Waiing for the weekend?

Der Tag danach


Zeit für eine kleine Presse-Nachlese nachdem uns gestern von der WELT verraten worden ist, wo die Reise der deutschsprachigen Rechte hingeht. Nachdem seit Januar bekannt ist, dass Diogenes die Rechte an Simenon verloren hat und dies nirgends thematisiert worden ist, überrascht mich das Echo, das die Neuvergabe jetzt erzeugt, schon ein wenig. Es ist dem Autoren und dem Verlag zu wünschen, dass dies mehr als ein Sommerloch-Thema ist.

Eine wirklich schöne Überschrift gab es in der NZZ: »Kommissar Maigret wechselt seine Zürcher Adresse«. Damit wird darauf angespielt, dass der Kampa-Verlag in Zürich angesiedelt ist. (»Der Bund« dagegen titelt »Maigret-Autor kommt zurück nach Zürich« - was ein wenig merkwürdig ist. Schließlich war er ja nie weg…) Darüber hinaus war der Presse zu entnehmen, dass der Verlag in Berlin ein Büro unterhalten wird. In der NZZ ist auch zu lesen, dass Daniel Kampa von John Simenon gebeten worden ist, ein Angebot für die Verlagsrechte vorzulegen. Über die genaue Höhe wird sich nicht ausgelassen, nur soviel:

Aber es sei für die ganze Vertragsdauer noch immer weniger, als was manche Verlage für einen einzigen Bestseller vorschiessen.

Verlagsmanager haben damit vielleicht eine Vorstellung. Ich kann mir darunter wenig vorstellen. Dafür sorgt aber Daniel Kampa in den Berichten für Klarheit: Um Millionen würde es nicht gehen.

In der Pressemitteilung äußert sich John Simenon:

Kaum jemand im deutschsprachigen Raum kennt das Werk meines Vaters so gut wie Daniel Kampa, und ich freue mich sehr, dass wir unsere langjährige und fruchtbare Arbeitsbeziehung nun wieder aufnehmen. Kennengelernt haben wir uns im Diogenes Verlag, vor mehr als 15 Jahren, und schon damals hat mich sein unermüdliches Engagement für Georges Simenons Werk beeindruckt. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Kampa Verlag der ideale Publikationsort für die Bücher meines Vaters ist. Daniel Kampa wird Georges Simenons Vermächtnis pflegen, und schon bald werden zahlreiche jahrelang vergriffene Titel, wie Brief an meine MutterIntime Memoiren oder Der Schnee war schmutzig und über siebzig weitere Non-Maigrets, wieder lieferbar sein.

Im Buchreport ist mehr zu den konkreten Vorhaben zu lesen. So wurden Neuübersetzungen schon in Auftrag gegeben. Die neu erscheinenden Non-Maigrets werden mit Nachworte von bekannten Publizisten versehen sein und es sollen auch Auszüge aus den »Dictées« herausgegeben werden.

 

Simenons neue Heimat
Plötzlich gab es viel Bewegung: Angefangen hat es letzte Woche als Philipp Haibach bei mir nachfragte, ob ich denn wüsste, wie es um die deutschsprachigen Rechte Simenons steht. Ich sagte ihm, was ich jeden sage, der mich in der letzten Zeit gefragt hat: Ich weiß nur, dass Diogenes die Rechte verloren hat und nicht sagen kann, an wen die Rechte gegangen sind. Ich habe Diogenes aber so verstanden, dass jemand die Rechte hat, sich nur noch nicht zu erkennen geben will.

Abschied
In der letzten Zeit gab es Hinweise, dass es um die Lieferbarkeit von Simenon-Romanen nicht zum Besten bestellt war. Da die Werk-Edition nun noch nicht so alt ist, war es ein wenig verwunderlich. Wie mir nun vom Diogenes-Verlag bestätigt wurde, liegen die Rechte am deutschsprachigen Simenon-Werk nicht mehr bei dem Zürcher Verlag und sind seit September 2016 nicht mehr lieferbar. Bei wem die Rechte nun liegen werden, kann nicht gesagt werden.