Antwerpen - Drukkerijstraat

Die Villa von Goldberg


Im Augenblick überarbeite ich die Maigret-Beschreibungen auf der Seite. Einige von ihnen sind schon zwanzig Jahre alt, da kann man das mal angehen. Im Zuge dessen, bekommen sie ein Register. Da lässt es sich nicht vermeiden, dass man die Bücher anders liest und hin und wieder auf Ungereimtheiten stösst. Zum Beispiel in »Maigrets Nacht an der Kreuzung«: Hier bekommt Maigret ein Telegramm von der Polizei aus Antwerpen, welche ihn mit Informationen über Isaac Goldberg versorgt.

Telegramme werden auch heute noch als Dienstleistung angeboten. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass jemand in den letzten Jahren zu mir gesagt hätte: »Habe gestern ein Telegramm bekommen und…« Zumal die Preise wirklich sehr happig sind. Daran hat sich, im Vergleich zu früher, nichts geändert – nur in den Zeiten von Maigret hatten die Telegramme eine herausragende Bedeutung. Die Abrechnung erfolgte nach Wörtern. Es machte also keinen Unterschied, ob man nun kurze oder lange Worte verwendet. So konnte es dem Beamten, der das Telegramm aufgab, auch egal sein, ob er »45 Jahre” oder »fünfundvierzig Jahre« schrieb – es war ja ein Preis.

Viel interessanter ist jedoch, dass er die Adresse des Diamantenhändlers mit »Rue de Campine« in Borgerhout angibt. Dabei handelt es sich um einen Stadtteil von Antwerpen. Antwerpen liegt im flämischen Teil von Belgien, man spricht niederländisch. Somit kann man französische Straßennamen ausschließen. Weder die neuen Karten (via Google Maps und Apple Maps) noch alte Karten (von der interessanten Seite oldmapsonline.org) lassen auf französische Straßennamen schließen. Spaziert man mit Google Street View durch die Straßen von Antwerpen und schaut auf die Straßenschilder, dann stellt man auch schnell fest, dass es keine zweisprachigen Straßenschilder gibt, wie man sie in machen zweisprachigen Gegenden antrifft.

Diese Ungenauigkeit verwundert mich um so mehr, da Simenon Belgier ist. Gerade ihm sollte doch die Mehrsprachigkeit seines Landes bewusst gewesen sein.

Maigrets Nacht an der Kreuzung
Der Mann war wirklich erstaunlich: Maigret war eigentlich von seiner Schuld überzeugt. Aber mit der Ruhe, mit der der Däne das Siebzehn-Stunden-Verhör durchgestanden hatte, hatte der Kommissar nicht gerechnet und er hatte seine Meinung geändert. Blieb immer noch die Frage, warum ein Diamantenhändler aus Antwerpen tot im Auto des Nachbarn saß, welches in der Garage des Dänen abgestellt war.