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Und die 75-bändige Gesamtausgabe der Maigrets bei Diogenes 2008 - 2009
Alles, was über Georges Simenon gesagt wird und seine Maigret-Romane in den Himmel lobt, stimmt.
»Simenon macht mit der Sprache, was Hitchcock mit den Bildern macht: ganz einfach eine Geschichte erzählen… Simenon macht süchtig. Nach zwei, drei Romanen kommt man von Simenon nicht mehr los.« (François Bondy)
Oder: »Manche kommen und fragen mich: Was soll ich denn von Simenon lesen? – Ich antworte: alles.« (André Gide)
Einst sind die weltweit populären Maigret-Krimis in Deutschland wie Groschen-Romane behandelt worden, etliche, wechselnde Verlage waren am Werk, schnell (und oft schlampig) wurde verlegt und verkauft – so wie von Simenon runtergeschrieben (Schöpfungsstandard: 7 Tage). Oft fehlte beispielsweise der erhellende Schlußhinweis Simenons mit Ort und Zeit der Niederschrift. Meistens waren es billige Taschenbücher, gebunden gab es sie nur in einigen Sonderausgaben. Von editorischer Sorgfalt, von angemessener Beschäftigung mit einem in jedem Sinne großen Werk keine Spur.
Bis Diogenes kam. 1974. Erst seitdem sich Daniel Keel mit seinem Diogenes-Verlag um Simenon kümmert, ist das besser geworden. Maigret wurde komplett veröffentlicht mit neuen Übersetzungen oder korrigierend durchgesehenen. Aber immer noch als geleimtes Taschenbuch, das Schlechteste, was es fürs Lesen gibt: Das Buch blättert sich nicht, man muss es in der Klebeschicht aufbiegen, die ständig versucht, es zu schließen, oder aber schon kaputt ist und irgendwann brechen wird (Maigrets liest man immer wieder!).
Deshalb ist mit großer Freude zu begrüßen, daß Diogenes die 75 Maigret-Romane von 2008 bis Ende 2009 neu auflegt, mit nochmals geprüften und verbesserten Übersetzungen, gebunden zwischen kräftigen und schön gestalteten Pappdeckeln und mit einem blutroten Lesebändchen. Schön auch, daß die Bände in der Schreib-Reihenfolge Simenons erscheinen. Mit einiger Forschung konnte man sich die zwar immer schon so geordnet ins Regal stellen, aber nun ist es doch einfacher und in der Nummerierung a priori richtig.
Daß aber diese schöne Edition durch einen grotesken Fauxpas beschädigt und entwertet wird, ist gar nicht zu fassen. Man hatte die gute Idee, als Vorsatzblatt eine Pariskarte zu verwenden und bei Reisen Maigrets als »Nachsatzblatt« auch eine Frankreichkarte. Aber gezeigt wird ein Paris, das Maigret nie so gesehen hat, es ist nämlich eins, in dem z.B. die »Hallen« (der Bauch von Paris) abgerissen sind und eine modernistische architektonische Mißgeburt (Forum des Halles) an der Stelle Paris verschandelt. Also, das war nicht nur eine stadtplanerische Vollidiotie (verursacht vom General de Gaulle), das ist auch ein verlegerischer Schwachsinn, den man überhaupt nicht begreifen kann. Derselbe Fehler übrigens mit der Frankreichkarte, auf der die neuen Autobahnen hervorstechen, die keine Reisewege von Maigret sein konnten. Maigret ist nach Angaben Simenons 1887 geboren, und hatte nachweislich seinen ersten Fall 1913!
Wir haben jetzt also an die 5 Editionsphasen mit Maigret erlebt (und bezahlt). Die jetzige ist die beste und trotzdem mangelhaft. Da hat der geschäftstüchtige Daniel Keel von Diogenes vielleicht die nächste (ultimative) Neuausgabe vorbereitet? »Alle Maigrets: Neu – jetzt mit zeitgenössischen Karten.« Ob wir das noch erleben können?
Von meiner Bücherseite bei www.hubertmaessen.de
Herzliche kollegiale Grüße: Ihr Hubert Maessen
Hubert Maessen am 24.11.2008
Obwohl ich im ersten Moment schon ein wenig verwirrt über die “Neuausgabe der Neuausgabe der Neuausgabe”-Politik war, sehen die ersten 30 Bände schon sehr schön im Regal aus!! Auch die Aussicht, endlich mal alle Bände in gleicher Ausführung zu besitzen, ist natürlich prima. Was ich aber schade finde ist, daß die einzelnen Werke so “nackt” sind. Ein paar Worte zur jeweiligen Entstehungsgeschichte, eine kurze Einordnung in das Gesamtwerk und eine paar bibliographische Hinweise hätten die Edition meiner Meinung nach extrem aufgewertet. Liebe Grüße, Thomas
Thomas am 24.11.2008
Ich bin ein wenig überrascht - die Seite ist so kaum 24 Stunden online und schon gleich zwei Kommentare
Ich muss mir wohl auch überlegen, ob ich nicht ein anderes, besser lesbares Kommentare-Format anbiete.
In der Tat hätte man ein wenig mehr draus machen können, aber wenn die Bücher schon perfekt wären, was bliebe dann für diese Seite übrig? Vielleicht sollte ich kleine, druckbare PDFs anbieten, die man in die Ausgaben hinlegen oder -kleben kann, die ergänzende Informationen beinhalten.
Oliver Hahn am 09.05.2009
Gibt es denn bei Diogenes Pläne, nach Vorliegen aller Bände ein Komplettpaket (vielleicht in schönem Schuber) anzubieten? Weiß jemand etwas dazu?
Jürgen am 08.01.2009
Was meinen Sie?