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Sind die Non-Maigrets von Simenon reine Männergeschichten? Auf den ersten Blick schon, so dass sich ein zweiter Blick auf prägnante Gestalten auf die Geschichten und Simenons Frauenbild geworfen werden soll.
(Fortsetzung)
Angetäuscht
Selbst in einem Roman, von dem man annehmen könnte, dass im Mittelpunkt der Geschichte eine Frau stehen würde – der Titel drängt es auf –, rückt mehr und mehr ein Mann in das Blickfeld des Schriftstellers. Ein gutes Beispiel dafür ist der Roman »Die Witwe Couderc«. Madame Couderc steht anfangs als Persönlichkeit gleichberechtigt neben Jean. Sie fahren gemeinsam in einem Bus, sie ist es, die den Blickkontakt herstellt und sich nicht überrascht zeigt, als sich Jean entschließt, mit ihr auszusteigen und sich ihr anzuschließen. Es stellt für sie kein Problem dar, ihn in ihrem Haushalt aufzunehmen – eine starke Frau, die sich gegen alle Männer in ihrer Umgebung durchzusetzen vermag.
Sie hatte einen Schwächling als Ehemann gehabt, die Männer in der angeheirateten Familie taugten auch nicht viel mehr. Das ging schon mit dem Vater ihres verstorbenen Mannes los, der sich schon zu dessen Lebzeiten an ihr verging und den sie »aus Mitleid« immer noch »ranließ«.
Sie stellt Jean als Knecht ein, ohne zu wissen, um wen es sich handelt, einfach darauf vertrauend, dass sie auch diesen Mann in den Griff bekommen würde. Sie fängt umgehend an, ihn zu dirigieren. Dabei weiß sie nicht, dass Jean das schwarze Schaf einer angesehenen Familie aus der Umgebung ist. Jean lässt sich herumkommandieren. Er pflegt, nachdem es zu einer Schlägerei zwischen den beiden Schwägerinnen gekommen war, Madame Couderc gesund und kümmert sich um Haus und Hof.
Simenon aber verfolgt mit dem Beginn der Pflegebedürftigkeit der Witwe die Beziehungsgeschichte zwischen dem ungleichen Paar nicht weiter. Auch die Beziehung Jeans zu der Nichte der Couderc wird sekundär. Vielmehr dringt Simenon tiefer in die Geschichte und das Seelenleben von Jean ein, der wegen Totschlag verurteilt worden war, obwohl das begangene Verbrechen Mord gewesen war. Madame Couderc mit ihren Gedanken und Nöten wird immer weiter in den Hintergrund gedrängt. In dem Schuld-und-Sühne-Thema von Jean spielt Madame Couderc nur noch eine bedauernswerte Rolle.
Schwestern
Ein faszinierendes Thema für Simenon scheinen offenbar Schwestern gewesen zu sein. Ein Motiv sind Frauen, die über das Leben von Männern bestimmen. Hierzu fallen einem gleich drei Geschichten ein, in denen das Motiv ausgelebt wird.
Da sind die »Bösen Schwestern von Concarneau«. Der deutsche Titel lässt schon Unangenehmes erahnen, aber in der Hinsicht wird man enttäuscht. Denn eigentlich ist es Jules Guérec, dessen Verhalten sehr zu wünschen übrig lässt. Es sind nicht die Schwestern, die einen jungen Burschen überfahren und Fahrerflucht begehen. Der Mann ist kein Leichtgewicht, weder von seiner gesellschaftlichen Stellung noch was seine körperlichen Ausmaße angeht.
Es dürfte heutzutage etwas verwundern, wenn ein Mann allein mit seinen Schwestern wohnt und ein Großteil seines Lebens von den Schwestern verwaltet wird. Immer wenn es Probleme gibt, kann er sich zurücklehnen und sich darauf verlassen, dass seine Schwestern die Probleme für ihn schon lösen Vielleicht gibt es mit dem Tod des Jungen einen Sinneswandel, aber der Weg den der Mann wählt, ist sehr fragwürdig, versucht er doch das Vertrauen und die Liebe von Marie, der Mutter des toten Buben, zu erschleichen.
