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Ich finde das neue Schlagwort des im September bevorstehenden Jubiläums total Klasse: 80+20 - da werden praktischerweise ein Gedenkdatum eher trauriger Art mit einem Gedenkdatum festlicher Art zusammengeworfen. Schließlich kommt da noch ein 100 raus, was ja eine ganz runde Sache ist. Mit dabei, und damit bin ich beim Thema, der SWR2 mit einer Reihe zum Sterbe-Jahrestag Simenons.
Der Radiosender ist ganz weit weg von mir, trotzdem bekomme ich mit, was die so machen. Nicht so die speziellen Sachen, die vom SWR2 angeboten werden, dazu bin ich zu wenig auf deren Webseiten, aber so ganz allgemein sind diverse Formate des SWR2 in meiner Podcast-Liste und werden regelmäßig gehört (besonders gern im Zug oder auf Dienstreisen zur Nacht). Die Wissensangebote kann ich nur jedem ans Herz legen.
Von den Simenon-Aktivitäten des Senders hörte ich das erste Mal Anfang der Woche, als sich ein Autor der Reihe bei mir meldete und eine Frage hatte. Ich wusste, ehrlich gesagt keine Antwort, und auch bei den Kollegen, bei denen ich rumgefragt hatte, war kein belastbares Material zu bekommen. So konnte ich leider dem Autoren nicht weiterhelfen. Aber ich hatte den Hinweis auf diese Serie und das war ja auch schon mal was.
Ich fragte gleich nach, ob die Sendungen auch als Podcast angeboten würden: Bevor ich eine Antwort darauf hatte, kam schon ein Hinweis von ganz anderer Seite (Danke - Thomas!), dass auf der Webseite des SWR2 die Beiträge (ungefähr 2 Minuten lang) zur Verfügung gestellt würden. Dabei handelt es sich um die Herangehensweise ganz unterschiedlicher Leute (Autoren, Künstler, Köche) an den Autoren, was gewiss interessant zu hören ist. Ich habe gleich die Gelegenheit genutzt und bin habe mir die Beiträge als MP3-Datei heruntergeladen. Wenn alle gelaufen sind, schreibe ich dazu eine Zusammenfassung.
Dabei bin ich darauf aufmerksam geworden - leider viel zu spät - das schon letzten Sonnabend eine Simenon-Matinee mit dem unglücklich gewählten Namen »Maigret und die Affaire Simenon” veranstaltet wurde, immerhin drei Stunden zu diesem Thema. Drei Beiträge, die in diesem Rahmen gelaufen sind, lassen sich ebenfalls herunterladen.
Mir ist noch nicht ganz klar, wie der SWR2 auf die Idee kommt, das Jahr zum Simenon-Jahr zu erklären. (Andererseits: Jedes Jahr ist Simenon-Jahr!)
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Vor sieben Jahren wurden die Rechte an Simenons Gesamtwerk an die Rechteverwerter-Firma Chorion mit Sitz in Großbritannien verkauft. Nun ist in verschiedenen Medien zu lesen, dass die Liaison zwischen Maigret und Miss Marple bald zu Ende sein könnte. Aber noch ist verdammt viel Konjunktiv dabei: Schließlich müssen die Besitzer auch verkaufen wollen. Die von der Gesellschaft betriebene Webseite maigret.com ist zumindest nicht mehr zu erreichen und bringt nur noch eine Statusseite des Webservers.
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Eine echte Neuigkeit ist es eigentlich nicht, denn die DVD, die jetzt erst auf meinem Radar erschien, wurde schon 2008 veröffentlicht. Aber das soll nicht verhindern, dass hier der Jean-Gabin-Film »Ein Herr ohne Kleingeld« hier noch einmal erwähnt wird. Es ist anzunehmen, dass ich nicht der Einzige bin, dem das entgangen ist.
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Auf manche Filme wartet man Jahre und sie kommen nie im Fernsehen oder auf DVD. Andere Filme sind regelmäßig im TV und irgendwie ist es klar, dass diese dann auch auf DVD veröffentlicht werden. Zu dieser Kategorie gehört auch der Maigret-Film »Maigret und sein größter Fall« mit Heinz Rühmann, der im letzten Monat erschienen ist.
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Im letzten Jahr gab es noch einmal so etwas wie ein tiefes Durchatmen bei den Maigret-Liebhabern: Chabrol erzählte, er hätte einen Krimi gedreht, bei dem vor seinem geistigen Auge Simenons Maigret Pate gestanden hat. Es wurde ein Kommissar Bellamy mit Gerard Depardieu und an die Maigrets kam der Film nach einhelliger Meinung nicht heran. Nun ist Chabrol im Alter von 80 Jahren gestorben.
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Am 7. August erlag Bruno Cremer im Alter von 80 Jahren in einem Pariser Krankenhaus seinem Krebsleiden. Schon ein paar Jahre lang war es ruhiger geworden um sein Schaffen als Maigret-Darsteller im französischen Fernsehen. Da sich die französische Fernsehserie hierzulande nicht durchgesetzt hat, dürfte nicht mit Wiederholungen zu rechnen sein. Schade eigentlich!
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Erstellt: 15.08.2009
Letzte Änderung: 15.08.2009
Stichwort “Mein Simenon”
Jeder große Autor ( der aus dem französischsprachigen Journalismus kommt ) muss es sich gefallen lassen, an den Brüdern Goncourt gemessen zu werden,Edmond und Jules de Goncourt, gelebt und gestorben im 19.Jahrhundert.Von ihnen stammt der Naturalismus,die exakte Beschreibung in der Verdichtung einer Szene.
Nehmen wir den “Tod des Auguste Mature”, sicher ein eher unbedeutendes familiäres Sujet. Aber mit einer Beschreibung eines Gastwirts mit allen heute für die Aufklärung von Laien wichtigen Risikofaktoren für Herz- und Hirninfarkte. Einfach und doch genial die banale Szene beim Kassieren am Tisch eines jungen Paares, sein Zusammenbruch, seine kurze Krankheit und sein Tod.
Sein Textes in Ausschnitten vorgelesen, lässt mit willkürlich zugeordneten Computertomographiebildern echter Patienten nicht nur bei Laien, auch vor Fachpublikum einen wirklichen Menschen mit seinem Schicksal entstehen.Ich habe das in Vorträgen wiederholt erlebt und auch das Erstaunen über die Aufklärung, dass es sich um eine Romanfigur handelt.
“Mein Simenon” ist jetzt die Suche geworden nach dem Leben seiner Figuren in ihrer Prägung durch das Erbgut (la race),die Zeit (le moment) und das soziale Umfeld (le milieu) unter dem Blick des Arztes auf der Suche nach Krankheitsbildern, die auch heute aktuell sind.
So schließt sich der Bogen und der Belgier Simenon möge es mir posthum verzeihen, daß er an den berühmten französichen Vorbildern Goncourt dieser Stilrichtung von mir gemessen wird. Damit wird er aber zu meinem ganz persönlichen Simenon.
Dr.Hartwig Grass am 04.10.2009
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