Quai des Orfèvres > Maigret

suchen | registrieren | anmelden | das lädchen | forum | kontakt

Essen & Trinken

Zu allererst gehört in diese Rubrik natürlich der Hinweis auf das »Kochbuch« der Maigrets:
Robert J. Courtine
Simenon und Maigret bitten zu Tisch
Die klassischen französischen Bistrorezepte der Madame Maigret.
Erschienen im Diogenes-Verlag

Dieser Band ist nicht nur eine Sammlung von Rezepten, wie die Gerichte, die in den Maigret-Erzählungen erwähnt werden, zuzubereiten sind, sondern enthält sehr gut geschriebene Einführungen zum Thema »Essen bei den Maigrets« und »Simenon und die Mahlzeiten« (Themen mit eigenen Worten widergegeben wink. Darüberhinaus enthält es eine Maigret-Erzählung, die Courtine geschrieben hat, und die Simenon gefallen hat. Der Autor des Buches hatte guten Kontakt zu Simenon, der häufig auch durch den Magen ging.

Maigret kocht nicht, dafür um so mehr seine Frau. Courtine erwähnt in seinem Buch folgende Episode:

Und als ich ihn auf das Essen bei Maigret ansprach, meinte er: »Man hat mich einmal nach dem Liebesideal gefragt, worauf ich antwortete: Madame Maigret!«

Madame Maigret kocht leidenschaftlich gern für den Kommissar. Der Kommissar bevorzugt einfache Küche, alles Exotische oder Ausgefallene ist ihm fremd. Courtine erläutert in seinem Buch sehr ausführlich, in wieweit man Rückschlüsse von den Essgewohnheiten des Erfinders auf seine Figur vornehmen kann. Wenn man es genau betrachtet, dann ißt mit Maigret sein Erfinder. So drückt es Simenon auch in Un banc au soleil aus, als er sich über seine Vorliebe für kleine und ursprüngliche Restaurants ausließ:

Es frequentierten sie praktisch nur Stammgäste, Kutscher und Chauffeure oder Leute wie ich, die auf von der Wirtin selbst zubereitete, einfache und unverfälschte Gerichte aus waren. Der Tresen war aus echtem Zinn; der Wein kam vom Bruder, vom Cousin oder vom Schwager des Wirtes, kleine Landweine, die nicht den Umweg über die Halles von Bercy gemacht hatten. Das Menü war mit Kreide auf einer Schiefertafel angeschrieben und bestand neben Knollensellerie und einer Sardine aus einem einzigen Hauptgang. Der Wirt servierte selbst, wenn er nicht eine Tochter oder Nicht hatte, die in der schwarzen Schürze von Tisch zu Tisch ging. Bistro und Küche waren durch eine Glastür getrennt, und man konnte zusehen, wie sich die Wirtin am Herd zu schaffen machte. Der Küche entströmten appetitliche Düfte, und es war eigentlich überflüssig, auf die Schiefertafel zu schauen, um zu wissen, was es gab. Aus dieser Zeit stammt wohl auch meine Vorliebe für grillierte andouilletes(Gekrösewürstchen), Eintopf, (südfranzösischen) Sauerbraten, Frikandeau mit Sauerampfer und fast alle anderen Gerichte, die in der Folge meinem wackeren Maigret aufgedrängt habe.

Diese Vorliebe für die einfache Küche »bedient« die Frau des Kommissars. Als Elsässerin hat sie schon ein gehöriges Repertoire an Rezepten in der Tasche, als sie den jungen Maigret anfängt zu bekochen. Es dauert nicht lang, dann kommen auch die Rezepte aus der Heimat Maigrets dazu. Kommt Maigret von einer Reise zurück und berichtet dann von einem Gericht, welches er dort oder dort gegessen hat, und welches gar köstlich gewesen war, scheut seine Frau keine Mühe, das Rezept aufzutreiben, um es nachzukochen.

Ein zweiter Rezeptaustauschtreff sind die Treffen mit den Pardons. Sowohl der Doktor wie auch seine Frau, sind leidenschaftliche Köche. Häufig kommt es vor, dass der Doktor schon vor dem eigentlich Treffen bei den Maigrets nachfragt, ob sie dieses oder jenes mögen, damit er sich bei seiner Rezeptauswahl darauf einstellen kann. Hin und wieder kocht natürlich auch die Frau des Arztes, ganz selbstverständlich tauschen die beiden Frauen natürlich Rezepte und Erfahrungen, wenn sich die Männer zu einem ihrer Gespräche zurückgezogen haben. Die Essen bei den Pardons stehen dabei im Vordergrund – bei den Maigrets ist weniger los. In »Maigret und der Spitzel« wird ein vergangenes Essen mit den Pardons im Hause Maigret erwähnt: Der Kommissar wird des Nachts zu einem Einsatz gerufen und ihm liegt das Essen schwer im Magen – es gab überbackene Rebhühner. Dabei erwähnt Simenon, dass Maigrets mit seinem Freund eine der letzten Flaschen Châteauneuf-du-Pape leerte und den Abend mit Pflaumenschaps beendete.

Ein typisches Lokal (Paris) - Foto: Johann Peter EickhorstIn Abwesenheit seiner Frau geht er Essen und labt sich an Gerichten, die er in Anwesenheit seiner Frau nicht ißt, zum Beispiel Muscheln (siehe »Maigret als möblierter Herr«). Mit Muscheln hat es Maigret sowieso, sie sind eine seiner Lieblingsspeisen. Er ist sehr enttäuscht, als er in Saint-André-sur-Mer keine bekommt, zumal das für ihn ein Anreiz gewesen war, in dieses Nest zu fahren (siehe »Maigret und die schrecklichen Kinder«). Auch in Ètretat (»Maigret und die alte Dame«) geht es ihm nicht anders: er erwartet Muscheln und es gibt keine.

Nachdem Motto »Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen« werden auf dieser Seite Gerichte und Getränke aufgelistet, die in den Maigret-Erzählungen vorkommen.

 

Vielleicht auch interessant...

Meinungen

Artikelhistorie

Zu Tisch, bitte!

Es gibt verschiedene Klassiker der Sekundärliteratur und »Simenon und Maigret bitten zu Tisch« ist eines davon. Wohlgemerkt: Dieser Klassiker ist ein Kochbuch und ist schon das erste Mal in den sechziger Jahren das erste Mal erschienen, allerdings unter einem anderen Titel. Diese Ausgabe ist ein Schlusspunkt.

Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.

Was meinen Sie?

Erstellt: 01.12.2007

Letzte Änderung: 01.12.2007