Die beste Kennerin Jules’ ist seine Schwester Céline. Bevor Jules als Kind zum Beichten in die Kirche ging, kannte Céline seine Sünden schon und hatte entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen. Das war in der Kindheit so, daran hat sich nichts im Erwachsenenleben – Jules ist zum Zeitpunkt der Katastrophe immerhin schon 40 Jahre alt – geändert. So wurde die ungewollte Schwangerschaft einer Liebschaft Jules’ von den Schwester mittels Geld erledigt. Seine Schwester erkennt, dass die Möglichkeit nicht beichten zu können, ein Lügengerüst aufbauen zu müssen, Jules Guérec belastet und sie kann sich aus dem Verhalten und den Geschehnissen vor Ort, gut einen Reim machen.
Aber auch in diesem Roman bekommt der Leser nur die Resultate des Erkenntnisprozesses präsentiert. Aus welchen Verhaltensweisen Jules’ sich diese Erkenntnisse Célines ergeben, lässt sich nicht unbedingt erschließen. Aber sie ist es, die dem Spuk ein Ende macht: Mit dem bewährten Hilfsmittel – Geld – macht sie sich zu Marie auf, um ihr zu sagen, dass es ihr Bruder war, der den Sohn Maries bei dem Unfall getötet hat und dass es eine Heirat, wie vom Bruder versprochen, nie geben würde. Die Summe, die gezahlt wird, ist beachtlich und Marie muss sich per Unterschrift verpflichten, keine Ansprüche an die Guérecs zu stellen. So wird die Angelegenheit beendet.
Die zweite Schwester spielt so gut wie keine Rolle und stellt nur einen Puffer zwischen der energischen Schwester und dem gestandenen Mannsbild dar.
Fragwürdiger ist dagegen die Marie. Blass, emotionslos, gleichgültig – so lassen sich ihre Charakterzüge zusammenfassen. Der Tod ihres Sohnes, stellt Jules fest, berührt sie kaum. Sie lebt ihr Leben, ein Schicksalsschlag mehr oder weniger scheint keine Rolle zu spielen. Die Annährungsversuche von Jules duldet sie, mehr nicht. Jules bekommt nie heraus, was die Frau über ihn denkt. Sie scheint sich über seine Beweggründe keine Gedanken zu machen. Wolle er ihr eine Freude machen, sagt sie einmal, dann solle er dafür sorgen, dass sie die Wäsche für den Haushalt der Guérecs erledigen darf.
Der vierzigjährige Mann hat schon Probleme, wenn er ein paar Francs bei Prostituierten gelassen hat – wie soll er über eine Haushaltsfrage entscheiden können?
Der Niedergang dieser Familie ist durch diese Angelegenheit beschlossen, und eigentlich folgt darauf das Schema, welches im Roman »Das Testament Donadieu« sehr viel detaillierter beschrieben wird.
Drei Frauen
In einem ähnlich problematischen Spannungsfeld steht Jean in der Erzählung »Die Damen vom Ende der Welt«,der versucht herauszufinden, wer denn seine Eltern sind. Die beiden Schwestern haben dem jungen Mann eine abenteuerliche Geschichte aufgetischt, dass er der Sohn ihres gefallenen Bruders und seine Mutter gestorben wäre. Der gut aussehende Mann, der aufgrund der doppelten weiblichen Erziehung (so die Erklärung von Simenon) sehr weiche Charakterzüge hat, bekommt schon bald mit, dass das, was erzählt wird, nicht sein kann.
