalisiert wurden. Auf den Ehevertrag, der mit Denyse abgeschlossen werden sollte, geht Simenon nicht weiter ein. Wieder einmal stand einer Haushaltsauflösung vor der Tür und Simenon hatte sich von einigem zu trennen. Sie sollte es weitergehen?
Maigret stieg aus dem Zug aus. Das Licht an der Côte d'Azur ist ein spezielles, die Augen müssen sich erst daran gewöhnen und dann war es da ... dieses Gefühl von Ferien, was den Kommissar aus Paris überkam. Es ist der erste Absatz, der Leser:innen in die gleiche Stimmung versetzt, den Wunsch nach Ausspannen, nach Sonne, vielleicht auch nach einem Pastis. Vorausgesetzt ...
Die Stimmung in »Liberty Bar« unterscheidet sich noch einmal von der in anderen frühen Maigret-Romanen. Das liegt zum einen an der Unlust Maigrets zu arbeiten, er lässt sich viel Zeit bei allem. Zum anderen auch daran, dass er noch mehr als die anderen Romane aus der Zeit gefallen scheint, irgendwie unmodern. Zum Beispiel wird er mit Pferdedroschken herumkutschiert.