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Mit Maigret in Paris

Sie planen eine Reise nach Paris und wollen kleine Umwege machen, um ein wenig auf den Spuren von Maigret zu wandeln? Der Artikel »Tatorte« dürfte schon weiter helfen. In diesem Artikel bekommen Sie weitere Tipps, was bei der Maigret-Reise nach Paris zu beachten ist.

Zwischen dem Paris, wie es Simenon (und damit Maigret) erlebte und dem Paris, was Sie bei einem Besuch erleben würden, liegen Welten. Hat man sich Adressen notiert, die man besuchen möchte, weil sie einem beim Lesen der Bücher untergekommen sind oder weil man sie auf der Seite genannt bekommen hat, so darf man im besten aller Fälle erwarten, dass das Haus beispielsweise noch steht. Die Enttäuschung könnte groß sein, wenn statt der erwarteten Wäscherei plötzlich China Import/Export zu finden ist und wenn man feststellen muss, dass das großbürgerlich geschilderten Haus einem unansehnlichem Neubau weichen musste, in dem zwar immer noch Ärzte residieren, diese aber heutzutage ganz andere Anforderungen haben.

Die Entwicklung der Einwohnerzahlen von Paris ist übrigens recht interessant. Was den Kernbereich der Stadt angeht, so hat die Einwohnerzahl um 1920 ihren Höhepunkt mit drei Millionen Bewohnern erreicht. Danach ging es stetig bergab. Man möge sich die Schilderungen der Enge in den Romanen und Erzählungen Simenons vor Augen halten, die Not die gerade bei den Einwanderern herrschte. Die Stadt hat sich gewandelt, und aus Wohnraum wurde Geschäftsraum. Da weiterhin gewohnt werden muss, sind die Bewohner vor die Tore der Stadt gezogen und haben damit die Vororte, die in den Maigrets als beschauliche Städten des Rückzugs der Pariser am Wochenende geschildert wurden, zu Wohnstädten verändert. Es sind Wohnsiedlungen entstanden, die man durchaus mit Legebatterien vergleichen kann und in die man sich als Tourist nicht trauen sollte.

Mittlerweile hat der Großraum von Paris über zehn Millionen Bewohner. Verglichen mit 1920 sind das über das Doppelte. Wer also die Beschaulichkeit und Gemütlichkeit in kleinen Landkneipen sucht, wie man sie in den Maigret-Romanen noch findet, der muss definitiv weiter vor die Stadt fahren, um Erfolg zu haben.

Da Gesagte sollte sie aber nicht abhalten, selbst auf die Spurensuche zu gehen. Es gibt reizende Ecken von Paris, an denen man noch spüren kann, wie es zu Maigrets Zeiten gewesen sein kann.

132, Boulevard Richard-Lenoir
Die schlechte Nachricht ist: Die Adresse existiert gar nicht. Nun mag sich mancher wundern und fragen, warum es dann Bilder von diesem Haus gibt. Die Lösung ist recht einfach: Es gibt zwar diese Adresse nicht, aber das Haus. Am Boulevard Richard-Lenoir klafft eine Lücke und das Haus, welches die 132 sein könnte (oder ist, eine Betrachtungsweise), gehört zur Avenue de la République. Dass Maigret dort gewohnt haben soll, ist übrigens den Parisern auch nicht entgangen. So hat jemand an dem Haus, die Nummer 132 angebracht, die man sieht, wenn man am Boulevard steht. Einen Hauseingang gibt es allerdings nicht und der Patron in dem Lokal unterhalb Maigrets fiktiver ehemaliger Wohnung bestätigt das auf Nachfrage natürlich gern. Heute sind in dem Haus übrigens eine ganze Reihe von Ärzten untergebracht.

Canals St. Martin
Geht man von dem Haus der Maigrets etwas weiter in Richtung Nord-West (aus stadtauswärts), dann sieht man auch bald die ersten Schleusen. Man kann an dem Kanal gut spazieren gehen, darf sich aber nicht daran stören, dass an dem Kanal auch eine Reihe von Clochards kampieren. Sie gehören heute wie damals zur Realität der Stadt, und sie sind es wahrscheinlich gewöhnt, verscheucht zu werden. Eine andere Variante den Canal St. Martin zu erobern ist übrigens eine Bootsfahrt, mit der man die Schleusen live erleben kann. Heute sieht das alles recht reizvoll aus, aber zu Maigrets Zeiten war der Canal St. Martin ein beliebter Ort, um die Überreste unliebsame Personen zu entsorgen.

21, Place des Vosges
Ein reizender Platz im Marais, den man heute nur zu früher Morgenstunde betreten sollte. Der Park in der Mitte des Platzes ist ein beliebter Ruhepunkt für die Touristen und häufig überfüllt. Um den Platz herum sind diverse Geschäfte und an ihnen entlang kann man oft kaum treten. In dem Haus 21 an dem Platz lebte Simenon ein Zeit lang in Paris. Erst eine kleine Wohnung, später nutzte er die Gelegenheit sich zu erweitert und hier stand auch seine berühmte Bar. Das war, bevor sich das Paar aus dem gesellschaftlichen Leben in Paris etwas zurückzog. In den Memoiren Maigrets offenbart der Kommissar, dass er auch eine Zeit lang am Place des Vosges gelebt hätte. Ein bekannter Journalist und Schriftsteller mit dem Namen Georges Sim hätte ihm seine Wohnung zur Verfügung gestellt, da das Haus am Boulevard Richard-Lenoir in der Zeit renoviert wurde. Wer das große Glück hat, eine offene Tür zum Hof vorzufinden, sollte die Gelegenheit nutzen, sich mal umzusehen.

36, Quai des Orfèvres
In den Romanen ist immer die Rede davon, dass die Leute zur Kriminalpolizei eben an diesen Quai des Orfèvres kamen und dann dort Platz nahmen, um auf den Kommissar zu warten. Wahrscheinlich stand schon immer ein Polizist unten und beobachtete die Leute. Einfach, weil das so üblich war. Heute sieht das natürlich ein wenig anders aus. Das Gebäude ist abgesperrt mit Zäunen und schwer bewaffnete Polizei hockt davor, so dass man nicht einmal eine Sekunde auf die Idee kommt, dort hinein gehen zu wollen. (Wir haben vor Kurzem ein anderes Kommissariat in Paris besucht, ein hässlicher Bau, der allerdings das Museum der Pariser Polizei beherbergt, und davor stand auch eine nette kleine Polizistin mit Maschinenpistole.) Hier hatte der Kommissar also über lange Jahre sein Hauptquartier und der Komplex einschließlich des Justizpalastes ist immer noch beeindruckend. Auch hier gilt, das frühes Aufstehen Trumpf ist, denn das Gebäude liegt auf einer der Haupteinfallrouten für Besucher der Notre-Dame und dementsprechend voll ist es dort.

 

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Artikelhistorie

Reisebericht: Mit Maigret nach Paris

Es spricht einiges dagegen, mit dem Auto nach Paris zu fahren. Ein Punkt dürfte dabei sein, dass der Verkehr seit Maigrets Zeiten enorm zugenommen hat. Es ist einfach nicht mehr schön, durch Paris zu fahren, da man an allen Ecken und Enden steht. Die eine oder andere Situation ist dabei noch ganz erquicklich.

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Erstellt: 18.01.2008

Letzte Änderung: 25.09.2008