Im Dorf weiß man, dass die beiden Schwestern Hortense und Emilie vor vielen Jahren das Dorf verlassen hatten und einige Monate später mit Jean und der abenteuerlichen Geschichte zurückgekommen waren. Diese Erklärung war nicht gut genug und im Dorf mochte sie keiner glauben – hinter die Wahrheit war aber nie jemand gekommen – und so lebt Jean, der vor seiner eigenen Hochzeit steht, in völliger Ungewissheit, wer seine Mutter ist. Denn eine von den beiden Tanten musste es sein. Die Motive für das Verschweigen der wahren Mutterschaft sind übrigens sehr kurios: Die Nicht-Mutter wollte nicht zurückgesetzt werden vor dem Jungen und befürchtete wohl, dass sie von Jean weniger geliebt wurde. Dieses Motiv darf man erraten, denn Simenon beschränkt sich in der Erzählung darauf, die erfolgreiche Heimlichtuerei und die Lebensverhältnisse der Muschel- und Austernfischer zu beschreiben. Mit Schulterzucken würde man heute auch eine ungewollte Schwangerschaft hinnehmen. Man kannte damals schon Mittel und Wege abzutreiben, aber in der Abwägung zwischen der einen und der anderen, in beiden Fällen – meiner Ansicht nach – vermeintlichen Sünde, hat man sich für das geringere Übel entschieden. Das war damals auch eine Frage der Gesundheit, allzuviele Frauen kamen bei Kurpfuscherinnen ums Leben.
Heute lässt man abtreiben oder entscheidet sich dafür, das Kind allein aufzuziehen. Hat man sich für das eine oder andere entschieden, kräht kein Hahn mehr nach dem Vater. Damals war die unmittelbare Umgebung sehr daran interessiert zu erfahren, wer denn der Erzeuger gewesen war. In Jeans Fall war es ein Knecht des Dorfes, der immer noch in der Gegend lebt und die meiste Zeit sturzbetrunken ist. Diese Schande ist der zweite Grund, warum sich die beiden Frauen gegenüber Jean sehr geheimnisvoll geben, denn hatte er erst einmal die Frage der nach Mutter geklärt, würde sich zwangsläufig auch die Vater-Frage stellen.
Einzelkämpferin
Bestimmte Geschichten Simenons kann man uneingeschränkt zeitlos nennen: »Die Witwe Couderc« gehört zu diesen Romanen; auch »Im Falle eines Unfalls« lässt sich gut in die heutige Zeit übertragen, – sogar, auch ein interessanter Gedanke – mit umgekehrten Vorzeichen. Die Konstellation, dass ein Mann im besten Mannesalter mit seinen beiden Schwestern zusammenlebt, scheint mir schon weniger wahrscheinlich. Der Aufwand, den die Mutter und die Tante betrieben haben, um ein Lügengerüst um Jeans Herkunft aufzubauen, ist zumindest in Europa veraltet und wäre völlig unnötig. Die Romane Simenons, in denen Frauen im Vordergrund stehen, lassen sich ebenfalls so aufteilen. »Tante Jeanne« lässt sich immer noch eins zu eins übertragen, bei der Geschichte um »Betty« muss man hingegen Abstriche vornehmen.
Vor 35 Jahren hatte Jeanne Martineau ihr Elternhaus verlassen – in ihren Erinnerungen ein blühendes Haus. Nun ist Jeanne alt und krank, hat vor, um Versöhnung mit der Familie zu bitten, um ihr Altenteil fristen zu können. Sie sieht sich als Bettlerin, wie ein geschundener alter Hund. Bevor sie sich zu ihrer Familie, der Familie ihres Bruders, wagt, trinkt sie sich mit Cognac Mut an.
Jeanne betritt die Szenerie in dem Augenblick, in dem alles im Haus zusammenbricht. Ihr Bruder Robert hat sich auf dem Dachboden erhängt, seine Frau bricht daraufhin – verständlicherweise – zusammen. Die Kinder sind zu dem Zeitpunkt aus dem Haus, »treiben« sich herum. Zurück im Haus bleiben nur die Witwe des kürzlich verunglückten älteren Sohnes Roberts mit ihrem Baby. Die junge Frau ist als Mutter völlig überfordert und lässt das Geschrei des Säuglings apathisch über sich ergehen. Man sollte meinen, dass dies für eine alte, kranke Frau, eine schier übergroße Herausforderung ist.
