|
suchen | registrieren | anmelden | das lädchen | forum | kontakt |
Müssten wir den ersten der Maigrets nicht preisen? Schließlich ist es der Beginn einer Reihe, die viele Menschen fasziniert und unwahrscheinlich gern gelesen wird. Der Beginn eines Serie, mit der Simenon eine Popularität erzielte.
(Fortsetzung)
Nimmt man es genau, nimmt es Simenon nicht sehr genau. Es dauert nicht lang, da begeht Kommissar Maigret in seinem ersten Fall seine erste Dienstüberschreitung. Er reist, ohne sich eine Erlaubnis einzuholen, nach Fécamp. Ein Kommissar der Pariser Polizei sollte wissen, dass er außerhalb der Stadt keinerlei Befugnisse hat. Sicher ist es nicht so, dass jeder Leser über diesen Punkt sofort stolpert, aber Maigret macht sich kurz darauf daran, die nächste Übertretung der Vorschriften anzugehen, indem er sich gegenüber einer Zeugin als Beamter der Ausländerpolizei vorstellt.
An diesen beiden Punkten merkt man, dass Simenon die internen Strukturen und Abläufe der französischen insbesondere der Pariser Polizei nicht kannte oder sie einfach ignorierte. Auf dem Lande war (und ist) die Gendarmerie zuständig, in größeren Ortschaften gab (und gibt) es eine eigene örtliche Polizei. Diese Ausrutscher sind in späteren Maigret-Romanen nicht mehr zu finden. Dies ist sicher auch einem privaten Lehrgang geschuldet, den Georges Simenon bei der Pariser Polizei erhielt. Schon bald bleibt Maigret in seinem Gebiet und zieht die zuständigen Vertreter hinzu, sobald sich ein Fall über sein Gebiet hinaus erstreckt.
Der Wissenschaft gegenüber war Maigret nicht sehr aufgeschlossen. Wohl bekommt Maigret eine detaillierte Beschreibung von Pietr, einschließlich der Ohren. Anhand dieser Beschreibung stellt sich Maigret an den Gare du Nord und will in der Menschenmenge einen Mann identifizieren. Ich kenne mich in der Hut- und Haarmode der damaligen Zeit nicht aus, denke aber, dass es eine höchst unzuverlässige Methode sein muss, einen Mann anhand solcher Kriterien aus der Menge herauszufischen.
Maigret tritt in diesem ersten Roman als Einzelgänger auf, hat Heldenhaftes an sich. Bewundernswert, wie er sich durch die Hälfte des Romans mit einer sich immer wieder öffnenden Wunde schleppt, die Schmerzen dabei nur eine lästige Nebenrolle spielen. Und das bei einer Wunde, bei der das Fleisch am Brustkorb zerfetzt wurde! Auf solche Heldentaten lässt sich Maigret in der Folge nur noch selten ein. In »Le fou de Bergerac« wird Maigret angeschossen, lässt aber seine Frau zur Pflege kommen. Das Gleiche gilt in der Zukunft für Erkältungen, aber das nur am Rande.
Gerade diese Abkehr vom Heroischen, denn in späteren Romanen ist solches Verhalten nicht mehr zu finden, macht Maigret sympathisch und verleiht ihm die Menschlichkeit, die die Leser an ihm schätzen. In einem der Filme, in denen Jean Gabin den Maigret gab, wurde Maigret stellenweise als Draufgänger dargestellt. Diese Maigret-Darstellung wirkt lächerlich.
In diesem ersten Roman sieht es so aus, als würde nicht nur Maigret die Methode fehlen, sondern auch Simenon lässt sie missen. Der Kommissar wirkt alles andere als geradlinig und zielstrebig. Das irritierende Auftreten des Polizisten ist weniger im Wesen des Kommissars zu suchen, als vielmehr im Schreibstil seines Schöpfers. Man kann es keinem Leser übel nehmen, wenn er sich nach der Lektüre dieses Romans von Simenon abwendet und sagt, dass er sich für diese Romanfigur nicht begeistern könne.
Wenn man es in einem Wort zusammenfassen müsste, würde ich den Roman als verwirrend bezeichnen. Ich habe mich in ihm nicht zurechtgefunden; vermutlich wird es mir nicht allein so gehen.
Maigret entwickelt sich in den folgenden Jahren zu einem Organisator, der in der Lage ist, den Mitarbeitern unterschiedliche Aufgaben zuzuweisen. Das Delegieren von Kleinigkeiten gibt Maigret die Luft und den Spielraum, sich aktiv in Ermittlungen einzumischen und den Schreibtisch zu verlassen.
Während es typisch gewesen wäre, den Roman mit einem lauten Knall zu beenden, wählt Simenon ein für ihn typisches Ende – im Kleinen und Privaten findet sich die Lösung für das Drama. Damit liegt der Roman aber schon ganz auf der Linie der ihm folgenden Maigret-Reihe: Maigret fängt an Menschen zu sammeln.
Die Fakten
Kommissar Maigret? Ja, schon mal gehört. Aber gelesen? Nein. Schade eigentlich. Hier soll Appetit gemacht werden und ein kleiner Einblick in das Maigret-Universum gewährt werden.
Die Geschichte der Maigret-Romane
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben. |
Erstellt: 24.09.2008
Letzte Änderung: 26.09.2008
Die Ursuppe
Es war keine leichte Geburt, dieser Maigret. Staatliche Ausmaße erfolgen hohen Einsatz. Ganz so, wie Simenon es später schilderte, ist der Kommissar wohl nicht geboren worden. Uns ist es egal, Hauptsache er ist gesund und hat sich prächtig entwickelt.
Kleine Maigrets
Lang dauerte Abschied von Kommissar Maigret nicht. Mitte der dreißiger Jahre kehrte Simenon zu seinem Kommissar zurück und machte ihn in Kurzgeschichten zum Schnell-Ermittler. Der Kommissar bereitete sein Comeback vor.
Die große Zeit
Die Kurzgeschichten waren nur ein Zwischenspiel, Fingerübungen für Simenon. Anfang der 40er Jahre kehrte Maigret zurück und sollte gedeihen. Er gewann an Format und Erfahrung. Simenons Anfängerfehler, wenn man sie so nennen will, sind in diesen Romanen nicht zu finden.
Ausklang
Gold war damals auch Gold, aber im Fernsehen halt noch schwarz-weiß. Maigret trat von der großen Leinwand, auf der er meisterhaft von Jean Gabin verkörpert wurde, in die kleine Kiste und mit dieser wurde Rupert Davies zum Sinnbild für Maigret. Zumindest für die Engländer und Deutschen.
Maigret aus Holland
Glaubt man Simenon, so entstand das Bild des Maigrets und auch der erste Roman in Delfzijl nahe der deutschen Grenze. Selbst wenn das nicht ganz den Tatsachen entsprechen sollte, so hatte Maigret hier doch zu tun. Und der Ort erinnert daran.