Maigrets Geständnis oder Der glaubhafte Justizirrtum

Maigrets Geständnis oder Der glaubhafte Justizirrtum


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123 Euro für einen Diogenes-Taschenbuch-Maigret zu bezahlen, dessen einzige Besonderheit sein dürfte, dass er hin- und zurück über den Äquator geflogen ist, dürfte nur sehr betuchten oder verirrten Personen in den Sinn kommen. Für den Preis dürfe man fast erwarten, dass ein Bote das Buch bis an die Tür bringt. Da der Transport aus Australien aber ein wenig kostspielig ist, kommen noch einmal 20 Euro Versand oben drauf. Dass wir uns richtig verstehen.

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Das Buch mag in einem guten Zustand sein, aber es steht nirgendwo, dass es von Georges Simenon oder einer anderen Persönlichkeit signiert worden wäre. Das wäre ein Grund, einen solchen Preis aufzurufen.

Die zweite Besonderheit, die einem bei diesem Angebot ins Auge fällt, ist der Titel: »Maigrets Geständnis oder Der glaubhafte Justizirrtum«. Man kann mir getrost glauben: Einen solchen Titel hat der Roman in Deutschland nie gehabt. Man könnte den Roman vielleicht noch unter dem alten KiWi-Titel »Maigret und der Fall Josset« anpreisen.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Titel, wenn man ihn schon ändert, in diesem Fall nicht lauten müsste: »Maigret und der unzweifelhafte Preis-Irrtum«. Aber dieser Buchtitel wird nicht nur von Australiern unter diesem Titel gelistet, es gibt auch deutsche Antiquare, die diesen Roman unter diesem Titel anbieten.

Mich interessierten ursprünglich die abgehobenen Preise nur in zweiter Linie. War die Angabe dieses Titels ein Einzelfall? Deshalb schaute ich mal bei Amazon nach. Auch dort gab es ein Angebot in dieser Form. Es war das Günstigste. Das war ja immerhin etwas, denn die Preise, die für die anderen Titel aufgerufen wurden, waren ja ganz beachtlich. Für »Maigrets Geständnis« aus der Werk-Ausgabe werden im Augenblick sage und schreibe 798 Euro aufgerufen.

Wie kommt man denn auf einen solchen Preis? Schaut man nach dem Angebot und lässt dann ein Programm den Preis festlegen, so wie das beim Kaufen/Verkaufen im Aktienhandel üblich ist? Es ist mir ein völlig Rätsel.

Also wenn man für diesen Preis nicht für ein Wochenende in die Stadt des Verkäufers eingeladen wird und die Abendessen bei dem dreitägigen Trip mit drin sind, dann weiß ich auch nicht.

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Dagegen nehmen sich die Angebote bei EBay schon fast moderat aus. Wobei natürlich die aufgerufenen Preise von 25 bis fast 60 Euro für einen Maigret, der mindestens zwanzig Jahre alt ist, nun auch nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen sind. Aber offenbar kann man das gerade nehmen und so wird es versucht. Ob das auch wirklich klappt, ist ja noch die zweite Frage.

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Dann schaute ich noch einmal gezielt bei den Antiquaren nach. Auch da fand ich den interessanten Titel, angeboten von einem deutschen Laden. Für traumhaft günstige 50 Euro kann man eine zwanzig Jahre alte Ausgabe bekommen, die in einem akzeptablen Zustand ist.

Es ist noch ein wenig hin bis zum Herbst 2018, in dem die Maigret-Neuausgabe startet. Aber so lange nun doch auch wieder nicht. Wenn ihr nicht warten könnt, dann wartete auf die Angebote, die nur fünf bis fünfzehn Euro kosten. Das sind akzeptable Preise. Und wenn man unbedingt diesen Maigret lesen möchte, dann geht doch in die Bibliothek. Die dürften Maigrets auf jeden Fall vorrätig haben oder besorgen können.

Maigrets Geständnis
Die Maigrets schätzen die Abende bei den Pardons mehr als alles andere. Da sie keine Verwandten in Paris haben, ist es die einzige Gelegenheit ähnliches zu erleben. Es ist einer dieser Abende, an denen der Doktor durchaus wieder gefordert ist – allerdings muss er nicht fort, und so hat er die Gelegenheit, Maigret einen Fall etwas näher zu schildern. Maigret hört interessiert zu, schließlich ist er in Ärzte und ihre Geschichten nahezu vernarrt; er geht noch weiter und schildert seinem Freund einen Fall aus seiner Praxis, was eine nahezu ungeheuerliches Ereignis ist, da der Polizist dies sonst nie tut.