Under A Blood Red Sky

Ein Herbst wird kommen


Hektisch blätterte ich im Kalender und schaute: »Wann war die Buchmesse?« und fragte mich, ob ich es irgendwie hinbekommen könne, mal vorbeizuschauen. Gerade in diesem Jahr, wo es doch bald so interessant wird. Nachdem das Kalendarische geklärt war, kam ich zu der interessanten Frage, ob denn der Kampa-Verlag in diesem Jahr auf der Buchmesse schon präsent sein würde. Wenn es nicht eine Anmeldung in letzter Sekunde gibt, dann lautet die Antwort darauf nein.

In einem im Börsenblatt erschienenen Interview mit Daniel Kampa wird auch klarer, warum das so ist. Der Verlag wird die ersten Werke im Herbst 2018 herausbringen. »Es war nicht meine Absicht, das jetzt schon publik zu machen.« Der Coup war besonders schön, für den Journalisten, der die Nachricht veröffentlichen kann - keine Frage. Weiter führt der Verleger aus: »Und den Buchhändlern nützt es auch nichts, wenn die Fans sich Maigret-Romane antiquarisch besorgen müssen, zu Höchstpreisen. Eleganter wäre es gewesen, bei Erscheinen der ersten Titel zu verkünden: Jetzt ist Maigret wieder im Buchhandel.«

Da bin ich nicht ganz bei ihm. Ich beobachte die Preise für Simenon-Bücher seit geraumer Zeit und richtig bezahlen müssen nur die Käufer von Büchern der beiden letzten Diogenes-Reihen - ältere Diogenes-Ausgaben in sehr ähnlichen Übersetzungen werden immer noch zu sehr zivilen Preisen angeboten. Viele Käufer werden, so würde ich vermuten, ihre Käufe nun aufschieben. Schließlich steht eine Neu-Edition ins Haus und ein Jahr kann man sich durchaus gedulden. An der Qualität dessen, was da kommt, dürfte keiner Zweifel haben. Daniel Kampa, hier muss ich ein wenig schleimen, hat schließlich sein Handwerk bei den richtigen Leuten gelernt. Aus Verleger-Sicht verstehe ich seine Aussage, aus Käufer-Sicht allerdings nicht und vermutlich auch aus Buchhändler-Sicht nicht. Antiquare dürften ein wenig traurig sein.

Es war schon ein Coup, dass Daniel Kampa Eric Ambler zu Hoffmann & Campe brachte. (Hier habe ich noch eine Entschuldigung nachzureichen, da ich im Gespräch mit Diogenes als Trost meinte, ich könne mich irgendwann wieder um Eric Ambler kümmern, dessen Werk ich auch schätze, ohne zu ahnen, dass ich da in einer Wunde rumstocherte, die ebenfalls schmerzte. Es ist im Nachhinein schon sehr bewundernswert, mit welcher Contenance dies Ruth Geiger über sich ergehen ließ. Also sorry, ich wusste es nicht und wollte niemanden ärgern.) Auf die Frage, warum er Simenon nicht zu Hoffmann & Campe gebracht hatte, antwortet er, dass die Gespräche mit John Simenon noch nicht weit genug gewesen wären. Dann kommt der interessante Teil der Antwort, die aus zwei Teilen besteht: Es könne sein, dass die Taschenbücher beim Verlag Atlantik Taschenbuch erscheinen werden (der zu Hoffmann & Campe gehört)? Es hört sich auch so an, dass Diogenes im Gespräch war:  »Es wäre auch möglich gewesen, das zusammen mit Diogenes zu machen. Aber daraus ist nichts geworden.« Damit gäbe es eine Situation wie in den siebziger Jahren, als die Neuerscheinungen bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und die Taschenbücher bei Heyne.

Es ist ein gewaltiges Werk, was Daniel Kampa da zu stemmen hat. Schließlich ist das Unterfangen nicht allein, das bestehende Werk wieder liefern zu können, sondern es soll auch viele Neuveröffentlichungen geben. Da die Übersetzungen offenbar nicht einfach übernommen werden können, wird dieser Kraftakt, die Maigrets innerhalb von zwei Jahren wieder am Start zu haben, nicht unbedingt einfacher. Es läuft auf die Neuübersetzung des Werkes heraus.

Daniel Kampa ist recht optimistisch, was die zukünftigen Verkaufszahlen angeht: »Für mich kann es nicht genug Simenon geben. Und vielen Lesern geht es ganz genauso, davon bin ich überzeugt. Der Buchhändler muss bei Simenon keine große Überzeugungsarbeit leisten.«

[Ein wenig später geschrieben] Eine Anmerkung zu einem Zitat, dass mir ein wenig Sorgen bereitet. »Überdies: Viele Leser warten auf die 75 Maigrets, und die sollen in den nächsten zwei Jahren wieder lieferbar sein.« Wenn der Verlag im Herbst 2018 startet, dann hieße es, dass pro Monat sechs Titel herausgebracht werden müssten. Dies soll auch noch als Neuübersetzung bewerkstelligt werden?

Der Tag danach
Zeit für eine kleine Presse-Nachlese nachdem uns gestern von der WELT verraten worden ist, wo die Reise der deutschsprachigen Rechte hingeht. Nachdem seit Januar bekannt ist, dass Diogenes die Rechte an Simenon verloren hat und dies nirgends thematisiert worden ist, überrascht mich das Echo, das die Neuvergabe jetzt erzeugt, schon ein wenig. Es ist dem Autoren und dem Verlag zu wünschen, dass dies mehr als ein Sommerloch-Thema ist.

Simenons neue Heimat
Plötzlich gab es viel Bewegung: Angefangen hat es letzte Woche als Philipp Haibach bei mir nachfragte, ob ich denn wüsste, wie es um die deutschsprachigen Rechte Simenons steht. Ich sagte ihm, was ich jeden sage, der mich in der letzten Zeit gefragt hat: Ich weiß nur, dass Diogenes die Rechte verloren hat und nicht sagen kann, an wen die Rechte gegangen sind. Ich habe Diogenes aber so verstanden, dass jemand die Rechte hat, sich nur noch nicht zu erkennen geben will.