Aber Jeanne vergisst ihr Selbstmitleid, tritt nicht die Flucht an, sondern macht sich daran, den Haushalt zu organisieren. Sie nimmt sich jeden einzeln vor: den Sohn, der durch ihr Handeln seine Autorität in Frage gestellt sieht; die Tochter, die mit dem Leben ihrer Eltern nichts anfangen kann und sich mit dem Gedanken trägt, von zu Hause fortzugehen und die Witwe, die ihre Probleme in Alkohol ertränkt. Schnell merkt Jeanne, dass sie es mit einem kaputten Haushalt zu tun hat, in dem sie eines zu tun hatte: Sie muss die Bewohner einen, denn die Herausforderungen, die vor der Familie stehen, sind immens.
Da ist der Selbstmord des Vaters: Man bringt sich nicht um, das gibt Probleme mit der Kirche.
Da ist die Firma: Jeanne wird vom Buchhalter ins Vertrauen gezogen, der ihr mitteilt, dass kein Geld vorhanden sei – die Familie ist pleite.
Und da ist die Familie, in der jeder gegen jeden angeht und in der Solidarität ein Fremdwort ist.
Behutsam nimmt sich Jeanne die einzelnen Bewohner vor und »fängt« sie mit ihrer Lebenserfahrung, ihrer Güte und Ruhe. Sie macht Henri zum Hausherren, nimmt ihn in die Verantwortung.
In Madeleine sieht sie ihre eigene Vergangenheit, ihren eigenen Weg, der – rückblickend – in einem verpfuschten Leben mündet hatte. Die junge Frau reagiert bockig auf die Versuche von Jeanne und verkündet, dass sie das Haus verlassen wird. Jeanne bettelt nicht um ein Dableiben, versucht es nicht auf die Mitleidstour, dass die Familie zusammenhalten müsse. Sie begleitet Madeleine zu nächtlicher Stunde zum Bahnhof. Das Verhalten ihrer Tante entspricht nicht dem, das die junge Frau erwartet hatte. Es nötigt ihr Respekt ab – und sie folgt Jeanne nach Hause. Am nächsten Tag öffnet sie sich ihrer Tante, erzählt von ihrem Werdegang und Jeanne erkennt, dass die Geschichte von Madeleine große Parallelen zu ihrer eigenen hat – ein Leben, das in den Augen von Jeannes verpfuscht ist.
Simenon erzählt von Jeannes Leben nur in Fragmenten, es wird viel in Andeutungen gearbeitet – aber man spürt als Leser, dass diese wenigen Tage, die Jeanne in ihrem Geburtshaus bleiben, ein Höhepunkt in ihrem Leben sind. Jeanne gibt viel Menschlichkeit und Hilfe, dass die Menschen schwer in ihrer Schuld stehen. Um einen Satz von Simenon abzuwandeln: Es sind die Tage nach der Katastrophe, an denen man das Leben von Jeanne Martineau messen sollte.
Eigenverantwortung
Nehmen wir »gute« Persönlichkeiten, so würde ich auch die junge Marie aus »Die Marie vom Hafen« an erster Stelle nennen. Der Vater ist gestorben, die Mutter schon lange tot. Nun geht es darum, die Besitztümer zu verteilen. Es sind noch ein paar Kinder übrig, die unter den Verwandten aufgeteilt werden (interessant hier übrigens auch die Argumentation beim Aufteilen: Der kann schon arbeiten, und der nicht, deshalb musst du den und den noch mitnehmen – die Assoziation mit Viehaufteilung sei erlaubt. Ein ähnliches Verhalten ist übrigens auch in Schulen zu beobachten, wenn zum Beispiel im Sportunterricht Mannschaften zusammengestellt werden.). Marie widersetzt sich dem Ansinnen ihrer Onkel und schreitet dagegen ein. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten, setzt sie durch, dass sie für volljährig erklärt wird.
Odile, die ältere Schwester, spielt in dem Geschachere keine Rolle, ist sie doch das schwarze Schaf in der Familie. Sie hatte sich schon früher nach Cherbourg abgesetzt, wo sie die Geliebte des ehemaligen Fischers und Kneipenbesitzers Chatelard ist. Der lernt bei der Beerdigung Odiles Schwester Marie kennen und ist, obwohl er es nicht zugeben will, fasziniert von dem Mädchen.
