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Fortsetzung der Krise

Simenon suchte Wege, seine Frau aufzuheitern. Eine Chance sah er in der Rückkehr nach Europa, aber es wurde nicht besser sondern immer schlimmer. So begann sich bedingungslose Liebe in bedingungslosen Hass zu wandeln. Interessanterweise merkte man es den Romanen nicht an.

(Fortsetzung)

Wenn man Zeichen dieser sich abzeichnenden Beziehungskrise im Werk von Simenon sucht, dann wird man diese nur an den Inhalten der Romane erkennen. Viele der Non-Maigrets beschäftigten sich mit Ehekrisen und der Lösung derer (wobei diese nicht als Vorbild gelten dürften, wenn beispielsweise an »Sonntag« erinnert werden darf). Einen Einfluss auf die Quantität oder Qualität hatte die Dauer-Krise jedoch nicht.

Nachdem schon als Präsident des Filmfestivals in Brüssel präsidiert hatte, trug man ihm 1960 auch die Präsidentschaft des Filmfestivals von Cannes an. Simenon sollte sich von seinen Vorgänger unterscheiden, denn er brach mit einer Reihe von Traditionen. Zum einen hatte er gründlich die Statuten gelesen und war gewillt, sie auch umzusetzen. So lehnte er Einladungen ab und versorgte sich während des Festivals selbst. Er komplementierte den Sekretär des Organisationskomitees aus der Jury-Sitzung mit dem Verweis auf die Satzung und setzte so dann alles daran, den Film gewinnen zu lassen, der ihm am Besten gefiel. Dies war »La dolce vita« von Fellini. Die Frauenstimmen hatte er schon alsbald in seiner Tasche und ein anderes Jury-Mitglied, Henry Miller, hatte kein großes Interesse an Filmen sondern an seiner neuentdeckten Leidenschaft Tischtennis, war ihm freundschaftlich verbunden. Von Freundschaft kann man bei den Vertretern des französischen Fernsehens nicht sprechen, die waren entsetzt, dass man sich über ihren Willen hinwegsetzte, aber die Stimme des Jury-Präsidenten war entscheidend. Die Preisverleihung verlief ein wenig turbulent, weil wohl ein paar Störer engagiert worden waren und in der französischen Regierung hatte man die Lektion gelernt: Simenon wurde nie wieder für eine solche Funktion vorgeschlagen.

Gewinner war Simenon trotzdem: Er hatte einen neuen Freund gewonnen - Fellini.

Simenon war Jahre freundschaftlich seinem italienischen Verleger verbunden, und der hatte 1961, als Simenon auf der Suche nach einem Zimmermädchen war, einen Tipp: Teresa Sburelin. Sie sollte ihm, wie die meisten Hausmädchen bald zu Diensten sein, aber darüber hinaus das Vakuum füllen, das Denyse hinterließ.

Diese lehnte mittlerweile sexuellen Kontakt zu Simenon ab, was diesen mehr als verstörte, und es kam kaum noch zu einem Gespräch. Simenon hatte sich dafür oft Zeit genommen, musste dann aber feststellen, das sie während er erzählte, eingeschlafen war. Denyse war in ärztlicher Behandlung und als es gar nicht mehr ging, wurde sie in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.

Unterhalb Echandens, welches in den Werken Simenon übrigens als »Noland« firmierte, sollte eine Autobahn gebaut werden. Die Simenons nahmen Abstand von dem Gedanken an eine Verlängerung des Mietvertrags für das Schloss. Simenon plante den Bau eines eigenen Hauses in Epalinges - das dritte eigene Haus Georges Simenons, das erste selbstgebaute. Wenn man die Ausmaße hört, so denkt man unweigerlich an einen Palast. 30 Zimmer sollen es gewesen sein. Die Kinderzimmer hatten eigene Bäder, auf dass sich die Kleinen ja nicht ins Gehege kamen. Es gab einen Swimmingpool und ein eigenes Massagezimmer für Simenon, welches später von Journalisten zu einem Operationssaal umgewidmet wurde.

Die Atmosphäre in dem Haus wirkte steril, was die Journalisten vielleicht auf diese Idee gebracht hatte. Aber auch andere Gäste waren irritiert von dem Haus, denn Simenon hatte zum Beispiel ein und das selbe Bild von sich zweimal anbringen lassen. War man schon orientierungslos, so konnten die Bilder einem auch nicht weiterhelfen.

Wer auch nicht viel von dem Haus hatte, war Denyse. Drei Monate nach Bezug im Jahr 1963 wurde sie in die psychiatrische Einrichtung eingewiesen und sollte nicht mehr in das Haus zurückkommen.

Es gab eine weitere Verliererin in dem »Spiel«: Boule. Sie war immer die treue Seele im Haushalt und war, wann immer es ihr möglich war, Simenon gefolgt. 1964 kündigte Simenon ihr, über die Geschichte wie das erfolgte und warum, gibt es verschiedene Fassungen. Sicher war ein Punkt dabei, dass Boule sich mit nicht Teresa vertrug. Sie wechselte zur Familie Marcs, der 1962 schon verheiratet war und Kinder hatte.

Denyse konnte sich nicht mehr kümmern, so oblag die Erziehung der Kinder Simenon. Diesen konnte man in der Beziehung nicht als geradelinig bezeichnen, die Erziehung war sehr stimmungsabhängig, launig wenn man so will. Marnham berichtet, dass es manchmal kein Taschengeld für die Kinder gab, da Simenon befürchtet, er würde seine Kinder verwöhnen und erinnerte sich zurück an seine eigene Kindheit und die Entbehrungen unter denen er gelitten hat. Das war natürlich ein schlechter Vergleich, denn seine Kinder wuchsen nicht in der gleichen Umgebung auf: Wer in einem 30-Zimmer-Palast aufwächst, dem lässt sich der Begriff der »Entbehrung« schwer erklären.

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Erstellt: 17.12.2008

Letzte Änderung: 17.12.2008