Quai des Orfèvres > Simenon > Biographie

suchen | registrieren | anmelden | das lädchen | forum | kontakt

Neuanfang

Ein neues Land, neue Gewohnheiten, eine neue Sprache und eine neue Frau. Simenon reist nach und durch Amerika, unstet wie immer, begibt sich in eine ungewisse und komplizierte Beziehung. Am Anfang war natürlich nur Sonnenschein. Simenon zeigt neue, nicht unbedingt positive Seiten.

(Fortsetzung)

Aber nicht nur die Behörden waren dabei, das Leben Simenons zu verkomplizieren, trug ihren Teil dazu bei. Tigy fuhr 1947 nach Frankreich und als sie zurückkam, »hielt sie den Augenblick gekommen, das häusliche Leben ihres Mannes ein wenig zu komplizieren«, wie Marnham schreibt. Boule sollte in den gemeinsamen Haushalt einziehen.

Boule stieß aber erst im Sommer 1947 zu der Familie, da war Simenon schon samt Kind und Kegel von Florida nach Arizona gezogen. Sie ließen sich in der Nähe von Tuscon nieder und mit der Ankunft von Boule verkomplizierten sich die Verhältnisse wider Erwartungen aber nicht, sondern es kehrten geradezu paradiesische Verhältnisse für Simenon ein. Tigy war, um für Marc Mutter zu sein; Denyse war seine Geliebte und Sekretärin und Boule war, so wie es Simenon gewohnt war, Geliebte und Haushälterin. Denyse hatte keine Probleme mit Eifersucht und sah sich von Boule in ihren »vorehelichen« Pflichten ein wenig entlastet.

Der Status von Denyse (von Simenon übrigens Denise genannt und geschrieben) wurde Ende 1948 manifestiert, als sie schwanger wird. Damit kam zum ersten Mal die Möglichkeit einer Scheidung von Tigy auf. Nun hatte Simenon, nachdem er schon das Versprechen gebrochen hatte, keine Mätresse ins Haus zu bringen, Tigy versprochen, er würde sich nie von ihr scheiden lassen. Aber erneut stand der Bruch eines Versprechens vor der Tür und es verständlich, dass Tigy jede Menge Gründe hatte, von Simenon enttäuscht zu sein. Es fühlt sich nicht gut an, immer wieder belogen und betrogen zu werden und zusehen zu müssen, wie wichtige Vereinbarungen immer wieder gebrochen werden.

Tigy nahm sich einen Scheidungs-Spezialisten in Kalifornien und stellte hohe Forderungen an Simenon. Sie machte ihm unmissverständlich klar, dass bei seinem Verhalten er nicht mit großer Gnade bei einem Prozess rechnen dürfte. So wurde vereinbart, das Tigy das Haus in Nieul bekam, alle Aktien, die in Europa eingelagerten Möbel und die Gemäldesammlung sowie eine Unterhaltszahlung, die die Höhe eines kalifornischen Vorstandsvorsitzenden hatte. Von den wenigen Bedingungen, die Simenon durchsetzen konnte, war eine allerdings recht »heftig«: Tigy sollte maximal sechs Meilen vom Haus Simenons entfernt leben, zumindest so lang Marc wie sie den Sohn betreute. Sollte sie sich daran nicht halten, müsste sie ihr Obhutsrecht an Simenon abgeben und erhielte dafür ein wöchentliches Besuchsrecht.

Dies ist übrigens ein Punkt, der in den meisten Biographien keine Rolle spielt: Was ist mit Marc und wie mochte er sich in diesen Verhältnissen gefühlt haben. Boule kannte er als Haushälterin, aber dann drängte sich eine Frau in das Leben seiner Familie und zwar mit einer Vehemenz, die für einen Sechs- bis Neunjährigen einigermaßen verstörend gewesen sein dürften.

Im September 1949 wurde Johnny in Tucson geboren. Zu diesem Zeitpunkt war Tigy mit Marc schon in Kalifornien, weshalb auch Simenon in diese Richtung zog und sich in Carmel-by-the-Sea niederließ, einem Ort, an dem sich viele wohlhabende und erfolgreiche Künstler niedergelassen hatten.

Die Scheidung von Tigy wurde am 21. Juni 1950 in Reno besiegelt: Simenon hatte die silberne Hochzeit mit Tigy schon hinter sich gebracht und war 47 Jahre alt. Einen Tag später war er mit Denyse verheiratet.

zurück  1 | 2

 

Vielleicht auch interessant...

Meinungen

Artikelhistorie

Drei Zimmer in Manhattan

Ein Freitag abend in Manhattan: es ist erst Frühherbst, aber niemand wird sagen, dass die Stimmung gemütlich war. Für Kay und François, die sich vor diesem Abend noch nie gesehen hatte, sowieso nicht. Ihr Leben kannte nur noch eine Richtung, und viel Positives hätten sie über ihre gegenwärtige Situation nicht zu sagen. Sie kommen ins Gespräch, vielmehr, Kay unterhält sich ausführlich mit François, bevor sie aufbrechen, um andere Bars in Manhattan zu besuchen. Man kommt sich näher. Eine Liebesgeschichte.

Souvenirs

208 Seiten für Tigy. Das dürfte ein Rekord sein, auch wenn fairerweise anmerken muss, dass es sich bei dem Buch über Tigy auch um ein Buch von Tigy handelt. Die Frau Simenons, von der man nicht das Gefühl hat, dass sie sich in den Vordergrund gedrängelt hat (es gab da ja auch andere), hat ihre Erinnerungen geschrieben, die jetzt im Gallimard-Verlag (November 2004) veröffentlicht worden sind. Herausgegeben und zusammengestellt wurde das Buch von der Enkelin Régine Simenons (geborene Renchon), Diane Simenon (soweit ich sehe die Tochter von Marc).

Lakeville

Glück ist immer relativ: Simenon sollte auch nach dem Leben auf der Shadow Rock Farm beruflich erfolgreich sein. Was das familiäre Glück jedoch betraf, begannen schwierige Zeiten. Ein Abriss über die letzten wirklich glücklichen Jahre Simenons, Besuche in Europa und den ersten Brüchen.

Fortsetzung der Krise

Simenon suchte Wege, seine Frau aufzuheitern. Eine Chance sah er in der Rückkehr nach Europa, aber es wurde nicht besser sondern immer schlimmer. So begann sich bedingungslose Liebe in bedingungslosen Hass zu wandeln. Interessanterweise merkte man es den Romanen nicht an.

Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.

Was meinen Sie?

Erstellt: 26.11.2008

Letzte Änderung: 09.02.2010