Marie ist weder hübsch noch auffällig. Man könnte sie einfach eigensinnig nennen. Sie weiß genau, was sie will, hat ihre Vorstellungen, ist aber verschlossen wie eine Auster und hat nicht vor, ihre Pläne anderen – auch nicht ihrer Familie – mitzuteilen, obwohl, und das ist bemerkenswert, sie nur das Beste im Sinn hat.
Nun entspinnt sich in dem Buch ein interessanter Zweikampf zwischen dem Begehren Chatelards und der Widerstandskraft Maries. Fast kippt das Buch und widmet sich ausschließlich dem verwirrten Gefühlsleben Chatelards, der es gewohnt ist, jede Frau zu bekommen. Erstaunlicherweise wechselt dann die Perspektive, was für einen Roman von Simenon sehr ungewöhnlich ist, beobachtet er doch meistens nur eine Person in seinen Geschichten und wir bekommen es mit Marie pur zu tun.
Plötzlich wird klarer, was sich Marie erhofft. Betrachtet man die damaligen Verhältnisse, finde ich Marie erstaunlich emanzipiert. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstand eine neue Frauenbewegung (Stichwort: Suffragetten), die die bürgerlichen Rechte, die bislang den Männern vorbehalten waren, auch für sich einforderte. Man kann davon ausgehen, dass bei dem Bildungstand von Marie, die in einem kleinen Fischerdorf in der Nähe von Cherbourg lebt, die Suffragetten-Bewegung keine Rolle spielt. Maries Unabhängigkeitskampf rührt aus ihrer Persönlichkeit. Das ist es, was sie letztlich sympathisch macht und worin sie ihrer Schwester überlegen ist.
Interessant, wenn auch in diesem Kontext nebensächlich, ist auch die Entwicklung von Chatelard. Der ausgewiesene Macho versucht Marie einfach zu »besitzen«, um dadurch Fakten zu schaffen. Dieses Ansinnen scheitert und er ist gezwungen, sich mit Frauen als Persönlichkeiten auseinanderzusetzen, ein Entwicklungsprozess, der übrigens seine Umgebung stark nervte.
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Die Hauptfigur in der “Witwe Couderc” ist wieder wie fast immer bei Simenon ein Mann, Jean.Dieser hat eine unerledigte Schuld-Sühne-Problematik in seiner Vorgeschichte und sucht erst einmal nach der Entlassung Ruhe,Unterschlupf und Versorgung gegen Arbeit.Eigentlich banal.Und dann wiederholt sich alles, Liebe zu einer jungen Frau, die er nicht leben darf. Er, der sein Leben ein “Looser” war, gibt auf und der Amoklauf mit Fremd- und Selbstaggression ( wie wir ihn immer wieder in der Presse lesen können )ist das letzte Aufbäumen als Befreiungsschlag gegen das Leben. Er besäuft sich, lässt sich damit von den Gendarmen aufsammeln und geht wohl der Todesstrafe entgegen, die er nach seinem Gefühl bei der ersten Tat schon wollte. Todesstrafe als Ersatz für den eigenen Freitod, für den er zu schwach ist. Die Witwe Couderc ist dabei nur das auswechselbare Opfer oder Ziel oder das Mittel zum eigenen biographischen Ende der tragischen männlichen Hauptfigur. Damit bleibt sich Simenon treu und es ist eine wieder “Männergeschichte” hawegr am 09.11.2009 |
Erstellt: 11.06.2008
Letzte Änderung: 25.09.2008
Cherchez la femme!
Frauen spielen als Hauptpersonen im Werk von Simenon eine untergeordnete Rolle – das mag erstaunen, aber wenn man sich durch das Werk des Schriftstellers gelesen hat, bleibt einem nichts anderes, als diese Feststellen. Nur zwei schafften es in den Titel: Betty und Tante Jeanne.
Vier Frauen
Simenon kolportierte, es wären zehntausend Frauen gewesen. Darauf soll nicht näher eingegangen werden, sie können ihm kaum wichtig gewesen sein: Geprägt wurde sein Leben von vier Frauen, die an dieser Stelle ausführlich vorgestellt werden sollen.